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www.brokerdeal.de ESMA hat die CFD-Bombe platzen lassen

29.03.2018, 15:58  |  2061   |   |   

Nun liegt sie schwarz auf weiß vor, die Produktintervention der ESMA CFDs und Binäre Optionen betreffend. Bei den neuen Hebeln fragt man sich bei vielen Unterlyings echt ob die zuständigen Damen und Herren einfach nur, wie soll man es diplomatisch ausdrücken..."nicht vom Fach" sind. Oder schlicht einer Lobby hörig sind, die CFDs am liebsten kaputtreguliert sehen möchte. Sinnvoller Kundenschutz sieht jedenfalls anders aus.

In Summe kommt man nicht daran vorbei festzuhalten: Anleger werden bevormundet, und es liegt eine massive Ungleichbehandlung von Produkten vor. Die eine Einladung für Juristen darstellt, die sich nicht erst seit gestern auf die Veröffentlichungen stürzen. Verschiedene Quellen gehen von zumindest teilweise erfolgreichen juristischen Gegenmaßnahmen aus.

Erste Broker-Reaktionen ließen auch nicht lange auf sich warten: IG warnt seine Anleger vor einem Gewinneinbruch, und LYNX wird mit Ende März den CFD-Handel einstellen (der CFD-Anteil dürfte bei einem Futures-Broker aber ohnehin minimal gewesen sein).

Los geht es ja schon mal damit, dass Produktinterventionen eigentlich absolute Notmaßnahmen darstellen für den Worst Case, dass Anleger vor sich selbst geschützt werden müssen. Ist das bei CFDs denn der Fall? Nein, absolut nicht, wir sind alle mündige Trader. Bei Binäre Optionen allerdings sieht die Sache anders aus.

Verbot Binäre Optionen

Es gab (und gibt immer noch) genügend uninformierte oder naive Leute da draußen, die sich durch YouTube-Videos von Typen im AMG SLS oder vor einer schönen Finca, in Sport- und Pferdewetten-Foren dazu hinreißen ließen, ihr hart erspartes Geld in das Casino Binäre Optionen zu tragen. Wo der massive Bankvorteil (bei Verlust sind 100% weg bei maximal 90% Auszahlung) langfristig keine Gewinnchancen zulässt.

Dieser Abzocke wird nun endlich der Garaus gemacht, Binäre Optionen werden verboten. Ist das gelebter Anlegerschutz den wir unterstützen? Oh ja.

yeah

Endlich brauchen wir uns mit diesem mangelhaften Konstrukt nicht mehr rumärgern, müssen keine Warnungen mehr aussprechen und versenden. Aus und vorbei, damit kommen wir zum Kernthema, CFDs und FX.

Abschaffung der Nachschusspflicht

Ist ja für deutsche Trader nichts Neues, diesen für Trader grundsätzlich erfreulichen Aspekt haben wir bereits vor längerer Zeit in diesem Artikel ausführlich beleuchtet.

Die spürbarste Folge davon war, dass die meisten Broker mit dem Hebel standardmäßig runtergegangen sind auf 1:50 bis 1:100. Und vor wichtigen News bzw. Wochenenden gerne situativ die Margin erhöht haben.

Die Abschaffung der Nachschusspflicht ist prinzipiell eine tolle Sache. Damit wird den Verfechtern der intransparenten Zertifikate und Optionsscheinen ihr wichtigstes Totschlagargument entrissen, nämlich dass man mehr als die Einlage verlieren kann. Das war natürlich eine große Herausforderung für das Risikomanagement der Broker. Die offensichtlich gut gelöst wurde vom Großteil der seriösen Anbieter. Jetzt hätte also volle Attacke auf die Onlinebroker gerittten werden können.

Wenn da nicht immer noch manche Anbieter mit Hebel von 200, 400 und mehr geworben hätten. Gut für die Wahlfreiheit der Kunden? Ja, sicher. Aber was wenn so ein Anbieter bei einem Black Swan wie dem 15. Januar 2015 in Schieflage gerät, er Dutzende oder gar Hunderte Kundenkonten die ein Minus aufweisen ausgleichen muss. Wird er sich dafür in Unkosten stürzen, einen Investor suchen bzw. Fremdkapital aufnehmen, oder einfach Konkurs anmelden?

