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Marktkommentar: Laurent Saltiel (AB Europe): EM-Aktien – Geduld zahlt sich aus
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Marktkommentar Laurent Saltiel (AB Europe): EM-Aktien – Geduld zahlt sich aus

Nachrichtenquelle: Asset Standard
17.08.2017, 00:00  |  453   |   |   

Aktienanleger fokussieren sich immer stärker auf kurzfristige Ergebnisse – dabei locken langfristige Ertragsquellen in den Emerging Markets, so Laurent Saltiel.

​Aktienanleger fokussieren sich immer stärker auf kurzfristige Ergebnisse. In einem ungeduldigen Marktumfeld können Anleger signifikante Ertragsquellen bei EM-(Emerging-Markets-)Unternehmen entdecken, die über Wachstumspotenzial für mehrere Jahre verfügen.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Anlagehorizont erheblich verkürzt. Die durchschnittliche Haltedauer für amerikanische Aktien etwa hat sich seit den Siebzigerjahren halbiert auf weniger als zwei Jahre. Die Umschlagshäufigkeit ist an den Schwellenmärkten sogar noch höher: In fünf asiatischen Schlüsselländern hat sich die durchschnittliche Haltedauer auf weniger als ein Jahr reduziert (Abbildung 1).


Warum sind die Anleger so rastlos? Erstens weil moderne Technologie ihnen innerhalb von Sekunden Zugang zu Finanzdaten gewährt und zu einem Boom beim algorithmischen Handel geführt hat. Diese automatisierten Trades machen heute über die Hälfte des US-Handelsvolumens aus.

Zweitens sind Hedgefonds mit ihren kurzfristigen Ansätzen seit Mitte der Neunzigerjahre auf ein Gesamtvermögen von beinahe drei Billionen US-Dollar angeschwollen. Die Sell-Side hat darauf reagiert, indem sie den Researchfokus verstärkt auf den 12-Monats-Ausblick für Aktien legt.

Die zunehmende Kurzsichtigkeit vieler Marktteilnehmer schafft unseres Erachtens Chancen für langfristig orientierte Anleger. Das gilt insbesondere für die Schwellenländer, wo die Verfügbarkeit von Marktdaten weniger gut ist und Verbrauchertrends sich nur über Jahre hinweg voll entwickeln.

GÜNSTIGE RAHMENBEDINGUNGEN IN DEN SCHWELLENLÄNDERN

In den Industriestaaten hat ein eher moderates Wirtschaftswachstum es den Unternehmen erschwert, ihrerseits dauerhaft zu wachsen. EM-Unternehmen bewegen sich hingegen in einem weitaus günstigeren Umfeld. Die Schwellenländer machen heute über die Hälfte des globalen BIP aus, verglichen mit nur einem Drittel noch im Jahr 2000. Und starkes Wachstum führt zu höheren verfügbaren Einkommen und deutlich mehr Konsum. Darum kommen die zwanzig am schnellsten wachsenden Verbrauchsgüterunternehmen ausnahmslos aus Schwellenländern, darunter fast die Hälfte aus Indien und Indonesien (Abbildung 2). Einheimische Marken verstehen es oft besser als die internationalen Grosskonzerne, die lokalen Bedürfnisse zu verstehen und zu bedienen. So haben etwa in China lokale Gesichtscremes ausländische Konkurrenten wie L´Oréal überflügelt und dabei höhere Erträge für ihre Aktionäre erwirtschaftet.


DEN HORIZONT ERWEITERN

Wie können Anleger nun EM-Unternehmen mit dauerhaften Wachstumsaussichten finden? Wir beginnen mit einer Analyse der abgezinsten Zahlungsströme (Discounted Cash Flow, DCF). Dieses Verfahren schätzt den intrinsischen Wert eines Unternehmens, indem es den aktuellen Kapitalwert der zukünftigen Zahlungsströme schätzt. Der im DCF-Modell verankerte Zinseszinseffekt vergrössert den Einfluss langfristigen Wachstums. Wenn also die Wachstumsrate in den ersten drei Jahren um einen Prozentpunkt steigt oder fällt, verändert sich der aktuelle Kapitalwert kaum (nur um drei Prozent). Wenn wir jedoch die gleiche Wachstumsrate für die Jahre vier bis zehn betrachten, ändert sich der Kapitalwert um 12–13 Prozent (Abbildung 3). Anders ausgedrückt: Ein Anleger kann mit einer Prognose für das Wachstum jenseits von vier Jahren viel mehr Geld verdienen als mit der Einschätzung des kommenden Quartals.


Die Zeit vergrössert also in zunehmendem Masse die Auswirkung von nachhaltigem Wachstum. Um jedoch davon zu profitieren, können Anleger nicht einfach eine Aktie kaufen und für mehrere Jahre halten. Extensives Research hinsichtlich der langfristigen Aussichten eines Unternehmens ist notwendig, anstatt einfach die Ergebnisse des kommenden Quartals vorherzusagen.

Dauerhaftes Wachstum zu finden ist also nicht einfach. Zu den Aussichten eines Unternehmens in fünf bis zehn Jahren gibt es nur begrenzte Informationen. Langfristige Marktprognosen enthalten eingebaute Tendenzen und liegen oft daneben. Im Jahr 2007 warnte der ehemalige Fed-Chef Greenspan, dass die Welt zweistellige Leitzinsen benötigen könnte, um kurzfristig die Inflation zu bekämpfen. Seither liegen die Zinsen meistens nahe Null.

MARKTDURCHDRINGUNG WEIST DEN WEG ZU WACHSTUM

Marktdurchdringungsquoten sind ein guter Wegweiser zu dauerhaftem Wachstum. So macht der Onlinehandel nur 16 % von Chinas Verbrauchermarkt mit einem Umfang von 4 Billionen US-Dollar aus, wächst jedoch stetig. Selbst in reifen Branchen wie im Halbleitersektor gibt es Wachstumsnischen: Das sogenannte „Fabless-Modell“, das Design und Herstellung von Chips voneinander trennt, macht nur 20 % des globalen Halbleiterumsatzes aus, wächst jedoch in jedem Jahr seit 2002 um circa ein Prozent. Wenn Anleger sich zu sehr von den täglichen Schlagzeilen leiten lassen, übersehen sie oft solche strukturellen Umwälzungen, die das Geschäftsumfeld eines Unternehmens nachhaltig verändern können.

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