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Asset Allcation Die Vermögenslandschaft von morgen

Gastautor: Dominik Weiss
29.12.2017, 09:53  |  1049   |   |   

Die Finanzkrise von 2008 hat die Asset Allocation nachhaltig geprägt. In ihrem Nachgang stiegen Indexierungen, Multis und Alternatives zu gefragten Anlageinstrumenten auf. Die kommende Dekade birgt für die Kapitalanlage neue Vorraussetzungen.

Vor einer Dekade trug sich das Jahr 2008 als annus horribilis in die Geschichtsbücher der institutionellen Kapitalanlage ein. Die Kapitalverluste waren enorm, deutsche Aktien verloren etwa 40 Prozent.Außer Staatsanleihen strebten alle Asset-Klassen gen Süden. 2008 war aber auch ein Schreckensjahr für die Asset Manager. Der Industrie ging mit den fallenden Notierungen auf den Kapitalmärkten nicht nur ein großer Teil ihrer ­Management-Fee-Basis verloren. Sie erlitt zudem auch einen großen Verlust an Vertrauenskapital. 

Der große Vertrauensverlust 

Hedgefonds und Rohstoffe, damals als Diversifikator und unabhängig stetig sprudelnder Renditequell beziehungsweise als Inflationsschutz vermarktet, sind in den meisten Portfolios ausgestorben. Dieses Schicksal erlitten auch klassische CPPI-Systeme, die erst zu spät absicherten und dann den im März 2009 ausgestoppten Investoren den Wiedereinstieg in Aktien zum Tiefpunkt vermasselten. Offene Immobilienfonds, Immobilienfonds mit gemischter Anlegerschaft und ABS-Strukturen finden allenfalls langsam wieder das Zutrauen von Investoren. Seit dem damaligen Fiasko achten sie nun viel sorgfältiger auf Leverage und Liquidität. Mindestens ebenso groß ist aber der Vertrauenskapitalverlust, den Rating-Agenturen erlitten.

Mit dem gestiegenen Misstrauen gegenüber Dienstleistern wurde auch die – mit den Anfang des Jahrtausends eingeführten Master-KAGen – Errungenschaft der Aufspaltung der Wertschöpfungskette beziehungsweise der Spezialisierungsgedanke hinterfragt. Nicht zuletzt führten Zweifel an der Währungsunion immer wieder ­schubweise zu Denksportaufgaben, wie sich wahlweise entweder das Auseinanderbrechen der Währungsunion oder die Einführung von Eurobonds auf das Portfolio auswirken wird. 

Der große Sprung nach vorn

Aus dieser Gemengelage entwickelten sich in den Nachkrisenjahren neue Anlagestrukturen. Insbesondere rückten bei Investoren Über­legungen zum Nutzen und effizienten Einsatz von Asset Managern in den Vordergrund. Unternehmensanleihen, deutsche Wohnungen, Wind- und Solarparks wanderten in den Direktbestand. Zutrauen in die hohen Renditen, die Einsicht, dass man für auskömmliche Renditen die Ärmel hochkrempeln muss und das Vertrauen in die deutsche Einspeisevergütung des EEG waren die jeweiligen Hintergründe. Auch Finanzierungen für Immobilienentwicklungen oder Infrastruktur-Assets im Do-it-yourself sind Beispiele für die in der Nachkrisenzeit ohne Asset Manager eingeschlagenen Wege. Dafür verpartnerte man sich in diesen Fällen in der Regel mit Projektentwicklern, Versorgern, spezialisierten Consultants und Banken. Diese Wege wurden zwar nicht häufig beschritten, erschienen aber als erfolgversprechender, als weiterhin lediglich auf dem klassischen Weg Mandate für liquide Wertpapiere und geschlossene Fonds auszuschreiben. Ein explizites Misstrauensvotum in das aktive Tun stellen aber die stark gewachsenen Investments in ETFs und Indexfonds dar. Auch viele Smart-Beta-Investments werden über ETFs umgesetzt. Allerdings behaupten auch aktive Manager mit Smart-Beta-Strategien ihr Terrain oder gewinnen dieses zurück.

Andererseits bot die zinsarme Nachkrisenzeit der Asset-Management-Industrie auch viele deutlich lukrativere Potenziale als nur die Abbildung von Indizes oder die Umsetzung von Faktorprämien-Allokationen. Abgefallen vom Glauben an die Aufspaltung der Wertschöpfungskette, oder vielmehr auf Grund von Zweifeln an die eigenen Allokationsfähigkeiten, kauften Investoren Lösungsanbieter wie Multi-Asset-Mandate, Absolute-Return-Strategien – beides Wiedergeburten der ausgemusterten Mischfonds beziehungsweise Hedgefonds im zeitgemäßen Gewand – und auf Fixed-Income-Ebene Unconstrained-Strategien ein. Auch Global-Equity-Mandate liefern Zeugnis davon ab, dass mehr Entscheidungen an Asset Manager delegiert werden.

Die Musik spielte aber nicht nur im liquiden Bereich. Vielmehr erfuhren sogenannte Real Assets einen großen Bedeutungszuwachs. Während das Interesse an Private Equity eher konstant blieb, erfreute sich die Asset-Klasse Infrastruktur einer stark steigenden Beliebtheit, die auch die im Vergleich zu liquiden Assets relativ hohen Fonds­gebühren übertünchen konnte. Die Fondsgebühren und das allgemein gewachsene Preisbewusstsein waren aber nicht zuletzt ein Grund für die Abkehr von Dachfonds und hin zur Suche nach dem ­einen oder anderen Co-Investment.

Wirklich viele neue Asset-Klassen sind in den zinsarmen Nachfinanzkrisenjahren nicht entstanden, vielmehr handelte es sich um Subsegmente von Fixed Income, Immobilien oder Infrastruktur wie Emerging Market Corporate Bonds, Parkhäuser oder PV-Parks. Die Umsetzung der Investments hat sich aber verändert. Diese Entwicklung war schon 2012 erkennbar. Anlässlich einer Gesprächsrunde zum zehnjährigen Jubiläum von portfolio institutionell sagte Herwig Kinzler von Mercer: „Ich stimme zu, dass es künftig mehr ­Diversifikation geben wird – aber nicht revolutionär. Asset-Klassen sind endlich, und auch die Trennung zwischen den entwickelten Märkten und den Schwellenländern wird verschwinden. Bei der ­Weiterentwicklung spielt die Musik woanders. Ein großes Thema wird der intelligente Zugang zu Asset-Klassen sein. Außerdem wird es deutlich mehr taktische und auch opportunistische Entscheidungen geben.“

Summa summarum hat sich die Kapitalanlage deutlich verkompliziert. Statt von Illiquiditätsprämien wird mehr und mehr von Komplexitätsprämien gesprochen, und Komplexitäten erfordern Konzentration, die Konzentration auf bestimmte Asset-Klassen, aber auch auf Dienstleister. „Im Endeffekt lässt sich dem nur Rechnung tragen, indem man sich auf eine immer geringere Zahl von vertrauens­würdigen Partnern konzentriert, die eine ähnliche Anlagephilosophie verfolgen“, sagte Dr. Andreas Kretschmer von der Ärzteversorgung Westfalen-Lippe im damaligen portfolio-Gespräch. 

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