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Basel III, Banken-Stress und die große Unsicherheit

Gastautor: Klaus Singer
10.09.2010, 14:51  |  1507   |   |   
Am Wochende treffen sich die „Vorturner“ der Finanzmärkte, die Chefs der Notenbanken und Aufsichtsbehörden, und beraten über „Basel III“.

Es geht um neue globale Eigenkapitalstandards für Banken. Wie bitte - „global“? Die USA haben bis heute nicht einmal „Basel II“ umgesetzt. Aber vielleicht machen sie jetzt mit, auch Fed-Chef Bernanke wird in Basel erwartet.

Kommt es am Wochenende zum Konsens, so wird der auf dem G20-Teffen im Nov in Seoul zur Abstimmung vorgelegt.

Die deutschen Banken haben schon einmal reklamiert, dass bei Inkrafttreten der neuen Regeln eine Kreditklemme droht. Man benötigte etwa 100 Mrd. Euro an neuem Eigenkapital. Wenn das nicht beizubringen sei, müsste eben die Kreditvergabe gedrosselt werden. Dem widersprach Marting Blessing, Chef der Commerzbank, gestern. Nur Theaterdonner?

Die Einzelheiten von „Basel III“ sind nicht veröffentlicht, aber die Richtung ist klar. Die Definition des aufsichtsrechtlich akzeptierten „Kernkapitals“ wird deutlich strenger. Mischformen von Fremd- und Eigenkapital, aber auch Posten erwarteter Einnahmen werden zu deutlich kleineren Anteilen anrechenbar sein. Strenger wird auch die Berechnung der Risiken, dadurch steigen die Aktiva im globalen Schnitt um etwa 30%.

Der Zähler der regulatorischen Schlüsselquote (Kernkapital zu risikogewichteten Aktiva) schrumpft, der Nenner wächst. Gleichzeitig soll die Untergrenze dieser Quote heraufgesetzt werden und zwar auf 6% statt jetzt 4%. Hinzu soll ein Puffer von 3% für Krisenzeiten kommen. Der Basler Vorschlag enthält noch einen zusätzlichen „antizyklischen“ Puffer von 3%, der in Boomzeiten aufgebaut werden soll. Damit käme man auf eine minimale Kernkapitalquote von 12% im Boom. In dieser Definition heißt „Boom“ eine signifikante Abweichung des aktuellen Verhältnisses zwischen nationalem Kreditvolumen und BIP vom langfristigen Trend.

Für die Umsetzung der einzelnen Vorschriften gelten Übergangsfristen von bis zu acht Jahren.

Die Pläne gehen meiner Meinung in die richtige Richtung, wobei mal abgewartet werden sollte, wie stark sie noch verwässert werden und wie groß die Spielräume bei der nationalen Implementation sind. Ich vermute, es läuft darauf hinaus, dass sich hinter ein paar markigen Richtlinien so viele Fußnoten und Ausnahme-Regelungen verbergen, dass am Ende nicht viel übrig bleibt. Das mach die Banken-Systeme dann jedenfalls auch nicht sicherer.
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