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Marktkommentar: Laura Prina Cerai (CONREN): Brexit - Wie vorbereiten?
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Marktkommentar Laura Prina Cerai (CONREN): Brexit - Wie vorbereiten?

Nachrichtenquelle: Asset Standard
03.04.2019, 10:45  |  657   |   |   

Ein Überblick über Gründe und Auswirkungen des Brexit-Schauspiels.

Die Briten galten lange Zeit als leicht verschrobenes, aber doch höfliches, zupackendes und pragmatisches Volk. Jetzt aber schüttelt die Welt bloß noch den Kopf über sie und ihr kafkaeskes Schauspiel um den Brexit.

Gab es anfangs hie und da noch ein wenig Verständnis – wer mag schon die Brüsseler Bürokratie – so verliert Großbritannien im aktuellen Verhandlungs- und Abstimmungschaos endgültig sein Gesicht. Als verantwortungsvolle Investoren müssen wir sowohl die Gründe als auch die Auswirkungen analysieren. Politik hat in der Regel für die Börsen nur einen geringen oder vorübergehenden Einfluss. Wenn sich die Koordinaten aber so grundlegend ändern, ist es unsere Pflicht, die Konsequenzen auf Volkswirtschaften und Märkte zu durchdringen.

Zunächst drängt sich die Frage auf, wie es kommen konnte, dass diese große, alte Demokratie komplett versagt. Wobei: Angekündigt hat sich der Stimmungswechsel, der den Brexit möglich machte, schon vor Jahren. Zumindest gewinnt man diesen Eindruck, wenn man mit in Großbritannien lebenden Ausländern spricht.

Die Brexit-Wurzeln liegen im fast schon traditionellen britischen Ressentiment gegen Europa. Nicht umsonst zählt der Satz: „Wann immer wir zwischen Europa und dem offenen Meer wählen müssen, sollten wir uns für das offene Meer entscheiden“ zu den bekanntesten Zitaten des legendären Premiers Winston Churchill. Hinzu kommt in jüngerer Zeit eine generelle Unzufriedenheit in großen Teilen der Bevölkerung, gepaart mit einer gehörigen Portion an neuem Nationalismus und flankiert von skrupellosen Populisten mit nachweislich falschen Behauptungen, dem manipulativen Einsatz der Sozialen Medien und einer lokalen Presse, die sich mehr als Geschäftsleute denn als Journalisten aufführen.

Die tiefe Spaltung in der Bevölkerung und im Parlament hat zum politischen Stillstand in Großbritannien geführt. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der England und der Rest Europas mutige Reformen in vielen Bereichen bräuchten. Ökonomen warnen schon lange vor den gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen der „New Economy“, der Niedrigstzinsen und der Globalisierung. Doch bisher setzt die europäische Politik dem wenig entgegen. Schlimmer noch: Eine eigentlich notwendige angebotsorientierte Wirtschaftspolitik und mehr Fiskalstimulierung wird brexitbedingt in ausreichendem Umfang nicht allzu bald kommen. Doch die Welt wartet nicht, während Europa mit sich selber beschäftigt ist. Die Folgen sind dramatisch: Der Alte Kontinent fällt konjunkturell und von den Wirtschaftsstrukturen her weiter hinter die USA und die Emerging Markets zurück.

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