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Börsen-Zeitung Bange machen gilt nicht, Kommentar zur Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen von Walther Becker

Nachrichtenagentur: news aktuell
11.06.2019, 22:40  |  287   |   |   
Frankfurt (ots) - Knirps in der weltpolitischen Relevanz, Gnom im
Vergleich der Marktkapitalisierung börsennotierter Unternehmen und
Zwerg im Wachstum von Umsatz und Gewinn. Ausgerechnet die deutschen
Konzerne, von denen es 2018 gerade mal 44 ins Ranking der 1000 global
umsatzstärksten gelisteten Gesellschaften schafften, sind im Wachstum
im vergangenen Jahr Schlusslicht gewesen.

Dass die größte Volkswirtschaft Europas in vielerlei Hinsicht
nicht gerade in einer Topverfassung ist, hat seine Gründe. Was das
Hinterherhinken in Umsatz- und Ergebniswachstum anbetrifft, sind sie
ähnlich denen, warum Deutschland in puncto Marktkapitalisierung ein
Zwerg ist. Europa ist strukturell ein Industriestandort. Doch gerade
die klassische Industrie steht in der Investorengunst weit hinter IT,
Software und Telekommunikation, die auf ganz andere Bewertungshöhen
kommen.

So sind mit Technologie und Digitalisierung US-Technologiekonzerne
derzeit das Maß der Dinge. Die Amerikaner profitieren von ihrem
großen und prosperierenden Heimatmarkt. Die europäischen Rivalen
arbeiten in einem Markt, der sich aus vielen Jurisdiktionen
zusammensetzt, mit teilweise großen politischen und regulatorischen
Unterschieden. Brexit und Populisten belasten Wachstum und
Perspektiven.

In den USA hingegen werden die Großkonzerne nach Kräften vom
US-Präsidenten unterstützt, auch wenn es hin und wieder
Twitter-Tiraden gegen Amazon oder AT&T gibt. Allein die Steuerreform
spülte den Konzernen Milliarden in die Kasse, die sie für
kurssteigernde Aktienrückkäufe nutzen. Deutschland punktet hingegen
mit dem starken und soliden Mittelstand. Die kleinen und mittleren
Unternehmen holen zwar kräftig auf, streben aber nur selten an die
Börse und sind keine Vorreiter der Digitalisierung.

Zudem schwächelt das Wirtschaftswachstum in Europa. Viele
Unternehmen leiden unter dem US-Handelsstreit mit China und
Konflikten mit anderen Ländern, die die USA großteils auf dem Rücken
anderer austragen. Gerade die Stärke der Internationalisierung
schlägt so in Zeiten des Protektionismus und politischer Volatilität
ins Kontor.

Hinzu kommt, dass zahlreiche Konzerne in einem tiefgreifenden
Umbruch stecken. Teils haben sie dies - wie einige mit Betrügereien
aufgefallenen Autokonzerne - selbst verschuldet, teils sind es
branchenspezifische Herausforderungen wie die Veränderung der
Mobilität. Doch die nötige Restrukturierung macht fit für die Zukunft
und vollzieht sich auf Basis einer noch immer ansehnlichen
Profitabilität und Prosperität. Bange machen gilt nicht.

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