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Wall Street Expertin Navidi „Schlimmstenfalls treffen bei Evergrande Merkmale von Lehman und Enron zusammen"

23.09.2021, 16:17  |  18722   |  198   |   

Der Evergrande-Brand schwelt immer noch: Wie hoch ist die Gefahr einer weltweiten Finanzkrise mit Auslöser in China? Wall Street Expertin und Autorin Sandra Navidi schätzt für uns die Lage ein.

Die Ängste vor Zahlungsausfällen halten weiterhin an, trotzdem konnte Evergrande am Donnerstag die Kursgewinne vom Vortag zunächst ausbauen und legte an der Hongkonger Börse zu Handelsbeginn über 30 Prozent zu. Nach einem Bericht des Wall Street Journals drehte das Papier allerdings ins Minus: Die chinesische Regierung habe ihren lokalen Behörden geraten, sich auf einen potenziellen Kollaps von Evergrande vorzubereiten.

'Allgemeiner Wohlstand'

Wall Street Finanzexpertin Sandra Navidi, die in der Vergangenheit schon häufiger große Immobilienprojekte in China besichtigen konnte, setzt bei ihrer Einschätzung bei den von Präsident Xi angeordneten Initiativen zum allgemeinen Wohlstand an, mit denen Peking die Unternehmensverschuldung herunterfahren und die Risiken in der Wirtschaft minimieren will: "Während das Land im Rekordtempo neue Milliardäre hervorgebracht hat, leben über eine Milliarde Menschen immer noch in Armut. Die soziale Ungleichheit steigt und das zuvorderste Ziel ist die Wahrung des sozialen Friedens", erklärt Navidi.

Immobilien als Wertanlage

Dabei sei der Immobiliensektor lange der schuldenfinanzierte Wachstumsmotor der chinesischen Wirtschaft gewesen, sagt Navidi: "Aufgrund des schwach ausgeprägten sozialen Sicherheitsnetzes müssen die Chinesen selbst aktiv für ihre Not- und Altersrücklagen vorsorgen. Da die Kapitalmärkte wenig ausgeprägt sind, haben sie allerdings im Hinblick auf Anlagemöglichkeiten keine allzu große Auswahl und haben mit Vorliebe in Immobilien investiert, was auch gesellschaftlich sehr angesehen ist."

Der daraus resultierende Vermögenseffekt habe entscheidend zum Wirtschaftswachstum beigetragen, meint die Expertin. Wenn Immobilienwerte jetzt plötzlich drastisch fallen, werde sich das negativ auf die Verbraucherausgaben auswirken, sagt die Expertin voraus.

Merkmale von Lehman und Enron

Ein systemisches Risiko sieht Navidi als möglich an, weil Evergrande unter den chinesischen Immobilienkonzernen die Regel und nicht die Ausnahme sei: "Schlimmstenfalls treffen bei Evergrande die Merkmale von Lehman und Enron zusammen, denn schon seit längerem gab es Hinweise von Insidern auf nicht ordnungsgemäße Buchführungstechniken. Wenn die chinesische Zentralbank Immobilienkonzerne als systemisches Risiko betrachtet, wie ein vor kurzem öffentlich gewordener Brief nahelegt, dann sollten auch wir dieses Risiko nicht unterschätzen", betont Sandra Navidi.

Abwärtsspriale

Finanzaufsichtsbehörden hätten im letzten Jahr großen Banken vorgeschrieben, ihre Immobilienkredite auf 40 Prozent des von ihnen gewährten, gesamten Kreditvolumens herunterzufahren, was nahelege, dass das tatsächliche Exposure deutlich größer gewesen sei: "Hinzu kommen die Risiken aus dem Schattenbankensystem, die selbst für die Regierung schwer einzuschätzen sind. All dies kann eine Abwärtsspirale in Gang setzen", warnt Navidi.

