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Dirk Müller "Der Euro ist für die meisten Länder die falsche Währung"

21.11.2018, 10:53  |  38284   |   |   

Der DAX bewegt sich auf ein 2-Jahres-Tief zu und die wallstreet:online Redaktion nahm diese Korrektur zum Anlass, um mit Dirk Müller, auch in der Finanzwelt als "Mr. Dax" bekannt, über die aktuelle Marktsituation und seinen Ausblick auf aussichtsreiche Anlageprodukte zu sprechen.

Anfang Oktober sagten Sie: "Die nächste Krise kommt aus China. Der Auslöser werde aber in den USA betätigt". Würden Sie diese Aussage weiterhin unterschreiben und warum?

Absolut! Chinas Unternehmen sind mit etwa 180 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes verschuldet und sind in weiten Teilen defizitär. Große Teile der Kredite wurden inzwischen in US-Dollar aufgenommen. Die gefährliche Wechselwirkung von steigenden US-Zinsen und den in US-Dollar verschuldeten Schwellenländern nebst ihrer Unternehmen ist seit Jahrzehnten bekannt. Aktuell haben wir bereits rund um den Globus eine Schwellenländerkrise und China ist das größte Schwellenland. Chinas überdimensionierter Aufschwung lebte wesentlich von den über Jahre zuschießenden Investorengeldern aus dem Westen. Niedrige einstellige Zinsen in USA und zweistellige Wachstumsrendite in China waren ein einfaches Geschäft. In dieser Zeit haben sich Fehlinvestitionen in einer für westliche Maßstäbe nicht begreifbaren Größenordnung aufgebaut. Mit der Abkühlung der Wirtschaft und steigenden Zinsen in den USA versiegt dieser Kapitalstrom und dreht sich um. Das Geld verlässt China inzwischen wieder und kühlt die Wirtschaft weiter ab. Der Handelskrieg beschleunigt die Entwicklung. Die Folge wird eine harte Landung des chinesischen Booms sein.

Für kritische Marktbeobachter sind die Börsen nur Casinos. Wie beurteilen Sie die Rolle von Börsen im globalen finanz- und wirtschaftspolitischen Zusammenhang? 

Das gilt ganz sicher für kurzfristige Bewegungen. Dazu zählt für mich alles unter 2 Jahren. Die langfristige Entwicklung eines Unternehmens über 5 bis 10 Jahre und die damit durchschnittliche Kursentwicklung seiner Aktie ist hingegen keineswegs Glückspiel, sondern Berechnung und Strategie. Ein altes Börsenbild beschreibt das Unternehmen als einen Wanderer, der kontinuierlich seinem Ziel entgegengeht. Der ihn begleitende Hund ist der Aktienkurs, der mal zu weit nach vorne rennt und dann wieder am Herrchen vorbei zu weit zurück. Am Ende kommen beide am Ziel an. Wer sich an den Hund hält ist ein Glücksspieler, wer sich an den Wanderer hält, ist ein Investor.

Sollten sich Anleger aus Deutschland auf eine baldige Krise vorbereiten?

Definitiv Ja. Auch wenn es nicht sicher ist, dass wir unmittelbar vor einer Wirtschafts- und Kapitalmarktkrise stehen, so sind die Gefahren aktuell außergewöhnlich groß. Hier gilt es Risiken zu vermeiden und sich einen guten Plan zurechtzulegen, den man in einer möglichen Krise umzusetzen gedenkt. Wer das tut, wird nicht nur verlustfrei durchkommen, er hat die Chance ein Vermögen zu machen. Die großen Vermögen der Welt wurden meist während großer Krisen begründet. Kommt die Krise nicht, tut es nicht weh den Plan gemacht zu haben. Wer weiß, wann man ihn benötigt.

Wo sehen Sie den DAX zum Jahresende und in den kommenden 12 Monaten?

Wie immer gilt meine Aussage: Da ich keine Ahnung habe, wo der Dax in zwei Wochen steht, kann ich erst recht nicht sagen, wo er in 12 Monaten stehen wird. Das ist pures Glücksspiel. Aber ich kann ihnen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass Amazon und Mastercard in 10 Jahren wesentlich höhere Gewinne machen und wertvoller sein werden als heute.

Was halten Sie von Investitionen in Einzelaktien aus dem DAX?

Es gibt international viele Aktien, die besser sind als jede Dax-Aktie. Grundsätzlich sollte man – auch wenn man sich bei diesem oder jenem Unternehmen noch so sicher ist – nie auf eine Aktie beschränken. Eine vernünftige Streuung beginnt bei mindestens 15 Aktien.

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Wie stehen Sie zu Italien und den europäischen Südländern - Wäre die EU ohne sie besser aufgestellt?

Nein, die EU definitiv nicht. Der gemeinsame Binnenmarkt ist auch und gerade mit den Südländern sehr wichtig. Aber das gilt nicht für den Euroraum. Der Euro ist für die meisten Länder die falsche Währung. Entweder ist er zu hoch - wie für Griechenland und Italien - was für die exportierende Industrie eine hohe Belastung ist, oder ist zu niedrig wie in Deutschland. Davon profitiert zwar der Export, aber die Binnennachfrage leidet, da die Kaufkraft der Bürger gerade für Importprodukte wie Benzin oder Elektronik um etwa 20 Prozent zu niedrig ist. Eine gemeinsame Währung kann nur dann sauber funktionieren, wenn alle wesentlichen Regeln dieser Länder gleich sind und man darüber hinaus zu großen Transferzahlungen zwischen den europäischen Regionen bereit ist. Das sehe ich derzeit nicht.

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Kommentare

Der Euro ist für die Deutschen bequem, weil extrem für Deutschland unterbewertet.
Das sichert hohe Beschäftigung, extremen Überschuss in der Leistungsbilanz, dies auf Kosten unserer Partner im Euroraum und außerhalb des Euroraums.
Die Defizitären des Euroraums sitzen in der Falle, können nicht mehr nach außen abwerten, sind zu innerer Abwertung gezwungen, was Wirtschaftswachstum kostet.

Übrigens Deutschland ist nicht Exportweltmeister sondern allenfalls drittgrößter Exporteur. China und USA exportieren mehr.
Deutschland hat allerdings den größten Überschuss in der Leistungsbilanz.
...zum Thema Euro gebe ich ihnen recht.Die Frage ist aber, wie löst man die Währungsunion schmerzfrei auf ?Selbst ein Genie wüßte es nicht.Einzig und allein ein furchtbar krisenhaftes Szenarium unter Vernichtung des nominellen Gemeinschaftsgeldes wird den Neuanfang aus den Trümmern ermöglichen für neue "nationale"(es stockt einem der Atem)Währungen wie z.B.die deutsche Greenmark.Die wird aus kompostierbarer Biopappe,bedruckt mit Lebensmittelfarbe hergestellt werden mit garantiertem Verfallsdatum.Den Euro werden sich die Bewohner D zurückwünschen wie weiland die Deutschmark.Rezept dagegen,Hartwährungen ,in 1.Linie USD 2.physisches Gold.3.Land usw.
Wow. Was für eine Wertenticklung: Vor 3 1/2 Jahren zu 100€ ausgegeben. Aktueller Stand ebenfalls 100€.

Wenigstens Herr Müller verdient.

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