Bruttoinlandsprodukt
Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 3. Quartal 2022 / Wirtschaftsleistung trotz schwieriger Rahmenbedingungen gestiegen

Nachrichtenagentur : news aktuell
25.11.2022, 10:10  |  349 Leser

WIESBADEN (ots) - Bruttoinlandsprodukt (BIP), 3. Quartal 2022

0,4 % zum Vorquartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt)

1,2 % zum Vorjahresquartal (preisbereinigt)

1,3 % zum Vorjahresquartal (preis- und kalenderbereinigt)

Die deutsche Wirtschaft bleibt insgesamt robust: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP)
ist im 3. Quartal 2022 gegenüber dem 2. Quartal 2022 - preis-, saison- und
kalenderbereinigt - um 0,4 % gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt
(Destatis) mitteilt, war das Wachstum damit um 0,1 Prozentpunkte höher als in
der Schnellmeldung vom 28. Oktober 2022 berichtet. Trotz schwieriger
weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen mit anhaltender Corona-Pandemie,
Lieferengpässen, weiter steigenden Preisen und dem Krieg in der Ukraine stieg
die Wirtschaftsleistung wie bereits in den ersten beiden Quartalen des Jahres
(+0,8 % und +0,1 %).

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Privater Konsum und Ausrüstungsinvestitionen stützen die deutsche Wirtschaft

Die Wirtschaftsleistung wurde im 3. Quartal 2022 vor allem von den privaten
Konsumausgaben getragen: Trotz weiterhin starker Preissteigerungen und der sich
ausweitenden Energiekrise nutzten die Verbraucherinnen und Verbraucher auch im
3. Quartal 2022 die Aufhebung fast aller Corona-Beschränkungen, um zum Beispiel
mehr zu reisen und auszugehen. Die privaten Konsumausgaben waren insgesamt 1,0 %
höher als im 2. Quartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt). Die
Konsumausgaben des Staates blieben dagegen etwa auf dem Niveau des Vorquartals
(0,0 %). Die Bauinvestitionen waren wie schon im 2. Quartal (preis-, saison- und
kalenderbereinigt) im Minus (-1,4 %), während die Investitionen in Ausrüstungen
- also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge - kräftig zulegten (+2,7 %).

Der Handel mit dem Ausland nahm insgesamt trotz der angespannten internationalen
Situation zu. Dank eines weiterhin hohen Auftragsbestands und wieder besser
funktionierender weltweiter Lieferketten wurden im 3. Quartal 2022 preis-,
saison- und kalenderbereinigt 2,0 % mehr Waren und Dienstleistungen exportiert
als im 2. Quartal 2022. Die Importe legten mit +2,4 % noch stärker zu als die
Exporte.

Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe und in den meisten
Dienstleistungsbereichen im Plus, im Baugewerbe im Minus

Die preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttowertschöpfung stieg im 3.
Quartal 2022 um 1,4 %. Dazu trug unter anderem die überraschend positive
Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe bei. Diese trotzte Produktionsrückgängen
in den energieintensiven Branchen wie der Herstellung von chemischen
Erzeugnissen sowie der Metallerzeugung und -bearbeitung, die besonders von den
stark gestiegenen Energiepreisen betroffen waren. Durch gleichzeitige
Produktionssteigerungen vor allem in der Automobilbranche und im Maschinenbau
nahm die Wirtschaftsleistung im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt um 0,9 % zum
Vorquartal zu. In den meisten Dienstleistungsbereichen stieg die
Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal ebenfalls. Besonders dynamisch
wuchs die Bruttowertschöpfung in den zusammengefassten Bereichen Handel,
Verkehr, Gastgewerbe (+3,3 %), Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit
(+4,5 %) und sonstige Dienstleister (+5,4 %). Im Baugewerbe sank die
Bruttowertschöpfung im 3. Quartal 2022 im Vergleich zum Vorquartal preis-,
saison- und kalenderbereinigt dagegen erneut kräftig um 4,2 %.

Bruttoinlandsprodukt erstmals über Vorkrisenniveau

Im Vorjahresvergleich war das BIP im 3. Quartal 2022 preisbereinigt 1,2 %,
preis- und kalenderbereinigt 1,3 % höher als im 3. Quartal 2021. Im Vergleich
zum 4. Quartal 2019, dem Quartal vor Beginn der Corona-Krise, lag das preis-,
saison- und kalenderbereinigte BIP im 3. Quartal 2022 erstmals oberhalb des
Vorkrisenniveaus (+0,3 %).

