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ROUNDUP 2 Italien-Krise setzt Finanzmärkte unter Druck

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
29.05.2018, 13:57  |  772   |   |   

(Positionsbezeichnung des Experten Wilson im zweiten Absatz ergänzt.)

ROM/FRANKFURT (dpa-AFX) - Die politische Krise in Italien bringt die Finanzmärkte immer mehr ins Taumeln. Bei italienischen Staatsanleihen kam es am Dienstag zu einem regelrechten Ausverkauf. Die Rendite zweijähriger Papiere schoss rasant nach oben und erreichte den höchsten Stand seit der Hochphase der Eurokrise im Jahr 2012. Auch Papiere anderer südeuropäischer Länder sind stark betroffen und der Kurs des Euro fällt. Die Europäische Zentralbank (EZB) warnt vor einer Eskalation der Lage.

Die Rendite auf italienische Anleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren kletterte erstmals seit 2014 über drei Prozent. Noch stärker war der Zinsanstieg bei zweijährigen Anleihen. Hier schossen die Zinsen allein am Dienstag um fast zwei Prozentpunkte auf bis zu 2,83 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit dem Euro-Krisenjahr 2012. "Wir sehen einige unglaubliche Preisbewegungen bei italienischen Anleihen", sagte Neil Wilson, Experte bei der Handelsplattform Markets. "Der Markt bewegt sich mit einer Geschwindigkeit, die man seit den schwersten Zeiten der Euro-Krise nicht gesehen hat." Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners sprach von "ersten Spuren von Panik".

Zum Vergleich: Deutschland muss derzeit auf zweijährige Anleihen gar keinen Zins bezahlen, sondern bekommt wegen einer Negativrendite von den Investoren für die Schuldenaufnahme sogar Geld bezahlt. Während die Anleiherenditen der Ex-Krisenländer Spanien, Portugal und Griechenland am Dienstag von denen der italienischen Bonds mit nach oben gerissen wurden, sanken die ohnehin schon sehr niedrigen Renditen in Deutschland zusätzlich, weil Anleger ihr Geld in als sicher geltende Bundesanleihen umschichten. Am Dienstag erreichte die Rendite auf zweijährige Bundesanleihen bei minus 0,8 Prozent den tiefsten Stand in diesem Jahr.

Italiens Staat bekam erste direkte Konsequenzen der Turbulenzen bereits jetzt zu spüren: Bei einer Versteigerung von Geldmarktpapieren mit einer Laufzeit von sechs Monaten im Volumen von 5,5 Milliarden Euro musste das Land am Dienstag eine durchschnittliche Rendite von 1,21 Prozent bieten, wie aus Daten der Schuldenverwaltung in Rom hervorgeht. Bei der vorherigen Versteigerung ähnlicher Papiere Ende April war dagegen noch ein Negativzins von 0,42 Prozent erzielt worden.

Die Aktienbörsen gerieten europaweit ins Taumeln. Besonders stark nach unten ging es in Mailand und Madrid. So sackte der italienische Leitindex FTSE MIB zwischenzeitlich um bis zu 3,7 Prozent ab und notierte zuletzt noch fast 3 Prozent tiefer. Damit steht das Börsenbarometer wieder auf dem Niveau von Juli 2017.

Bankaktien wie Unicredit , Intesa Sanpaolo oder Ubi Banca büßten bis zu 5,6 Prozent ein. Auch europaweit verzeichneten die Branchenwerte mit einem Minus von rund 3 Prozent die größten Verluste. Die Einbrüche bei den Anleihekursen können insbesondere die Bilanzen der italienischen Banken belasten, die viele heimische Staatsanleihen im Depot haben.

Der Kurs des Euro geriet unter Druck und fiel fast bis auf 1,15 US-Dollar. Er erreichte damit den tiefsten Stand seit Juli 2017. EZB-Vizepräsident Vitor Constancio warnte Italien vor einer erneuten Staatsschuldenkrise. "Als 2012 Finanzmärkte das Land attackiert haben, hat das gezeigt: Sie können in ihrer Wahrnehmung sprunghaft sein und die Risikoeinschätzung für einen Schuldner abrupt und schnell ändern, manchmal mit gravierenden Folgen", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Ob die EZB Italien im Notfall vor der Pleite retten würde, ließ Constancio offen. Jede Intervention müsse "der Erfüllung unseres Mandats dienen", sagte der Notenbanker. Demnach ist die EZB allein für Geldpolitik zuständig und darf keine Finanzierung von Staaten leisten. "Italien kennt die Regeln", sagte der Vize der Notenbank. "Sie sollten diese vielleicht noch einmal genau lesen."

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