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     165  0 Kommentare Politische Übungen, Kommentar zum Bankenstresstest von Jan Schrader

    Frankfurt (ots) - "Solide kapitalisiert", "hohe Resilienz", "Risikotragfähigkeit
    recht gut" - wer Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling zuhört, muss zum
    Eindruck gelangen, dass die deutsche Aufsicht zufrieden mit der
    Kapitalausstattung der Banken ist. Auch BaFin-Exekutivdirektor Raimund Röseler
    hält eine Krise für beherrschbar. Optimistische Töne zu den Folgen einer
    Zinswende kommen hinzu. So viel Lob hat die Kreditwirtschaft wohl nicht
    erwartet. Damit schürt die Aufsicht Erwartungen.

    Natürlich sind die Chefaufseher der Banken klug genug, um ihr positives Fazit zu
    relativieren. Der übliche Verweis auf die Unsicherheit der Szenarien, auf einige
    Problemfälle in der Bankenzunft und auf Mängel hie und da fehlt freilich nicht.
    "Professionelle Sorgenfalten" nennt Wuermeling die unverzichtbare Skepsis der
    Aufseher, und Röseler mischt mit seiner Warnung vor einem womöglich "perfekten
    Sturm" für das Wirtschaftsgeschehen auch noch ein paar dramatische Töne unter.
    Eine Bankenkrise oder Kreditklemme erwartet die Aufsicht aber nicht -
    beziehungsweise, Vorsicht muss sein, "aktuell" nicht. Damit ist das Resümee
    trotz der eingeschobenen Molltöne positiv.

    Es wird nicht lange dauern, bis der Ruf nach einer Entlastung für die Institute
    lauter wird. Die zusätzlichen Kapitalaufschläge, die vor einigen Monaten wegen
    der bereits damals wackeligen Konjunktur und der stark gestiegenen
    Immobilienpreise eingeführt worden waren, lassen sich mit einem positiven
    Resümee zur Kapitalausstattung scheinbar nicht mehr so geschmeidig begründen wie
    zuvor - obwohl doch Krieg, Inflation, Energiekrise und Rezession genug Stoff für
    Warnungen böten. Die Deutsche Kreditwirtschaft als Sprachrohr der Branche
    forderte nach Veröffentlichung der Ergebnisse, dass Aufseher die individuellen
    Kapitalquoten von Banken "mit Bedacht" wählen sollen. Absehbar ist auch eine
    Forderung nach einer Entlastung im Meldewesen, denn allein der Stresstest
    brachte eine Excel-Datei mit hunderten Datenfeldern mit sich. Die Aufsicht, so
    machte BaFin-Mann Röseler deutlich, wünscht sich aber eher mehr Stresstests, um
    mit den Annahmen nicht so sehr hinterher zu sein wie in der aktuellen Runde. Die
    laufende Reform des Meldewesens soll es möglich machen. Eine gute
    Kapitalausstattung ist eine Steilvorlage für Kritiker, das Vorhaben in Frage zu
    stellen.

    Der aktuelle Stresstest zeigt einmal mehr, dass die Übungen einen politischen
    Charakter haben. Fallen sie schlecht aus, sorgt die Aufsicht für Unruhe und baut
    Druck auf. Sind die Ergebnisse solide, wird der Ruf nach Entlastung laut. An der
    Grundüberlegung ändert sich aber unabhängig vom Stresstest nichts:
    Kapitalpolster schützen vor Bankpleiten, regelmäßige Stresstests geben Aufsehern
    ein Gespür für Risiken.

    Die Aussage zur Lage der gesamten Kreditwirtschaft ist hingegen begrenzt. Das
    Ergebnis hängt auch von Modellannahmen ab - das macht die Testergebnisse
    unvermeidbar willkürlich. Risiken für eine gesamte Branche sind im komplexen
    Finanzwesen schwer messbar, verlässliche Aussagen erlaubt die detailreiche
    Abfrage eher für einzelne Institute oder für Teilsegmente. Der Stresstest ist
    eine Rechenübung, die Aufsehern eine Orientierung gibt und die Sensibilität der
    beaufsichtigen Häuser schärft. Mehr nicht.

    Pressekontakt:

    Börsen-Zeitung
    Redaktion

    Telefon: 069-2732-0
    www.boersen-zeitung.de

    Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/30377/5332395
    OTS: Börsen-Zeitung



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    Politische Übungen, Kommentar zum Bankenstresstest von Jan Schrader "Solide kapitalisiert", "hohe Resilienz", "Risikotragfähigkeit recht gut" - wer Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling zuhört, muss zum Eindruck gelangen, dass die deutsche Aufsicht zufrieden mit der Kapitalausstattung der Banken ist. Auch …

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