Gestiegene Nachfrage aus dem In- und Ausland gegenüber dem Vorjahr

Die inländische Nachfrage legte auch im Vorjahresvergleich trotz starker
Preisanstiege und globaler Unsicherheiten weiter zu. Das gilt vor allem für die
privaten Konsumausgaben, die preisbereinigt gegenüber dem 3. Quartal 2021 um 2,0
% stiegen. Ein Grund dafür war offenbar die Reiselust der Menschen: Die Ausgaben
für Dienstleistungen in den Bereichen Beherbergung und Gaststätten sowie Verkehr
legten im 3. Quartal 2022 kräftig zu. Für langlebige Güter wurde dagegen erneut
weniger ausgegeben als vor einem Jahr. Ursache dafür dürfte die allgemeine
Verunsicherung aufgrund der starken Preisanstiege gewesen sein. Die hohen
Lebensmittelpreise sowie die gestiegene Nachfrage nach Gaststättenleistungen
führten wohl zu niedrigeren preisbereinigten Konsumausgaben für Nahrungsmittel
als im 3. Quartal 2021. Die Konsumausgaben des Staates verzeichneten einen
Anstieg von 1,4 % im Vorjahresvergleich. Ursache sind weiterhin hohe Ausgaben
für die zentrale Beschaffung von Impfstoffen des Bundes sowie höhere Ausgaben
für Geflüchtete. Gedämpft wurde der Anstieg durch den Abbau verschiedener
Corona-Maßnahmen. Hierunter fallen beispielsweise das Auslaufen der Zahlungen
für freigehaltene Betten an Krankenhäuser sowie der Rückgang an durchgeführten
Corona-Impfungen und Schnelltests.

Bei den Investitionen war das Bild gemischt: In Ausrüstungen wurde
preisbereinigt deutlich mehr investiert als ein Jahr zuvor (+6,3 %). Hier
scheint die Auftragslage trotz hoher Preise und Lieferengpässen weiter sehr gut
zu sein, zudem stieg die Zahl der gewerblichen Pkw-Neuzulassungen kräftig. Bei
den Bauinvestitionen führten dagegen hohe Baupreise, Fachkräftemangel und
Lieferengpässe insbesondere im Ausbaugewerbe zu einem Rückgang von 2,6 % im
Vergleich zum 3. Quartal 2021.

Der Handel mit dem Ausland nahm im Vergleich zum Vorjahr zu, obwohl sich die
starken Preisanstiege im bisherigen Jahresverlauf fortsetzen: Im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum stiegen die Exportpreise nach dem VGR-Konzept um 13 %.
Preisbereinigt konnten die Exporte im 3. Quartal 2022 dennoch um 4,9 % zulegen.
Positive Impulse kamen unter anderem aus den Bereichen Kraftfahrzeugbau und
elektronische Ausrüstungen. Importseitig stiegen die Preise im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum um 20,8 %. Hier schlugen sich die deutlichen Preisanstiege im
Bereich Energie nieder. Nichtsdestotrotz legten die preisbereinigten Importe
gegenüber dem 3. Quartal 2021 um 8,3 % zu, was unter anderem auf deutliche
Zuwächse im Reiseverkehr zurückzuführen ist.

Dienstleistungsbereiche steigern ihre Wirtschaftsleistung im Vorjahresvergleich,
Baugewerbe deutlich im Minus

Insgesamt lag die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im 3. Quartal 2022 um 1,4
% über dem Niveau des 3. Quartals 2021.

Zu diesem Anstieg trugen fast alle Wirtschaftsbereiche bei. Der
Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe konnte mit +2,7 % deutlich
zum Vorjahresquartal zulegen. Verantwortlich hierfür waren unter anderem
Nachholeffekte im Zuge der gelockerten Corona-Maßnahmen, die sich in steigender
Nachfrage im Bereich der Personenbeförderung sowie im Gastgewerbe
widerspiegelten. Hohe Zunahmen gegenüber dem Vorjahr verzeichneten auch die
meisten anderen Dienstleistungsbereiche, unter anderem der Bereich Öffentliche
Dienstleister, Erziehung, Gesundheit mit +3,0 %. Das Verarbeitende Gewerbe wuchs
mit +1,1 % etwas unter dem Durchschnitt.

