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ROUNDUP/EZB zieht alle Register Höhere Strafzinsen und Anleihekäufe

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
12.09.2019, 14:01  |  1473   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Europas Währungshüter stemmen sich mit allen Mitteln gegen die Konjunkturschwäche: Banken müssen künftig noch höhere Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Zudem steckt die Notenbank frische Milliarden in Anleihen. Das beschloss der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt.

Damit verschärft die Zentralbank zum Ende der Amtszeit von EZB-Präsident Mario Draghi ihre ultralockere Geldpolitik nochmals. Die achtjährige Amtszeit des Italieners endet am 31. Oktober 2019. Der Leitzins, der seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent liegt, bleibt unverändert auf diesem Niveau.

Dass die Notenbank erneut nachlegen würde, war erwartet worden. Angesichts der weltweiten Konjunkturabkühlung und der Schwäche des Welthandels seien "signifikante geldpolitische Impulse" notwendig, hatte Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates vor sieben Wochen gesagt.

Bisher mussten Geschäftsbanken 0,4 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Liquidität bei der Notenbank parken - eine Milliardenbelastung für die Finanzbranche im Euroraum. Dieser negative Einlagensatz wird nun auf minus 0,5 Prozent verschärft.

Mit dem Strafzins wollen die Währungshüter die Institute dazu bringen, mehr Gelder in Form von Krediten an Unternehmen und Verbraucher auszureichen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das soll auch den Preisauftrieb verstärken. Um die Banken etwas zu entlasten, führt die EZB einen Staffelzins für bestimmte Freibeträge ein.

Mittelfristig strebt die EZB für den Euroraum eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das ist weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen aufschieben - in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird.

Das Zwei-Prozent-Ziel der EZB ist jedoch in weite Ferne gerückt: Im August verharrte die Inflation in den 19 Ländern mit der Gemeinschaftswährung bei 1,0 Prozent und damit auf dem tiefsten Stand seit mehr als zweieinhalb Jahren.

Mit einer Neuauflage von Wertpapierkäufen will die EZB Konjunktur und Inflation zusätzlich auf die Sprünge helfen. Ab 1. November sollen monatlich 20 Milliarden Euro in den Erwerb von Anleihen gesteckt werden. Ein genaues Ende der Käufe legte der EZB-Rat zunächst nicht fest.

Ende Dezember hatte die EZB ihr gewaltiges Kaufprogramm von Staats- und Unternehmensanleihen vorerst beendet. Seit Januar fließt kein frisches EZB-Geld mehr in diesem Rahmen, Gelder aus auslaufenden Wertpapieren werden jedoch reinvestiert. Von März 2015 bis Ende 2018 steckte die EZB rund 2,6 Billionen Euro in Anleihen.

Der Kauf von Staatsanleihen hilft den Eurostaaten, sich günstiger frisches Geld zu besorgen. Denn wenn die EZB große Bestände aufkauft, müssen sie für ihre Wertpapiere nicht so hohe Zinsen bieten. Zugleich pumpt die Notenbank über Wertpapierkäufe viel Geld in den Markt. Das soll der Inflation auf die Sprünge helfen.

An der expansiven Ausrichtung der Geldpolitik wird sich aller Voraussicht nach so schnell nichts ändern: Draghis designierte Nachfolgerin an der EZB-Spitze, die Französin Christine Lagarde, hat bereits deutlich gemacht, dass sie eine sehr lockere Geldpolitik für absehbare Zeit für nötig hält. Die bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) sagte aber auch: "Wir müssen die negativen Folgen und Nebeneffekte im Blick behalten."

Sparer müssen sich auf jeden Fall weiterhin gedulden, ehe es wieder höhere Sparzinsen gibt. Womöglich geben Banken zudem die Kosten für die EZB-Strafzinsen künftig an einen größeren Kundenkreis weiter./ben/DP/jkr

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2 Kommentare

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Kommentare

Wer leiht den den Italienern das Geld?
Das sind ganz vorwiegend andere Italiener mit hohen Sparvermögen...

Es wäre mal Zeit die deutschen Sparer verantwortlich zu machen -warum sie den deutschen versicherungen und Banken dauernd Geld zuschieben -anstatt sich mehr selber darum zu kümmern...
JETZT erst werden mehr Immobilien gekauft...Aktien will keiner -wollte auch keiner als 2012 angeblich der € auseinderbrechen sollte --oder 2009 als alle spottbillig nach dem Crash waren...

Nein damals wurden AUTOS gekauft (Abwrackprämie!)
...
Die Fans stürmen die Stadien...aber sich Umgeld/Altersversorgung kümmern....bääähhh
Autos und Fussball - nix anderes interessiert...

Typisch dann auch das Altmaier und Scholz - ohne Widerspruch dann Posten besetzten können...und die FDP in der Bedeutungslosigkeit versunken ist...
...und welche Strafen bekommen die unverbesserlichen Verursacher der Schuldenkrise?
Die dürfen wieder einmal auf unsere Kosten weiter wurschteln,herzlichen Glückwunsch!
Ich möchte noch einmal daran erinnern,dass Italien schon einmal das Ende einer Währungsunion herbei-gestümpert hat,es wundert mich,dass wir das diesmal,durch eine offenbar handlungsunfähige Bundesregierung und eine offenbar kastrierte deutsche Zentralbank nun lange genug ertragen haben,aber das sollte nun endgültig der letzte Versuch sein,weil es klar ist,dass wir das nicht langfristig durchhalten können,entweder es gelingt nun sparsam genug zu wirtschaften,oder das Euro-Experiment landet unweigerlich endgültig in der Tonne und das,ist definitiv nicht die Schuld Deutschlands,es gab klare Vereinbarungen,im Vorfeld des Euro,der ganze Quatsch,wird langsam zur Zumutung!
Es kann marktwirtschaftlich nicht sinnvoll sein,ein Risiko zu ertragen,Geld zu verleihen und dabei Verluste zu machen während ständig die Schuldner nach Schuldenschnitten verlangen,was das Risiko unerträglich macht und die Disziplin untergräbt.
Wer es unter solchen Bedingungen immer noch nicht schafft,seine Schulden ab zu bauen,dem sollten wir den weg zum Amtsgericht erleichtern,stellt ihn auf einen Rollschuh,einer reicht,der findet an jeder Strassenecke einen,der ihm in den Hintern tritt,um ihm Schwung zu geben,so kommt er ohne Kraft-Anstrengung immer da hin,wo er hingehört,nämlich zum AG,zur Insolvenzanmeldung,ohne eigene Anstrengung.
...und für so einen Blödsinn,haben wir uns von unseren Politikern immer wieder Reformen zumuten lassen,während alle anderen aus dem vollen geschöpft haben,das ist nicht gerecht,das ist eine Unverfrohrenheit,kommt bloß nicht noch einmal,mit so einem Quatsch an,dann werden wir alle froh sein,wenn es endlich vorbei ist,und dann können sich die Schuldentreiber wieder am Anleihemarkt kapital besorgen,zu dann 20% Zinsen,und wie man sieht,ist das gut so!
Welche Träume,habt ihr denn nun mit all dem geborgten Geld verwirklichen können,wie viel besser wart ihr denn,als wir,wenn alle erkennen müssen,dass Ihr es schon wieder nicht packt,einfach zu bezahlen?

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