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Interview «Griechenland im Sprung aus der Krise»

Gastautor: Christos Arbaras
23.07.2018, 15:22  |  1277   |   |   

Christos Arbaras, Griechenlandexperte und Chef von Anodos Asset Management, über die sich zusehends verbessernde Situation der Hellenen, die Treiber des Aufschwungs, den griechischen Aktienmarkt und den Hellas Opportunities Fund als aktiv gemanagten Griechenland-Aktienfonds.

Herr Arbaras, können Sie eine Wasser­stands­meldung zur griechischen Wirtschaft geben? 

Nach acht Jahren und drei Finanz­hilfe­programmen konnte Griechenland das dritte Anpassungs­programm erfolg­reich abschliessen. Die Euro­gruppe einigte sich auf eine Reihe von Schulden­mass­nahmen und den Rahmen für die Über­wachung der Post­pro­gramme in Griechen­land. Das Schulden­erleich­terungs­paket hat das Vertrauen in die Tragfä­hig­keit der Verbind­lich­keiten des Landes gestärkt: Griechen­land erhält eine zehn­jährige Verlän­gerung für die Rück­zahlung seiner EFSF-Darlehen (96 Mrd. Euro) und eine zusätz­liche Gnaden­frist von zehn Jahren für Zins­zah­lungen. Der IWF wird sich weiterhin an dem Rahmen für die Über­wachung nach der Programm­planung betei­ligen und ist der Ansicht, dass sich die Schulden­trag­fähigkeit mittel­fristig verbessert hat. Nach dem erfolg­reichen Abschluss der letzten Programm­prüfung geneh­migte der ESM die Freigabe einer Kredit­aus­zahlung in Höhe von 15 Mrd. Euro, von der ein Teil zur Aufstockung der Bar­reserven des Landes verwendet wird. Der gesamte Liqui­ditäts­puffer im August 2018 beläuft sich auf 24,1 Mrd. Euro, genug für Griechen­land, um seinen Finan­zie­rungs­bedarf für zwei bis drei Jahre nach dem Ausstieg aus dem Programm zu decken. 

Gleichzeitig wuchs die griechische Wirt­schaft im ersten Quartal 2018 um ein fünftes Quartal in Folge und schneller als im Vorquartal (Quelle: Hellenic Statistical Authority). Die Wirtschaft expan­dierte im ersten Quartal 2017 auf das Jahr gerechnet um 2,3 Prozent. Es war das stärkste jähr­liche Wachstums­tempo seit einem Jahr­zehnt mit Netto­exporten als Haupt­treiber, die einen nega­tiven Basis­effekt aus den Investi­tions­ausgaben kompen­sierten. Die wirt­schaft­liche Stimmung in Griechenland setzte im Mai ihren Aufwärts­trend fort. 

Erwartungen haben sich in fast allen Bereichen verbessert. Der Economic Sentiment Index verbes­serte sich laut IOBE im Mai auf 104,2 Punkten gegen­über 103,6 Punkten im April. Der Indi­kator deutet darauf hin, dass das Wachstum sich im Jahr 2018 wahr­scheinlich beschleunigen wird. Der griechische Tourismus­sektor hat eine starke Dynamik ange­nommen und den weit verbrei­teten Opti­mismus unter­stützt, dass 2018 ein weiteres Rekord­jahr im Tourismus werden und nach Schätzungen des Tourismus­minis­teriums insgesamt 32 Millionen Besucher erreichen wird. In den ersten vier Monaten des Jahres 2018 stiegen die inter­natio­nalen Touristen­ankünfte in Griechenland um 17,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Sind Chinesen wirklich so grosse Käufer von Infra­struktur, wie man oft liest? 

Für chinesische Investoren ist Griechenland strategisch attraktiv und Teil der neuen Seiden­strasse - günstige Vermögens­werte, gute Infra­struktur­anbindung an Europa und Mitglied der Euro­päischen Union (EU). Um die Verbindung zwischen China und Griechenland weiter zu fördern, wurde 2017 EKEPES, die griechisch-chine­sische Handels­kammer gegründet. Als Parade­beispiel für das Enga­gement Chinas in Griechenland dient die Betei­ligung von Cosco am Hafen Piräus, in den Cosco allein in den kommenden Jahren weitere 500 Mio. Euro inves­tieren wird. Darüber hinaus führt die jeweils alte Kultur der Griechen und Chinesen zu gegen­seitigem Respekt, was den Chinesen eine Inves­tition in Griechenland nicht nur öko­nomisch oft sinn­voller erscheint, sondern auch kultu­rellen Respekt beinhaltet. Darauf aufbauend beginnt das Interesse der Chinesen an Reisen nach Griechenland und auch Investi­tionen im Tourismus­sektor derzeit Fahrt aufzu­nehmen.

Was sind sonst noch die Treiber des Aufschwungs? 

Die Haupttreiber des Aufschwungs sind aktuell der Export, der Tourismus, ein langsam steigender Binnen­konsum sowie erste Effekte der auslän­dischen Direkt­investi­tionen, die an Volumen zunehmen. Privati­sierungen haben einen ähnlich posi­tiven Effekt, da diese mit Investi­tions­paketen wie im Falle von Cosco oder Fraport einher­gehen, so auch beim 8,5 Mrd. schweren Helle­nikon-Projekt, welches noch in 2018 begonnen wird.

Reflektiert der Aktienmarkt diese positiven Entwicklungen? 

Auf der Unternehmensseite veröffent­lichten mehrere ASE-Unter­nehmen nach Abschluss der Berichts­saison 2017 solide Ergeb­nisse, da der Umsatz um 9 Prozent, der EBITDA um 6 Prozent und der Netto­gewinn um 27 Prozent stiegen. Mehrere Unter­nehmen haben ihre Schulden abgebaut und ihre Netto­erträge erhöht. Der erfolg­reiche Abschluss des dritten Anpassungs­programms durch eine Reihe von Mass­nahmen, die in Bezug auf die nachhal­tige kurz- und mittel­fristige Schulden­verwaltung vereinbart wurden, die Deckung des Finan­zierungs­bedarfs des Landes in den folgenden zwei bis drei Jahren und Griechenlands Über­wachung in der Zeit nach dem Memo­randum, die posi­tiven EZB-Stress­test­ergebnisse im Banken­sektor und die Aufwertung des griechischen Kredit­ratings reichten jedoch bisher nicht aus, um das Inves­titions­interesse für die Athener Börse auszulösen. Ungüns­tige Entwicklungen auf den globalen und inlän­dischen Märkten trugen im zweiten Quartal zu einer höheren Vola­tilität am Aktien­markt bei. Befürch­tungen eines Handels­kriegs, allmäh­liche Ände­rungen der Geld­politik der Zentral­banken, erhöhte Abflüsse aus den Schwellen­ländern und mangelndes Vertrauen aufgrund des Folli-Follie-Falles führten zu einem ATHEX Composite Total Return Index von 1196,08 Punkten, was einem Verlust von 1,61 Prozent im zweiten Quartal des Jahres und 4,12 Prozent seit Anfang des Jahres entspricht.

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