Das Baugewerbe war erneut deutlich im Minus, die preisbereinigte
Bruttowertschöpfung sank hier um 5,4 % zum Vorjahr. Dazu trugen die anhaltende
Materialknappheit, aber auch der Fachkräftemangel bei.

Erwerbstätigenzahl mit neuem Höchststand

Die Wirtschaftsleistung wurde im 3. Quartal 2022 von rund 45,6 Millionen
Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Das waren 490 000
Personen oder 1,1 % mehr als ein Jahr zuvor und ein erneuter Höchststand (siehe
Pressemitteilung Nr. 484/22 vom 17. November 2022).

Im Durchschnitt je Erwerbstätigen wurden 1,1 % mehr Arbeitsstunden geleistet als
im 3. Quartal 2021, was vor allem mit einem Rückgang der Kurzarbeit
zusammenhängt. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen - also die Gesamtzahl
der geleisteten Arbeitsstunden aller Erwerbstätigen - nahm dadurch kräftig um
2,2 % zu. Das ergaben erste vorläufige Berechnungen des Instituts für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität - gemessen als preisbereinigtes
BIP je Erwerbstätigenstunde - nahm nach vorläufigen Berechnungen gegenüber dem
Vorjahresquartal um 1,0 % ab. Je Erwerbstätigen war sie um 0,1 % höher.

Einkommen und Konsum steigen kräftig, Sparquote im Vorjahresvergleich rückläufig

In jeweiligen Preisen gerechnet war sowohl das BIP als auch das
Bruttonationaleinkommen im 3. Quartal 2022 um 5,8 % höher als ein Jahr zuvor.
Das Volkseinkommen war um 4,0 % höher als im 3. Quartal 2021. Dabei stieg nach
ersten vorläufigen Berechnungen das Arbeitnehmerentgelt um 4,6 % und damit etwas
stärker als die Unternehmens- und Vermögenseinkommen (+2,4 %). Nach ersten
vorläufigen Berechnungen verzeichneten die durchschnittlichen Bruttolöhne und
-gehälter im 3. Quartal 2022 ein Plus von 3,7 % gegenüber dem entsprechenden
Vorjahreszeitraum. Neben tariflich vereinbarten Lohnsteigerungen ist dieser
Zuwachs vor allem auf den starken Rückgang der Kurzarbeit zurückzuführen. Die
Bruttolöhne und -gehälter insgesamt waren um 5,0 % höher als im Jahr zuvor, da
sich auch die Zahl der Arbeitnehmer erhöhte. Auch aufgrund der dämpfenden
Wirkung des Steuerentlastungsgesetzes 2022 sind die Nettolöhne und -gehälter mit
+5,2 % etwas stärker gestiegen als die Bruttolöhne und -gehälter.

Mit 9,6 % lag die Sparquote auch im 3. Quartal 2022 unter dem Vorjahreswert
(10,4 %). Maßgeblich hierfür war die vor allem auf die starken Preiserhöhungen
zurückzuführende kräftige Zunahme der privaten Konsumausgaben in jeweiligen
Preisen. Diese legten im Vorjahresvergleich um 9,4 % zu und damit stärker als
das verfügbare Einkommen, das sich um 8,6 % erhöhte. Ohne die Energiepauschale
wäre dieser Anstieg rund 2 Prozentpunkte geringer ausgefallen.

Die deutsche Wirtschaft im internationalen Vergleich

Im Durchschnitt hat die Wirtschaft der Europäischen Union (EU) und des Euroraums
im 3. Quartal 2022 etwas schwächer zugelegt als in Deutschland: Für die EU
insgesamt und den Euroraum meldete das europäische Statistikamt Eurostat nach
vorläufigen Berechnungen einen preis-, saison- und kalenderbereinigten
BIP-Anstieg um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal. In Spanien und Frankreich stieg
das BIP ebenfalls um 0,2 %. In Italien wuchs die Wirtschaft mit +0,5 % etwas
stärker. In ähnlichem Ausmaß nahm die Wirtschaftsleistung der Vereinigten
Staaten (USA) zu (+0,6 %). Einige kleinere EU- und Nachbarstaaten Deutschlands
verzeichneten hingegen Rückgänge (Niederlande, Belgien, Österreich, Tschechien).
Im Vorjahresvergleich liegen die BIP-Wachstumsraten der anderen
EU-Mitgliedstaaten fast alle höher als in Deutschland.