Diese Gefahr war immer noch real. Daher hat die Branche eine Hebel-Obergrenze ohnehin erwartet, wenn nicht sogar begrüßt. Da diverse Broker ja ohnehin bereits von sich aus auf 50er oder maximal 100er Hebel runtergegangen sind, um ihr Risiko im Griff zu behalten.

Und wie hat die ESMA das nun gelöst? Absolut furchtbar bei manchen beliebten Basiswerten.

Hebelbeschränkung auf 1:5 bis 1:30

Die wichtigsten Obergrenzen auf einen Blick:

Um nur zwei haarsträubende Beispiele heranzuziehen:

Der Mini-Dax-Future, der 5 EUR pro Punkt bewegt, verlangt Intraday je nach Broker zwischen 500 und 1.500 EUR Margin.

5 Dax-CFDs bedürfen nach der neuen Regelung 3.125 EUR Margin, also 2-6x mehr als der Future!

Und jetzt haltet euch fest: der bei Tradern sehr beliebte Euro-Bund Future verlangt etwa nach 800 EUR Intraday-Margin als Future, der 10 EUR pro Cent bewegt. Der Bund-CFD hat bisher im Schnitt um die 1% Margin gehabt, was bei 10 CFDs, um ebenso auf 10 EUR pro Cent zu kommen, dann 1.605 EUR entsprach. Schon das war mehr als beim Future, wenn man diesen nur Intraday hielt. Aber das ist noch gar nichts gegenüber einer Verzwanzigfachung wie geplant, das wären dann wahnwitzige 32.100 EUR!

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Kommentare

Ich könnte heulen als ich von den Regulierungen gelesen habe. Ein maximale Hebel von 5 auf Aktien?! Ich denke, dass wird viele Trading Strategien total über den Haufen werfen.

Noch möchte ich aber nicht aufgeben und suche nach einem Weg wie man diese Einschränkungen irgendwie umgehen kann. Leider scheinen aber alle meine Broker bei denen ich Live Konten habe (BDSwiss, IG, CMC) von den Regulierungen betroffen zu sein. Ich hoffe, dass die Europäischen Behörden bald einmal zur Besinnung kommen und merken wir schädlich deren Regulierungswahn für uns alle ist.
Hallo bellamy,

sorry für die späten Antworten, bin nicht über Kommentare benachrichtigt worden.

Webseite geht wieder, Serverumzug, Direktlink auf den Vorgängerartikel:
https://www.brokerdeal.de/blog/aus-fuer-cfdsfx-und-klagewelle-gegen-knock-out-zertifikate#reaktion-der-broker

Ja, es ist richtig dass jede Behörde nun erstmal für sich entscheiden muss, wie sie mit dem ESMA-Vorgaben umgehen wollen. Holland etwa hat gleich gemeint "ist uns egal, wir bleiben bei Hebel 1". Während die FCA eventuell nach einer anderen Lösung strebt wie Hebel 50:1, aber das müssen die Konsultationen mit der ESMA erst noch zeigen.

Ausweichmöglichkeiten wird es geben bzw. gibt es bereits. Infos diesbezüglich unter info@brokerdeal.de .
Hallo Michael,
kann du den Vorgängerartikel mal hier posten, da ich nicht auf deine Homepage komme. Danke!
Gruß bellamy
Hallo Michael,
vielen Dank für deinen fundierten Artikel! Ist es richtig, dass die ESMA nur eine Richtlinie heraus gegeben hat, die nicht zwingend von den EU-Staaten umgesetzt werden muss? Mit dem Verbot der Nachschusspflicht ist dem Anlegerschutz ja schon Genüge getan worden. Oder anders herum formuliert: die EU-Staaten können selbst entscheiden, ob sie die neuen Regeln anwenden?
Arbeiten die Broker schon an Ausweichmöglichkeiten? Wo kann man die Infos bekommen?
Deine Seite brokerdeal.de ist im Moment leider nicht erreichbar. Wann wird sie das wieder sein? Wie kann man dich erreichen?
Gruß und dir frohe Ostern!
In der von Dir gennnaten Studie der CFin Research (Im Auftrag vom Lobbyverband für CFDs) wo steht denn da bitte, das nur 62,7% der Kunden Verluste gemacht haben? Das ist doch der Gag an dieser bezahlten Studie. Sie zeigt eben nicht auf, wie die Verluste sind, obwohl der Lobbyverband die Zahlen haben müßte.

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