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Smart Investor Weekly 50/2008 Vater Staat – soll es richten

Gastautor: Ralf Flierl
09.12.2008, 17:21  |  1221   |   |   
Wer will noch mal, wer hat noch nicht?
Nun also doch: Die US-Regierung wird die notleidende heimische Autoindustrie, sprich die großen Drei aus Detroit (GM, Chrysler und Ford) mit einem Überbrückungskredit über 15 Mrd. USD vor der Insolvenz retten. Diese ist damit jedoch nicht aufgeschoben, allenfalls aufgehoben – bis ins nächste Frühjahr, wo sich erneut die Frage stellen wird, ob der Staat ein weiteres Mal den Konzernen zur Hilfe eilt. Die Antwort auf diese zugegeben reichlich hypothetische Frage fällt nicht schwer. Nachdem die Büchse der Pandora erst einmal aufgemacht wurde, wird man sie kaum mehr wieder zubekommen – weder in den USA, noch hierzulande, wo das Damoklesschwert Opel weiter über der Bundesregierung schwebt. Erst die Banken, nun die Automobilindustrie, who’s next? Wenn Tausende Jobs auf dem Spiel stehen, sieht die Politik sich in der Pflicht. Dabei wird wohlweißlich unter den Teppich gekehrt, dass die Finanzkrise keineswegs die Ursache der Probleme von GM, Chrysler und Ford ist. Die Turbulenzen an den Börsen infolge der Hypothekenmarktkrise wirkten höchstens als Verstärker für weit tiefer gehende, d.h. strukturelle Probleme auf dem Automarkt. Eine verfehlte Modellpolitik, fehlende Innovationskraft und Überkapazitäten werden sich auch mit einem Überbrückungskredit nicht beseitigen lassen, ganz im Gegenteil.

Bittere Wahrheiten verkündet niemand gern
Politiker haben allgemein einen schlechten Ruf. Sie seien nur auf ihren eigenen Vorteil aus, würden die Probleme nicht beim Namen nennen und sich auch sonst um klare Positionen drücken. Nun gehört zu dieser pauschalen Bestandsaufnahme aber auch die Wahrheit, dass sich der Politiker eigentlich nur vollkommen rational verhält. Denn er tut das, was seine Wähler von ihm erwarten. Und die wollen in der Mehrheit, dass der Staat in die Bresche springt, wenn Arbeitsplätze in Gefahr sind. In dieser Bilanz wird jedoch zumeist ausgeblendet, dass für einige Jobs, die man womöglich bei Opel rettet, Arbeitsplätze bei anderen Autobauern oder in anderen Branchen verloren gehen. Gerade Leiharbeiter haben keine Lobby und werden derzeit nahezu geräuschlos entlassen. Sobald es allerdings an die Stammbelegschaften geht, die gewerkschaftlich stark organisiert sind, formiert sich wie auf Kommando lautstarker Widerstand. Ganz schön scheinheilig, das Ganze. Was aber noch viel schlimmer ist: Langfristig führen staatliche Interventionen nicht zur Lösung struktureller Probleme, sie zögern eine notwendige Bereinigung sogar unnötig hinaus. Das Beispiel Holzmann dürfte vielen noch in Erinnerung sein. Und dann ist da auch noch die Frage: ab welcher Größe rettet man eigentlich ein Unternehmen? Greift dies auch schon bei einem Auto-Zulieferer wie der Leverkusener TMD Friction mit weltweit 4.500 Beschäftigten, die vorgestern Insolvenz angemeldet hatte? Das ganze läuft hüben wir drüben ohnehin auf eine reine Willkür-Veranstaltung hinaus.
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