Verglichen mit dem 4. Quartal 2019, dem Quartal vor Beginn der Corona-Pandemie,
zeigt sich, dass das BIP in Deutschland im 3. Quartal 2022 erstmals das
Vorkrisenniveau übertraf (+0,3 %). Während die EU insgesamt (+2,7 %), Frankreich
(+1,1 %) und Italien (+1,8 %) ebenso wie die Vereinigten Staaten (+4,2 %) ihr
Vorkrisenniveau schon länger übertreffen, lag die Wirtschaftsleistung in Spanien
(-2,0 %) weiterhin deutlich darunter.

Ein detaillierter Vergleich der Wachstumsraten der EU-Mitgliedstaaten ist im
Webangebot "Europa in Zahlen" verfügbar.

Revision der bisherigen Ergebnisse und methodische Hinweise:

Mit der Berechnung der ausführlichen Ergebnisse hat das Statistische Bundesamt
auch das Bruttoinlandsprodukt der ersten drei Quartale 2022 überarbeitet. Mit
den seit der Schnellmeldung am 28. Oktober 2022 neu verfügbaren statistischen
Informationen ergaben sich dabei für das Bruttoinlandsprodukt lediglich
geringfügige Änderungen der bisherigen Ergebnisse. Detailliertere Angaben zu den
Neuberechnungen enthält die Tabelle "Alt-Neu-Vergleich" in dieser
Pressemitteilung.

Aufgrund des Kriegs in der Ukraine und der anhaltenden Corona-Krise sind die
aktuellen Ergebnisse jedoch mit größeren Unsicherheiten als sonst üblich
behaftet. Das gilt insbesondere für die saison- und kalenderbereinigten
Quartalswerte.

Weitere Informationen:

Tiefer gegliederte Ergebnisse bietet die Fachserie 18 "Volkswirtschaftliche
Gesamtrechnungen", Reihe 1.2 "Vierteljahresergebnisse" sowie Reihe 1.3
"Saisonbereinigte Vierteljahresergebnisse nach X13". Diese und weitere
Veröffentlichungen sind auf der Themenseite "Volkswirtschaftliche
Gesamtrechnungen, Inlandsprodukt" im Internetangebot des Statistischen
Bundesamtes unter der Rubrik "Publikationen" verfügbar. Unter der Rubrik
"Tabellen" steht dort auch eine lange Reihe mit Quartalsergebnissen zum BIP seit
dem 1. Quartal 1970 bereit.

Außerdem können diese und weitere aktuelle Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnungen auch über die Datenbank GENESIS-Online abgerufen werden.

Einen detaillierten Vergleich der BIP-Wachstumsraten in den EU-Mitgliedstaaten
bietet das Webangebot "Europa in Zahlen".

Das BIP ist auch Teil des "Krisenmonitors" (www.destatis.de/krisenmonitor), mit
dem das Statistische Bundesamt die Entwicklung wichtiger Konjunkturindikatoren
in der Corona-Krise und in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009
gegenüberstellt. Der Krisenmonitor ergänzt die Sonderseite "Corona-Statistiken"
(www.destatis.de/corona), die statistische Informationen zu den wirtschaftlichen
und gesellschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie bündelt. Anschauliche
aktualisierte Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) finden
sich zudem im interaktiven VGR-Monitor Deutschland
(www.destatis.de/vgr-monitor-deutschland).

Der Angriff Russlands auf die Ukraine und die damit verbundenen Sanktionen
wirken sich auf viele Bereiche in Gesellschaft und Wirtschaft aus. Auf einer
Sonderseite haben wir Daten und Informationen dazu für Sie zusammengestellt.

Diese Pressemitteilung ist, gegebenenfalls ergänzt mit weiteren Informationen
und Verlinkungen zum Thema, veröffentlicht unter
www.destatis.de/pressemitteilungen.

Pressekontakt:

Statistisches Bundesamt
Pressestelle
www.destatis.de/kontakt
Telefon: +49 611-75 34 44

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/32102/5379018
OTS: Statistisches Bundesamt

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