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Rezession 2019? Ein Jahr des Stillstands

Gastautor: Arthur Vott
03.12.2018, 12:02  |  1024   |   |   
Eine wilde Fahrt

Der letzte Monat auf den Märkten war geprägt von einer wahrlich turbulenten Zeit. Nicht nur der DAX und der S&P500, sondern praktisch alle wichtigen Aktienindizes der Welt legten im November eine beindruckende Talfahrt hin. Insgesamt verzeichneten 90% der 70 von der Deutschen Bank erfassten Assetklassen negative Renditen für das Jahr 2018. Ein Rekordergebnis. Für viele Marktteilnehmer erzeugt dieser beeindruckende Ausnahmezustand deshalb Unklarheit über die momentane Gesamtlage der Weltwirtschaft. Handelt es sich nur um eine Korrektur des Marktes oder läutet die jüngste Bewegung den Beginn einer anhaltenden Rezession ein? Wir glauben eher Ersteres. Wobei wir auch von keinen neuen Höchstständen mehr ausgehen.

Die USA zeigt erste Schwächen

In den letzten Ausgaben von unserem Monthly Markets haben wir ausführlich unser Verständnis über einen potentiellen Verlauf einer sich anbahnenden Krise dargelegt. In all unseren Analysen spielte die USA dabei die Rolle des stärksten und damit auch des letzten fallenden Glieds der Weltwirtschaft. Aufgrund des Status des Dollars als globale Reservewährung sowie der unterstützenden fiskalpolitischen Maßnahmen in 2018, haben die Vereinigten Staaten eine Art Sonderstellung gegenüber anderen Nationen und Märkten. Doch jüngste Daten zeigen, auch diese Sonderstellung scheint ihren Zenit gefunden zu haben. Die ersten Effekte der globalen Risk-Off Phase (Monthly Markets #5) sowie der Bilanzschrumpfung der FED, fangen an, die Wirtschaft zu beeinträchtigen.

Zwar sind diese Effekte noch nicht wirklich groß, sie zeigen jedoch einen unaufhaltsamen Trend, der die USA spätestens nächstes Jahr in die Knie zwingen wird. Ob es dann schon zu einer Rezession kommt, wird hauptsächlich von den Handlungen der FED bestimmt. Wenn das Experiment (welches wohlgemerkt noch nie geglückt ist) der sogenannten weichen Landung glückt und die Zinsen nicht zu schnell angehoben werden, können wir uns auf einen Zustand des Stillstands einstellen. Klar ist, mit sinkendem Wachstumspotential wird es schwer neue Höchststände am Aktienmarkt zu rechtfertigen.

In einer starken Wirtschaft wird Geld geliehen

Die Gründe für unsere Annahmen lassen sich vor allem am Konsumverhalten der USA erklären. Besonders relevant für uns sind dabei die Ausgaben für Auto, Haus sowie alle „schweren“ Güter, die mit einem hohen Kapitalbedarf einhergehen. Historisch gesehen hat sich gezeigt, dass während einer Konjunkturabschwächung, diese Ausgaben üblicherweise die ersten sind, die zurückgezogen werden. Somit eignen sie sich hervorragend als Frühindikator für Konsum (BIP) und Wachstum (BIP – Jahresveränderung), denn in einer boomenden Wirtschaft wird freudig Geld geliehen und für Güter, wie Autos, Häuser oder Maschinen ausgegeben.

Abbildung 1: Seit einiger Zeit hat das Jahreswachstum der Vergabe von Immobilienkrediten sowie Krediten für Gewerbe & Industrie abgenommen. Historisch gesehen ist ein solcher Trend ein Frühindikator (roter Pfeil) für potentielle Rezessionen (grauer Bereich).

Abbildung 1 zeigt hierzu den Verlauf von zwei wichtigen Kreditarten: Immobilienkredite sowie gewerbliche & industrielle Kredite. Wir sehen schnell, gemäß unseren Erwartungen ist seit der Finanzkrise von 2008 das Kreditwachstum wieder zu einem normalen Level zurückgekehrt. Dieser Vergleich erzählt in Wirklichkeit jedoch nur die halbe Geschichte. Der Trend der Erholung lässt sich nämlich in zwei Phasen staffeln. Bis Mitte 2016 bewegte sich das Kreditwachstum mit einem jährlichen Anstieg von 10%, und damit im Rahmen des durchschnittlich erzielten Jahreswachstums (von 1974 rund 7% p.a.). Doch ab Mitte 2016 hat sich die Wachstumsrate drastisch verändert. Bis zum heutigen Tag warten wir auf den 10%-Anstieg.

Auch wenn die Raten kürzlich angezogen haben, vergleicht man das historische Level, so kommt man zum Schluss, dass die derzeitigen Kreditwachstumsraten eher jenen Zeiten ähneln, die vor allem von einem gedämpften Wirtschafts- umfeld geprägt sind und in denen das BIP eher schrumpft als wächst (oder auch langsamer wächst). Hier lässt sich im Übrigen auch ein deutlicher Unterschied der aktuellen Lage zu bisherigen Vor-Krisensituationen beobachten. Während in früheren Situationen die Wirtschaft sich mit zu hohem Kreditwachstum „verbrannt“ hat, kämpfen wir heutzutage mit einer zu hohen absoluten Schuldenlast (Monthly Markets #5).

In einer starken Wirtschaft werden Häuser gebaut

Vor allem das Wachstum der Immobilienkredite befindet sich auf einem historischen Niedrigstand und signalisiert uns deutlich: Wenn die Wirtschaft boomen würde, würden die Menschen Häuser kaufen und bauen. Viele von ihnen. Dass das aber nicht passiert, sehen wir besonders in Abbildung 2, welche die Wachstumsraten der Baugenehmigungen zeigt. Die Baugenehmigungen liegen 8% von ihrem Höchststand im März 2018 entfernt und befinden sich in einem deutlichen Abwärtstrend. Dabei ist die Wachstumsrate bei der Anzahl der Baugenehmigungen seit über drei Jahren rückläufig und liegt nun bei über -5% im Jahresvergleich. Dieser Rückgang signalisiert uns vor allem, dass in den kommenden Monaten weniger Häuser gebaut werden, was historisch gesehen zu niedrigeren Beschäftigungsraten und Gesamtlöhnen führt.

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