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Marktkommentar: Laura Prina Cerai (CONREN): Trump’s (Handels)kriegserklärung an den Rest der Welt
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Marktkommentar Laura Prina Cerai (CONREN): Trump’s (Handels)kriegserklärung an den Rest der Welt

Nachrichtenquelle: Asset Standard
14.03.2018, 00:00  |  481   |   |   

Donald Trump hat seinen, wohl vor allem an seine Wählerbasis gerichteten Worten im Wahlkampf und auf Twitter, Taten folgen lassen.

Die Angst vor „Krieg“ geht um und könnte die Märkte eine Weile beschäftigen. Nach harter Wahlkampfrhetorik und immer wiederkehrenden Twitter-Attacken hat US-Präsident Donald J. Trump seinen wohl vor allem an seine Wählerbasis gerichteten Worten Taten folgen lassen: Nach ersten Zollerhöhungen in der Nachbarschaft – auf Kanadisches Bauholz im letzten Jahr – diktiert er nun dem Rest der Welt Zölle auf Aluminium und Stahl. Hauptleidtragende werden im ersten Schritt wohl die EU-Staaten sein: Sie sind die größten ausländischen Lieferanten von Stahl und Aluminium in die Vereinigten Staaten (nach Kanada, das zusammen mit Mexiko zunächst ausgenommen wurde).

Auch wenn dieser Schritt für die Weltwirtschaft wohl verkraftbar ist – ist doch nur ein sehr kleiner Teil des Welthandels betroffen – so geht die Sorge vor einer Eskalation um. Trump ist im Ausland nicht sehr beliebt und daher sind Gegenmaßnahmen sehr wahrscheinlich. Dazu schadet Trump den in der Wertschöpfungskette nachgelagerten Industrien in den USA, die wesentlich größer als die „Geschützten“ sind. Zölle sind eben meist Wahl- und nicht Wirtschaftspolitik. Die Angst in den vielen mahnenden Stimmen bekannter Ökonomen und Politiker sind wohl auch in der Vergangenheit begründet: Viele sehen die Ursprünge der Weltwirtschaftskrise in den 1930ern unter anderem in einem durch die USA angezettelten Handelskrieg.

Empirisch belegbar ist, dass Handelshemmnisse, wie bspw. Zölle, langfristig das Wachstum in allen beteiligten Ländern schwächen und die Inflation anheizen werden sowie Wechselkurse zwingen zu rekalibrieren. Führen wir uns dann noch die aktuell etwas angespannte Lage an den Finanzmärkten und die Unberechenbarkeit des amerikanischen Präsidenten vor Augen, wird klar, dass größere Unsicherheit und damit Volatilität auf uns zukommt. Einzige Hoffnung: der Spuk verschwindet so schnell wie er gekommen ist. Auch das wäre nicht unüblich für Donald J. Trump.

Ende letzter Woche erklärt der US-Präsident, Donald J. Trump, der Welt den „Krieg“. Natürlich via Twitter:



Grafik: Twitter Meldung Trump



…dagegen Christine Lagarde, geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF): „Noboy wins a Trade War“, frei übersetzt: „Niemand gewinnt einen Handelskrieg“

Die volkswirtschaftliche Theorie besagt, dass Zölle und Handelskriege erst recht allen schaden. Es gibt keine Gewinner: Weltweit werden Wirtschaftsstudenten in den ersten, grundlegenden Vorlesungen mit den Auswirkungen von tarifären und wirtschaftlichen Hindernissen konfrontiert. Das gehört zur makroökonomischen Grundausbildung. Das wichtige Konzept des „Wohlfahrtsverlusts“ wird erklärt: Zölle sind Steuern, die zu Ineffizienz auf dem Markt führen und am Ende immer von den Konsumenten getragen werden. Zölle erhöhen den Preis für die Verbraucher bzw. weiterverarbeitende Industrien, führen dadurch zu einem Rückgang der Importe und können darüber hinaus zu Vergeltungsmaßnahmen anderer Ländern führen.



Grafik -Domestic Economie With Trade



Quelle: Investopedia.com

Wie kommt es dann, dass Regierungen in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart immer wieder zu protektionistischen Handelspolitiken neigen? Eine Antwort ist ziemlich einfach zu finden: Zölle sind meist Wahl- und keine Wirtschaftspolitik.

Die Ausgangslage: Amerikanische Stahl- und Aluminiumunternehmen haben sich lange über unfaire Praktiken ausländischer Konkurrenten beklagt. Insbesondere staatliche Subventionen der chinesischen Regierung haben die inländische Produktion gefördert und zu einer Überangebotssituation geführt: der globale Markt wurde mit chinesischen Metallen überschwemmt, Preise gedrückt und die amerikanische Produktion damit wirtschaftlich weniger lohnend gemacht.

Vor ein paar Tagen kündigte der US-Präsident Zölle von 25% auf Stahlimporte und 10% auf Aluminiumimporte an. Trumps Präsidentschaftswahlkampf im Herbst 2016 war vehement gegen den „unfairen“ Handel gerichtet („America First“). Solche Zölle waren aus dieser Optik als lange überfällige, gerechtfertigte „Gegenmaßnahme“ gerechtfertigt, um das „unfaire“ Handelsdefizit der USA zu beheben. Weiteres Ziel: Schutz bestimmter Schlüsselindustrien vor dem „unfairen“ internationalen Wettbewerb, um Arbeitsplätze zu sichern.


Grafik -Twittermeldung Trump 2


Trump hat Zölle nicht erfunden und ist auch nicht der erste Präsident, der das versucht. George W. Bush legte zum Beispiel im März 2002 Zölle auf ausgewählte Stahlimporte auf. Die Sicherung von Arbeitsplätzen in der Rohstahlproduktion wurde durch Arbeitsplatzverluste in nachgelagerten Industrien mehr als ausradiert; insbesondere Unternehmen, die Rohstahl für Autos und Haushaltsgeräte verarbeiteten, litten aufgrund der höheren Rohstahlpreise. Am Ende standen, nach einigen Berechnungen, jedem geretteten Job in der Rohstahlproduktion Kosten für die Endverbraucher von ca. 400.000 US-Dollar gegenüber.

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