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Der Markt gerät in eine Schieflage

Gastautor: Sven Weisenhaus
06.07.2019, 09:50  |  2750   |   |   

Am Montag startete der DAX bei rund 12.600 Punkten in den Handel, gestern schloss der Index die Woche mit 12.568,53 Punkten ab. Dazwischen lagen ein Hoch bei etwas mehr als 12.650 und ein Tief bei etwas weniger als 12.500 Punkten. Der DAX begnügte sich also im Handelsverlauf der Woche mit einer Range von weniger als 200 Zählern. Willkommen im Sommerloch!

Spekulationsgetriebene Aktienmärkte

Im Maximum konnte der DAX allerdings in dieser Woche um bis zu 2 % zulegen. Der Dow Jones brachte es auf immerhin 1,38 %, der S&P 500 schaffte 1,84 % und der Nasdaq100 sogar 2,43 %. Damit konnten die Aktienindizes auch neue Trend- bzw. sogar Allzeithochs markieren. Allerdings sind diese Kursanstiege zu einem Großteil lediglich auf den starken Wochenbeginn zurückzuführen, der durch moderat positive Nachrichten vom G20-Gipfel getrieben war. Echte Fortschritte hat es aber insbesondere im Handelsstreit zwischen China und den USA nicht gegeben. Und insofern waren diese Kursgewinne reine Spekulation.

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Auch Zinssenkungsspekulationen haben die Kurse in dieser Woche getrieben. Schwache Konjunkturdaten und sinkende Gewinnaussichten wurden dabei nicht negativ gewertet, sondern waren sogar eher positiv für den Aktienmarkt, weil sie die Wahrscheinlichkeit von sinkenden Leitzinsen erhöhen.

Der Markt gerät in eine Schieflage

Doch der Markt gerät dadurch in eine enorme Schieflage. Die Anleiherenditen preisen bereits eine klare Wirtschaftsschwäche ein (siehe vorgestrige Börse-Intern). Dennoch legten die Aktienmärkte in der Hoffnung auf weitere und/oder billigere Notenbankliquidität weiter zu, was zu neuen Trend- bzw. sogar Allzeithochs führte. Dadurch weichen die konjunkturellen Entwicklungen immer stärker von der Kursentwicklung ab. Und diese Schere wird sich irgendwann wieder schließen. Das hat sie bislang immer getan. Die Frage ist nur, wann.

Weiter aufwärts bis zu den nächsten Zinsentscheidungen?

Damit sind wir wieder beim saisonalen Kursverlauf, wonach die starke Aktienmarktphase in Vorwahljahren gewöhnlich Mitte Juli endet, die Kurse in eine Seitwärtsphase übergehen und dabei von ihren neuen Trend- oder Allzeithochs aus zumindest zeitweilig wieder deutlich zurückfallen.

Vielleicht können die Kurse im aktuellen Jahr durch die derzeitigen Zinsspekulationen sogar noch bis zu den nächsten Notenbanksitzungen Stärke zeigen. Doch egal ob die Leitzinsen dann tatsächlich gesenkt werden oder nicht – in beiden Fällen könnte anschließend das Motto „buy the rumors, sell the facts“ gelten und die Märkte damit letztlich doch wieder dem saisonalen Verlauf folgen. Mit Blick auf die konjunkturelle Entwicklung und die fundamentale Bewertung (siehe u. a. Börse-Intern vom 27. Juni) wäre dies jedenfalls gerechtfertigt.

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