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Die nächste Übernahme? Wann greift United Internet hier zu?

Gastautor: Volker Glaser
08.12.2017, 00:07  |  6532   |   |   

Wenn Ralph Dommermuth, CEO von United Internet, auf Shopping-Tour geht, können sich Anteilseigner auf ihn verlassen. Nachdem er sich zunächst einen Anteil von über 25 % bei Versatel gesichert hatte, folgte 2 Jahre später, also im Jahr 2014, die vollständige Übernahme. Bei Drillisch ist er im Jahr 2015 mit einem Anteil von weniger als 30 % eingestiegen. 2017 erfolgte ein Übernahmeangebot an die Aktionäre von Drillisch zu einem attraktiven Preis und die Einbringung der Mobilfunk- und Festnetz-Aktivitäten der 1&1 Telecommunication von United Internet.

Die mittelfristige Übernahme von Drillisch hatten wir bereits im Sommer 2015 vorhergesagt. 2016 sicherte sich Dommermuth am Kabelanbieter Tele Columbus einen Anteil von 25 %, der im diesem Jahr auf fast 29 % aufgestockt wurde. 2018 dürfte es bei Tele Columbus auf der Seite der Anteilseigner zu strategischen Veränderungen kommen. Daran haben wir keinen Zweifel. Dommermuth wird handeln, da er sich sicher nicht mit einem Minderheitenanteil zufriedengeben wird. Die genaue Struktur ist indes vielfältig, da der United Internet-Chef immer wieder für Überraschungen gut ist. Eine Option ist natürlich ein klassisches Übernahmeangebot an die Aktionäre von Tele Columbus, um die Mehrheit zu sichern. Dommermuth gelingt es aber wieder, die Börse zu überraschen. So zum Beispiel bei der Drillisch-Transaktion. Keiner hatte auf dem Schirm, dass er bei Drillisch ein ganz wesentliches Geschäft einbringt. Das führte dazu, dass die „kleine“ Drillisch inzwischen einen Börsenwert von mehr als 11.6 Mrd. Euro ausweist. Das Geschäft mit Business Applications hat Dommermuth aus dem Konzern separiert und sich mit einem Anteil von über einem Drittel das Private-Equity Haus Warburg Pincus als Investor mit ins Boot geholt. Es besteht kein Zweifel, dass der umtriebige Dommermuth offensichtlich gerne Geschäfte mit Private-Equity macht. Versatel wurde beispielsweise von KKR gekauft. Gut möglich, dass United Internet auch bei Tele Columbus einen anderen Zug wählt als die plumpe Übernahme. Die Idee wäre ein gemeinsames Geschäft zur Übernahme von Tele Columbus mit einem Private Equity Haus.

Ein idealer Partner für eine gemeinsame Übernahme von Tele Columbus wäre die schwedische EQT. Der milliardenschwere Investor kennt sich mit Kabelanbietern bestens aus, da er einst bei Kabel BW (heute Unitymedia) investiert war. Ob alleine oder gemeinsam mit einem Investor - für United Internet wäre der drittgrößte Kabelanbieter ein interessantes Asset, da er die eigene Position nochmals deutlich stärken würde. Vodafone hat sich bereits Kabel Deutschland einverleibt.

Aktionäre von Tele Columbus dürften sich einen starken Aufkäufer oder Mehrheitsinvestor wie United Internet nur wünschen. Das Unternehmen dürfte eigenständig auf Sicht von mehreren Jahren nur wenig Chancen haben sich kraftvoll zu entwickeln. Die Firma hat nur wenig Cash in der Kasse, ist aber per Ende September kurz- und langfristig mit gut 1.3 Mrd. Euro verschuldet. 2016 lag der operative Cashflow bei gut 200 Mio. Euro und der Free Cashflow bei rund 70 Mio. Euro. Das bereits normalisierte EBITDA erreichte rund eine Viertelmilliarde Euro. Aufgrund von Abschreibungen und üppiger Zinskosten aufgrund der dachhohen Verschuldung ist 2016 netto nichts mehr hängen geblieben. Der Verlust lag bei mehr als 10 Mio. Euro. 2017 dürfte die Gesellschaft allenfalls ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaften. Der designierte CEO von Tele Columbus, Timm Degenhardt, der das Amt des CEO vom derzeit amtierenden Firmenchef Ronny Verhelst im Februar kommenden Jahres übernehmen wird, sollte zügig ein Kostensenkungsprogramm einführen. Wir sind uns sicher, dass die Gesellschaft Potenzial hat, die Kosten deutlich zu senken.

Für das Jahr 2017 hat Tele Columbus eine stabile Basis von etwa 3.6 Mio. angeschlossenen Haushalten angekündigt. Der Umsatz soll im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Beim normalisierten EBITDA hatte Verhelst einst ein Plus von etwa 10 % gegenüber dem Jahr 2016 angekündigt. Dieses wurde inzwischen auf ein „hoch einstelliges“ Plus angepasst.

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