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Wen juckt der Brexit?

Gastautor: Sven Weisenhaus
22.01.2019, 09:01  |  1410   |   |   

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

gestern hat die britische Premierministerin ihren Plan B zum Brexit vorgestellt. Entsprechend groß ist wieder die mediale Aufmerksamkeit. Aus Sicht der Anleger ist jedoch viel wichtiger, was die Märkte zu diesem Thema „sagen“.

Warum dem DAX am Verfallstag der Sprung über 11.000 Punkte gelang

Zuvor aber noch ein kurzer Rückblick auf die Verfallstagswoche. Die Zielmarke für den DAX war der Bereich von 10.900/11.000 Punkten, wie ich in der Vorwoche schrieb. Abgerechnet wurde der DAX am Freitagmittag bei 11.104,45 Punkten also noch ein Stückchen höher. Den Grund dafür zeigt der folgende Chart:

DAX mit festem Hebel folgen [Anzeige]
Ich erwarte, dass der DAX steigt...
Ich erwarte, dass der DAX fällt...

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DAX 15min-Chart JAnuar 2019

(Quelle: MarketMaker)

Denn tatsächlich bewegte sich der DAX seit gut einer Woche vor dem Verfallstag unterhalb der Zielregegion seitwärts (wobei die Seitwärtsbewegung nach und nach schmaler wurde). Am vergangenen Freitag, also ausgerechnet am Verfallstag, sprang der DAX aufgrund guter Vorgaben aus den USA und Asien kräftig nach oben und überwand damit die 11.000er Marke (siehe roter Pfeil).

Die Verfallstagsanalyse wurde wieder einmal bestätigt!

Damit drohte, die große Call-Position bei 11.000 Punkten ins Geld zu laufen (siehe Grafik in der Börse-Intern vom 14.01.2019). Zunächst kam es wohl zu Versuchen der Stillhalter, den DAX an der 11.000er Marke zu halten, wie die kleine Konsolidierung zu Handelsbeginn zeigt. Doch da das nicht gelang wurden Absicherungsmaßnahmen in letzter Minute nötig, die den DAX bis zur Abrechnung (siehe blaue Linie) dynamisch weiter nach oben trieben, wie der folgende Kursverlauf zeigt.

Und so hat unsere Verfallstagsanalyse erneut ihre Wirksamkeit bestätigt! Natürlich werden wir Sie auch weiterhin über die DAX-Szenarien zum Verfallstag informieren. Täglich aktuelle Informationen dazu – und zwar auch zu den einzelnen DAX-Werten – erhalten Sie mit dem kostenlosen Verfallstags-Tools auf der Stockstreet-Webseite.

Der Brexit – ein Non-Event für die Börsen?

Und damit zum Brexit und seiner Bedeutung für die Börsen. Oder besser gesagt, seiner Nicht-Bedeutung. Sven Weisenhaus hatte ja schon in der Vorwoche darauf hingewiesen, dass die mit Spannung erwartete Brexit-Entscheidung des britischen Parlaments an den Märkten faktisch spurlos vorüberging.

Ökonomen und Analysten sehen nun eine wachsende Gefahr für den sogenannten No-Deal-Brexit und erwarten für diesen Fall heftige wirtschaftliche Turbulenzen – auf beiden Seiten, aber vor allem natürlich für Großbritannien. Ob es dazu kommt, bleibt weiterhin offen, aber die Börsen haben bislang eine klare Meinung zu diesem Szenario. Und diese lautet offenbar: Wen juckt’s?

Diese etwas verblüffende Sorglosigkeit offenbart sich zumindest in den Charts. Im Folgenden eine Auswahl der wichtigsten davon:

GBP/USD Tageschart seit Juni 2016

(Quelle: MarketMaker)

Im Chart des Britischen Pfunds zum US-Dollar (GBP/USD) erkennen wir nach dem Einbruch infolge des Brexit-Referendums Ende Juni 2016 (siehe blauer Pfeil) einen kräftigen Einbruch, der nach einer kurzen Pause bis auf 1,20 USD weiterging. Oberhalb dieses Niveaus gelang dem Pfund dann eine Bodenbildung und ab 2017 ein stetiger Wiederanstieg, der bis zu den Kursbereichen vor dem Referendum ging.

Der Devisenmarkt sieht immer noch keinen Grund zur Sorge

Dieser Anstieg dürfte von der Erwartung getragen worden sein, dass es am Ende zu einer „vernünftigen“ Lösung zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich kommt. Nachdem sich jedoch im Frühjahr 2018 abzeichnete, dass sowohl Regierung und Parlament als auch die Regierungspartei sowie die Regierungsmitglieder höchst uneins sind, wie denn der Brexit-Vertrag zu gestalten sei, brach das Pfund erneut ein – aber auch diesmal nur bis in den Bereich der ehemaligen Bodenbildungszone bei 1,25 USD (siehe gelber Pfeil). Auf diesem Niveau scheinen die Marktteilnehmer das Britische Pfund selbst im Fall eines No-Deals-Brexit für angemessen bewertet zu sehen.

Zuletzt kam es sogar zu einer leichten Erholung. Damit hat das Pfund nun sogar die Chance einer großen Bodenbildung oder gar Trendumkehr in Forma einer Rounding-ähnlichen Formation (siehe grüner Bogen). Diese dürfte insbesondere dann gelingen, wenn bei einem No-Deal-Brexit die negativen Folgen durch einen gewissen Pragmatismus verhältnismäßig begrenzt bleiben. Je nach weiterer politischer Entwicklung ist aber auch ein nochmaliger Kursrückfall möglich, so dass sich das Tief der Formation auch erst um den Brexit-Termin Ende März (rot gestrichelte Linie) bilden kann.

Auch bei GBP/EUR tut sich seit Monaten nichts

Noch unspektakulärer sieht es im Devisenpaar GBP/EUR aus:

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