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Wohlstand trotz Rentenlücke Wie Sie jetzt den Grundstein für Ihr Auskommen im Alter legen

Gastautor: Max Otte
11.10.2018, 12:35  |  1231   |   |   

 

Das Umlageverfahren der gesetzlichen Rentenversicherung steht vor einer großen Herausforderung: die Demographie. Zu wenige Kinder – und damit zu wenige künftige Beitragszahler – stehen zu vielen Rentnern in spe gegenüber. Zudem wachsen die Zeiträume, in denen die Menschen in Deutschland Rente beziehen. Die gesetzliche Rente kann diesem Ungleichgewicht kaum mehr etwas entgegensetzen, weshalb es für uns Sparer und Anleger immer mehr darauf ankommt, schon jetzt an die private Altersvorsorge zu denken. Doch wie sollten wir hier vorgehen?

Private Rentenversicherungen: Minusgeschäft für Kunden

Eine Einmalauszahlung des angesparten Kapitals ist bei privaten Rentenversicherungen nicht möglich; der Kunde muss schon sehr, sehr alt werden, damit sich für ihn ein Rentenvertrag auszahlt. Statistisch gesehen beträgt die Lebenserwartung in Deutschland für Frauen 88,1 Jahre und für Männer 83,6 Jahre. 

Legt man diese Zahlen zugrunde und berechnet die monatliche Rente einer privaten Rentenversicherung, dann erhält ein 35-jähriger Mann, der monatlich 100 Euro in eine Versicherung einzahlt, mit 67 Jahren eine garantierte Rente von 225 Euro. Tatsächlich bekommt er aber nur 170 Euro, denn die Versicherer kalkulieren nicht mit den Daten des statistischen Bundesamtes, sondern mit eigenen Sterbetafeln. Diese gibt die Deutsche Aktuarvereinigung heraus, die berufsständische Vertretung der Versicherungs- und Finanzmathematiker.

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Die Versicherungsmathematiker addieren zur durchschnittlichen Lebenserwartung einfach rund zehn Jahre hinzu: Ein Mann wird demnach 93,7 Jahre alt und eine Frau 97,8 Jahre.Das ist optimistisch, doch gut für das Geschäft: Wer länger lebt, erhält aus dem angesparten Kapital auch eine niedrigere Rente – bis zu 30% kleiner fällt sie somit aus. 

Mit dieser Taktik schützen sich die Versicherer vor Verlusten, falls die Kunden doch einmal älter werden sollten als der Durchschnitt. Der wahrscheinlichere Fall ist jedoch, dass die Kunden weitaus früher als kalkuliert das Zeitliche segnen. Dann sparen die Versicherer viele Rentenzahlungen.

Warum „Umdeckung“ die gängige Praxis ist

Eine private Rentenversicherung lohnt sich zudem nur, wenn der Kunde von Beginn bis Renteneintritt regelmäßig seine Beiträge zahlt. Aussetzer durch Scheidung, Arbeitslosigkeit oder Jobwechsel wirken sich stets negativ aus. 

Im Durchschnitt kündigen Kunden ihre private Rentenversicherung nach sieben Jahren: Insgesamt liegt die Abbruchquote von Rentenverträgen vor Vertragsende bei 80%. Der Kunde bekommt im Falle einer vorzeitigen Kündigung weniger Geld zurück als er eingezahlt hat. Die hohen Abschlusskosten machen in den ersten Jahren eine Ersparnis unmöglich und verhindern eine Kapitalvermehrung. 

Erst nach 13 Jahren ist der Rückkaufswert – also das Geld, das bei einer Kündigung zurückerstattet wird – höher als die eingezahlten Beiträge. Zusätzlich verlangen die Versicherer Stornoabschläge, die den Rückkaufswert weiter mindern. Mancher Kunde bekommt so überhaupt kein Geld zurück. Im Schnitt verliert er mit einer Kündigung gar ein Drittel seines eingezahlten Geldes.

 

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Doch die Versicherer freuen sich über vorzeitige Kündigungen

Nach durchschnittlich fünf Jahren sind die Abschlusskosten beglichen, der Versicherer braucht keine Zinsen zu zahlen und macht so Stornogewinne. Für Versicherer sind daher sechs Kunden lukrativer, die je fünf Jahre lang einen Vertrag haben und diesen dann kündigen, als ein einzelner Kunde, der 30 Jahre lang in einen Vertrag einzahlt. 

„Umdeckung“ ist eine Strategie der Versicherer: Der Vertreter drängt den Kunden dazu, seinen „schlechten“ alten Vertrag zu kündigen, und verkauft ihm einen neuen, „besseren“ Vertrag. Sechs Millionen neue Rentenverträge pro Jahr können nur abgeschlossen werden, wenn viele Kunden ihre alten Verträge kündigen. Die Versicherer verdienen an den hohen Abschlusskosten der Neuverträge – rund 8 Milliarden Euro jährlich. Die vorzeitige Kündigung einer privaten Rentenversicherung lohnt sich daher in keinem Fall: Horrende finanzielle Verluste sind sicher.

 

Kunden im Kostensumpf

In einer privaten Rentenversicherung schafft es der Kunde mit seinen Beiträgen kaum, eine ordentliche Rendite zu erwirtschaften. Kein Gesetz, keine Aufsicht gibt den Versicherern Kostengrenzen vor. Sie legen diese willkürlich fest. Durchschnittlich etwa 10% der eingezahlten Summe gehen an die private Rentenversicherung. Bei Riester-Verträgen sind es gar 20%. So belaufen sich Provisionen, Abschluss- und Verwaltungskosten eines 30-Jahres-Vertrages mit 100 Euro Monatsbeitrag leicht auf 10.000 Euro. Da die Kosten zu Beginn des Vertrages getilgt werden, zahlt der Kunde also zehn Jahre umsonst ein und verzichtet auf Zinsen.

Die Riester-Rente hat versagt und fördert die Altersarmut

Für sie gilt der Garantiezins auf den Sparanteil von 1,75%. „Riestern“ lohnt sich demnach nur, wenn der Sparanteil die erwartete Rendite erzielt. Statt 7,8% erwirtschaftete z.B. der Marktführer von Riester-Renten, Union Investment, in den letzten zehn Jahren nur 3% Rendite. Nach dem Börsencrash 2008 schichteten die Versicherer die Aktieneinlagen von Riester-Renten in sichere, aber niedrig verzinste Anlagen um. Der Sparer erhält damit, wenn überhaupt, lediglich seine eingezahlten Beiträge am Ende wieder zurück. 

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