Autorin: Gina Moesing, wallstreet:online Zentralredaktion

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198 Kommentare

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Kommentare

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26.10.21 21:02:58
Ich setze noch Modern Land auf die Liste, konnte eine Anleihe von schlappen 250 Mio US-$ nicht leisten.
Fitch-Rating wurde heut auf RD gesetzt also kurz vor D. Schuldenlast unbekannt.

https://www.reuters.com/business/china-evergrandes-ev-unit-s…
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26.10.21 20:56:47
Ich setze noch Modern Land auf die Liste, konnte eine Anleihe von schlappen 250 Mio US-$ nicht leisten.
Fitch-Rating wurde heut auf RD gesetzt also kurz vor D. Schuldenlast unbekannt.

https://www.reuters.com/business/china-evergrandes-ev-unit-s…

Die Stahlproduktion ist um 17 % gefallen ein Anzeichen für eine abkühlenden Immomarkt.
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26.10.21 15:57:12
Eine Zahlung wurde noch nicht offiziell bestätigt.

Der Bankrott von Evergrande selbst ist dagegen wahrscheinlich bereits eingetreten. Bis Montagmorgen deutscher Zeit waren - weder von Evergrande selbst noch von Ratingagenturen vor Ort, betroffenen Anleihe-Investoren oder beteiligten Banken - Bestätigungen dafür zu erhalten, dass überfällige Zinsen in Höhe von 83,5 Millionen US-Dollar Ende vergangener Woche - zum letztmöglichen Termin der 30-tägigen Schonfrist - gezahlt worden sind. Bisher gibt es hierzu lediglich unbestätigte Presseberichte, wonach die Zinsen auf Treuhandkonten geflossen seien. Bei den Gläubigern jedoch sind sie bisher nicht eingegangen. Damit wäre der Pleitefall eingetreten. Doch selbst, wenn diesmal die Zinsen noch gezahlt worden sein sollten, es wäre bloß ein Aufschub der Insolvenz. Denn von nun an geht es Schlag auf Schlag weiter: Die nächste - bereits überfällige - Zinszahlung muss bis 29. Oktober erfolgen. Die übernächste (ebenfalls bereits in Verzug) dann bis zum 10. November.




https://www.presseportal.de/pm/159524/5055424



und selbst wenn die es zahlen können.


Nach Angaben des angesehenen chinesischen Wirtschaftsmagazins Caixin muss Evergrande innerhalb der nächsten zwölf Monate insgesamt sogar 106 Milliarden Euro für Zinsen und Rückzahlungen auftreiben. "Sollte nicht doch noch der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass der chinesische Staat einspringt, dann ist damit Evergrandes Zusammenbruch schon heute als sicher anzusehen", interpretiert Studienautor Metzler diese Zahlen.


Dies können Sie erst recht nicht zahlen.

Also pleite sind die auf jedenfall. Die Frage ist eher nur: Wann wird es offiziell gemacht?
Avatar
25.10.21 20:41:26
Ja so isses ! Die kleinen zuerst dann die großen, ich denke bei Adler ist auch nicht alle koscher und läuft nicht rund.

Da werden in unseren Gefilden noch was aus uns zukommen. Im Prinzip sind die Symthome recht stimmig, im Umland von Stuttgart sind seit Ende 2020 - Mitte 2021 jeder Schrott noch weggekauft worden.
Neuerdings kommen Neubauten nur schleppend bis gar nicht weg, Neupreise bis 6200 Euro je qm gefordert. Auch wenn mann hier verdient wie der Arsch,
einfach nicht mehr möglich. Vor allem das Eigenkapital von run 20 % + NK nur mit kaltem Geld (Erbe) möglich.
Zinsen hin oder her, wenn mann noch die Energiekosten einrechnet. Ich kenne welche die haben ein Haus, aber keine Rücklagen für eine energetische Sanierung.......

So in China brökelt es weiter..

- Immobiliensteuer wird in China flankiert
- Ich setze Xinyuan auf die Liste, wird von Fitch auf C agbestuft ist nur ein kleiner mit 760 Mio US-$ Schulden.
- Modern Land bittet die Gläubiger um Zahlungsaufschub

Schlimmer noch das die Energiepreise weiter steigen, Natural Gas kostet schon wieder gestiegen um 11 % heute.
Avatar
25.10.21 18:45:45
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2021-10/5429091…

Und nicht nur die Chinesen haben Probleme

Disclaimer

Wall Street Expertin Navidi „Schlimmstenfalls treffen bei Evergrande Merkmale von Lehman und Enron zusammen" Der Evergrande-Brand schwelt immer noch: Wie hoch ist die Gefahr einer weltweiten Finanzkrise mit Auslöser in China? Wall Street Expertin und Autorin Sandra Navidi schätzt für uns die Lage ein.

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