Interview der Woche
Polleit: Fiat-Geld und Börsenboom - die unsichtbaren Treiber der Finanzmärkte
Die Aktienmärkte erreichen neue Rekordstände, doch wie lange kann das anhalten? Thorsten Polleit, Herausgeber des Boom and Bust Reports, erklärt bei wO TV, wie gerechtfertigt die Bewertungen sind.
- Aktienmärkte erreichen Rekordstände, aber fragil.
- Fiat Geld: staatlich kontrolliertes Geld, leicht erzeugbar.
- Expansive Geldpolitik führt zu Blasen und Risiken.
- Report: Goldpreis nicht zu stoppen

wallstreetONLINE: Herr Polleit, bevor wir beginnen, sollten wir eigentlich auch mal alle mit ins Boot holen, die nicht wissen, was das Fiat Geld, das eine so große Rolle
spielt, was das Fiat Geld überhaupt ist. Vielleicht können sie das zunächst erklären.
Thorsten Polleit: Das Wort Fiat ist also nicht der italienische Autobauer, sondern das ist das lateinische Wort fiat es verde. Und mit Fiat Geld bezeichnet man das Geld,
was gewissermaßen heute von den Zentralbanken ausgegeben wird. Also US Dollar, Euro, chinesischer Renminbi, japanischer Yen, schweizer Franken. All das sind sogenannte Fiat Währungen. Und diese
Fiat Währungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie staatlich monopolisiertes Geld darstellen. Zum anderen wird dieses Geld durch Bankkreditvergabe aus dem nichts, wenn man so will, im Umlauf
gebracht. Und drittens, Fiat Geld ist meist verfügbar in Form von Bits and byte und bunt bedruckten Papierzetteln. Also Geld, das man mit ganz geringen Kosten erzeugen und in Umlauf bringen kann.
Und das ist kurz gesagt das Fiat Geld, was man heute weltweit vorfindet.
wallstreetONLINE: Und wie genau beeinflusst dieses Fiat Geldsystem die kontinuierlichen Kurssteigerungen auf den Finanzmärkten?
Thorsten Polleit: Das Schlüsselelement dabei ist der Kreditmarkt. Ich sagte bereits, das Fiat Geld wird vor allem durch Kreditvergabe in Umlauf gebracht. Das muss man sich
so vorstellen, eine Bank vergibt einen Kredit an einen Hausbauer oder an eine Firma. Und durch diese Kreditvergabe gibt es eine sogenannte Bilanzverlängerung bei der kreditgebenden Bank. Die Bank
bucht eine Kreditforderung gegenüber dem Kreditnehmer ein und schreibt ihm den Kreditbetrag auf seinem Konto gut. Das ist also Geldschöpfung aus dem nichts, wenn man so will. Und durch diesen
Kreditvergabevorgang wird der Marktzins unter das Niveau gedrückt, was eigentlich bestehen würde, wenn es diese Ausweitung des Kreditangebots nicht geben würde. Und sie wissen, wenn die Zinsen
künstlich heruntergesenkt werden, dann erscheinen häufig Investitionen, die vorher nicht rentabel waren, attraktiv und Unternehmer beginnen zu investieren, neue Arbeitsplätze zu schaffen etc. Und
dann kommt so ein Boom in Gang, ein künstlicher Aufschwung und insbesondere natürlich die abgesenkten Zinsen, die bewirken, dass die Barwerte, also beispielsweise die Barwerte von Häusern oder von
Aktien oder von Anleihen in die Höhe gedrückt werden. Und da merken sie schon, da ist das entscheidende Element, warum das in den letzten Jahrzehnten zu stetig immer weiter steigenden Aktienkursen
beigetragen hat. Ich sage nicht, dass es das alleinige Element, das die Aktienkurssteigerung bewirkt hat, sondern es ist eben ein zusätzliches, aber überaus wichtiges Element, was hier am Werke
ist.
wallstreetONLINE: Dann spielt auch sicherlich die expansive Geldpolitik der Zentralbanken da auch eine ganz entscheidende Rolle, nicht?
Thorsten Polleit: Ja, das ist ganz entscheidend, diese expansive Geldpolitik, die darauf ausgerichtet ist, das Geld und Kreditwachstum anzuheizen. Und im Grunde seit den
frühen 1980er Jahren war ja der Kapitalmarktzins im Sinkflug. Das heißt, die Zentralbanken haben vom Auf und Ab der Konjunktur die Zinsen immer weiter abgesenkt. Und das hat den sogenannten
Diskontierungszins vermindert. Der Diskontierungszins, das ist der Zins, mit dem die Investoren die künftigen erwarteten Firmengewinne abzinsen auf die Gegenwart. Und je tiefer dieser
Diskontierungszins ist, desto höher sind die Barwerte und desto höher steigen dann auch die Aktienkurse oder eben auch Häuserpreise an. Und nochmal, dieser Zinsabwärtstrend der letzten Jahrzehnte
war ganz entscheidend für das Kursfeuerwerk, was in den letzten Dekaden beobachtbar war.
wallstreetONLINE: Welche Risiken könnten durch die steigenden Aktienkurse und die Abhängigkeit vom Fiat Geld denn entstehen?
Thorsten Polleit: Ja, dabei entstehen insbesondere häufig Blasen, also besonders exzessive Kurssteigerungen. Das hat man z.B. gesehen beim Auftürmen und Platzen des New
Economy Booms 2000/2001 und natürlich dann auch im Vorfeld der globalen Finanz und Wirtschaftskrise...
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