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Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 3. Quartal 2017?

15.11.2017, 13:24  |  2226   |   |   
Value Investor Warren Buffett, das "Orakel von Omaha", musste für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von $100 Mio. ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen.

Veränderungen im 3. Quartal 2017
Im abgelaufenen Quartal gab es nur wenige, aber dafür bemerkenswerte Veränderungen an Buffetts Positionen.


▸ Käufe
Ganz neu ist Buffetts Position in Bank of America, die er allerdings nicht über die Börse erworben hat, sondern durch das Ausüben seiner Wandeloptionen; er hält nun 679 Mio. ihrer Aktien im Gesamtwert von 17,2 Mrd. Dollar per 30.09. BoA ist somit auf Schlag die fünfgrößte Position in Buffetts Aktiendepot. Bezahlt hatte er dafür vergleichsweise wenig. Denn Buffett stieg bereits 2011 bei der damals kriselnden BoA ein und zwar durch eine in zwei Teile strukturierte Transaktion. Für 5 Mrd. Dollar kaufte er "Cumulative Perpetual Preferred Stocks", die keine Laufzeitbeschränkung haben und jährlich 6% an Zinsen abwerfen. Sie können nicht in "Common Stocks" (Stammaktien) getauscht werden. Aber Warren Buffett wäre nicht Warren Buffett, gäbe es nicht den zweiten Part. Denn zusätzlich erhielt er "Warrants" (Wandeloptionen), die es ihm erlauben, bis September 2021 für 5 Mrd. Dollar BoA-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von 7,14 Dollar je Aktie. Schlusskurs am Freitag an der NYSE war 25 Dollar! Er machte also mit der Ausübung der Optionen knapp 18 Dollar Gewinn je Aktie und in Summe sind das - festhalten - 12,6 Mrd. Dollar. Gewinn! Die ganzen erhaltenen Zinsen der letzten sechs Jahr nicht eingerechnet.

Um weitere 3,34 Mio. Aktien aufgestockt hat er bei Synchrony Financial., wo er nun mit 20,8 Mio. Aktien auf einen Beteiligungswert von 646 Mio. Dollar kommt. Bei der ehemaligen Finanzsparte von General Electric war Buffett erst im zweiten Auartal erstmals eingestiegen, nachdem die zunehmende Verschuldungskrise privater Haushalte in den USA den Kurs hatte taumeln lassen. Buffett liebt Kreditkartenfirmen und hält ja auch große Pakete an American Express, Mastercard und VISA.

Zugekauft hat er auch bei Mosanto, wo er die wachsende Unsicherheit über ein Gelingen der Übernahme durch den deutschen Chemiegiganten Bayer die Kurse unter Druck hielt. Die 831.658 neue Aktien entsprechen einer Ausweitung der Position um 10,34%.

Und zu guter Letzt hat Buffett bei Apple weiter zugekauft und mit 3,90 Mio. neuen Aktien seinen Bestand um 2,99% erhöht. Mit 134,1 Mio. Aktien im Gesamtwert von 20,67 Mrd. Dollar ist Apple inzwischen die drittgrößte Position in Buffetts Portfolio hinter Wells Fargo und Kraft Heinz.


▸ Verkäufe
Fast noch interessanter sind Buffetts Verkäufe. Und damit meine ich nicht den Verkauf der restlichen Kleinstposition an Wabco Holdings, sondern seinen weiteren erheblichen Positionsabbau bei IBM. Viele Jahre lang war Buffett der größte Verfechter von "Big Blue" und wurde nicht müde, die Strategie von Chefin Virginia "Ginni" Rometty zu unterstützen. Ihm hatten es die tief verwurzelten Kundenbeziehungen angetan, die er als den Moat ansah. Daher störten ihn auch 22 Quartale in Folge mit sinkenden Umsätzen nicht, denn er war ja eher auf der Kaufseite. Doch nun steckt Buffett in einem Dilemma. Denn als größer Aktionär kann er nicht einfach seine Aktien über die Börse verkaufen, ohne einen Crash in diesem Wert auszulösen. Doch er ist nicht mehr von IBM überzeugt, wie er selbst öffentlich zugab. Nachdem er bereits im ersten Quartal 2017 gut 17 Mio. Aktien und im zweiten Quartal weitere 10 Mio. Aktien verkauft hatte, reduzierte er im dritten Quartal seinen Bestand um weitere 31,53% bzw. 17,06 Mio. Aktien. Verblieben sind in seinem Depot nur" noch 37 Mio. Anteile, die mit 5,37 Mrd. Dollar noch knapp 3% von Buffetts Portfolio ausmachen. Zum Jahreswechsel hatte Buffetts IBM-Anteil als seine viertgrößte Position noch bei 9% gelegen und einen Gesamtwert von 13,5 Mrd. Dollar.

Und auch bei Wells Fargo, seiner inzwischen wieder größten Depotposition, verkaufte Buffett weitere Anteile, nämlich 3,755 Mio. Aktien bzw. 0,8% seiner Position. Der Hintergrund seines Aktienverkaufs ist schlicht, dass wegen der ständigen Aktienrückkäufe des Unternehmens Buffetts Anteil an Wells Fargo über 10% angestiegen ist und die Behörden Buffett keine Ausnahmeregelung zugestehen wollten. Wenn Berkshire Hathaway nämlich mehr als 10% der Anteile an dieser systemrelevanten Bank hält, hätte man Berkshire Hathaway selbst als systemrelevant eingestuft. Mit erheblich verschärften regulatorischen Auflagen, von erhöhten Eigenkapitalpflichten, Dokumentations- und Aufsichtspflichten bis hin zum Erstellen eines "Testaments" im Falle einer Abwicklung und/oder Konkurses. (Nur) um dies zu umgehen, reduzierte Buffett also seinen Anteil, so dass er nun wieder unter der Marke von 10% aller Aktien liegt. Da Wells Fargo weiter Aktien zurückkaufen wird, dürften wir also in jedem kommenden Quartal eine entsprechende Verkaufsmeldung bzw. Größenanpassung seitens Buffett sehen. Mit 1,4% an Buffetts Portfolio hat sich Wells Fargo wieder auf Platz 1 vorgeschoben vor Kraft Heinz. Allerdings liegt das vor allem am zuletzt schwächelnden Aktienkurs des Lebensmittelgiganten und wir können davon ausgehen, dass man sich bald den Spitzenplatz zurückerobern wird.
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