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Wildsauseo Branche – Banken in Deutschland

Gastautor: Martin Brosy
07.11.2019, 15:58  |  1339   |   |   

Das Bankensystem in Deutschland hat seine besonderen Probleme

In Deutschland gibt es ein historisch gewachsenes Bankensystem, das auf drei Säulen fußt:

  • Privatbanken
  • Sparkassen
  • Genossenschaftsbanken

Unter den Privatbanken sind die Großbanken zu finden, die jeder kennt, z. B. die Deutsche Bank und die Commerzbank. Außerdem zählen noch ein paar kleinere, private Regionalbanken und Zweigstellen ausländischer Banken dazu.

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Die Sparkassen und Landesbanken sind in der Regel im Besitz von öffentlich-rechtlichen Trägern wie Gemeinden, Kreisen und Ländern. Sie sind daher Teil des öffentlich-rechtlichen Bankensektors. Der Einzugsbereich dieser Banken ist meist auf das regionale Gebiet des Trägers beschränkt. Im Fokus stehen dabei die Förderung der Vermögensbildung, das Sparen und die Kreditversorgung für die regionale Bevölkerung sowie für kleine und mittelständische Unternehmen.

Die Genossenschaftsbanken, zu denen unter anderem die Volksbanken und Raiffeisenbanken zählen, sind ebenfalls hauptsächlich regional ausgerichtet. Besonders ist allerdings die Kundenbeziehung: Mehr als die Hälfte der 30 Millionen Kunden verfügen über Genossenschaftsanteile und sind somit Teilhaber der Kreditinstitute.

Im letzten Jahrhundert hat sich dieses System als fähig und sehr robust gegenüber Krisen bewiesen. Die deutsche Wirtschaft mit einem breit aufgestellten Mittelstand hat von dem dezentralen Bankensystem profitiert. Die regionale Ausrichtung von Sparkassen und Genossenschaftsbanken sorgen für eine optimale Betreuung sowohl von Privat- als auch von Firmenkunden in den einzelnen Geschäftsgebieten.

Mit dem Höhepunkt der Krise im Jahr 2008 hat dieses System allerdings einige Schwächen offenbart. Da etwa die Hälfte des Bankensystems staatlich gesteuert und auch private Banken nicht mehr genug Gewinne erzielt haben, wurden Staatshilfen nötig. So wurden beispielsweise die LBBW, die BayernLB und die HSH Nordbank, die mittlerweile privatisiert wurde, gerettet.

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), seines Zeichens größte Landesbank Deutschlands, rutschte nach der Übernahme der SachsenLB und der Landesbank Rheinland-Pfalz durch die Finanzkrise tief in die roten Zahlen. 2009 waren Staatshilfen über fünf Milliarden Euro und eine Bürgschaft über 12,7 Milliarden Euro nötig, um die Bank am Leben zu halten. 2014 kam es zu mehreren Anklagen wegen Bilanzfälschung und Untreue gegen Vorstände der Landesbank. Wird mit dem Geld der Steuerzahler so umgegangen, ist ein Vertrauensverlust sichere Sache.

Der BayernLB erging es ähnlich. Nach der Übernahme der maroden Hypo Alpe Adria (2007) geriet auch die bayerische Landesbank in Schieflage. Die Staatshilfen in Milliardenhöhe wurden allerdings mittlerweile zurückgezahlt. Anfang des Jahres wurden überdies die Ex-Vorstände der BayernLB zu Strafzahlungen in Millionenhöhe verurteilt.

Auch privaten Banken hat der Steuerzahler unter die Arme gegriffen: Die IKB und die Hypo Real Estate hätten die Krise ohne Hilfe nicht überstanden und an der Commerzbank hält der Bund weiterhin 15 Prozent der Anteile.

Keine der Säulen ist krisensicher

Diese Beispiele zeigen, dass weder private Banken noch öffentlich-rechtliche Kreditinstitute gegen die Umstände gefeit sind und keine der Säulen krisensicher ist. Die strukturellen Probleme wurden allerdings nicht nur direkt nach der Finanzkrise offenbar, sondern vielerorts erst durch die kommenden Entwicklungen. In Deutschland hängen die Erträge der Kreditinstitute zu fast 70 Prozent vom Zinsergebnis ab – weit mehr als in anderen europäischen Ländern oder den USA. Das zeigt auch die Gewinnentwicklung im Bankensektor:

Neben der Abhängigkeit vom Zinsergebnis, dass aufgrund der Negativzinsen der EZB besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wird, liegt diese Entwicklung auch an der Struktur. Es sind einfach zu viele Finanzinstitute in Deutschland vorhanden. Rund 1.600 Banken gibt es, von denen mit Sicherheit nur ein kleiner Teil die nächsten Jahrzehnte überleben wird.

Größe kann entscheidend für den Erfolg sein

Der Wettbewerb um die Kunden in Deutschland ist aufgrund der Zahl der konkurrierenden Banken härter als in anderen Ländern. Die Kunden haben dadurch zwar Vorteile, denn die Konkurrenz führt zu niedrigeren Preisen. Die Gebühren für Bankdienstleistungen sind in anderen Ländern deutlich höher, auch wenn hierzulande die Kunden in den letzten Jahren immer mehr zahlen mussten. Auf der anderen Seite sind die Renditen für die Banken sehr gering; zu gering, um langfristig bestehen zu können.

Eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney in 22 europäischen Ländern zeigt, dass deutsche Finanzinstitute nicht profitabel genug arbeiten. Mit einer Cost-Income-Ratio von 69 Prozent liegt der deutsche Bankensektor im europäischen Vergleich auf dem letzten Platz im Privatkundengeschäft. Die Unternehmensberatung kommt in ihrer Studie überdies zum Schluss, dass jede zehnte Bank schließen wird.

Der Strukturwandel wird durch den Rückgang der Zinsspanne und Abbau der Filialen zusätzlich erschwert. Zahlreiche Felder und Prozesse wurden oder werden bei den Finanzinstituten digitalisiert, was sich auch auf die Beschäftigung auswirkt. Zum einen werden Arbeitsplätze abgebaut, weil entsprechende Leistungen substituiert werden. Zum anderen müssen Ausbildungen, beispielsweise für die Bankkauffrau/ den Bankkaufmann, neu ausgerichtet werden.

Für kleinere Geldhäuser kann dies eher früher als später das Aus bedeuten. Durch die fehlende Finanzstärke können nötige Investitionen in die Digitalisierung und Umstrukturierung nicht umgesetzt werden. Zudem rechnen sich diese Investitionen meist nur, wenn die Bank groß genug ist, um die Skaleneffekte zu erreichen. Die Größe der Bank kann also entscheidend für den zukünftigen Erfolg sein. Von eklatanten Fehlentscheidungen bezüglich der Strategie und krummen Geschäften abgesehen.

Deutsche Bank – das schwarze Schaf?

Ein Paradebeispiel für den letzten Satz stellt die Deutsche Bank dar. Die Liste der krummen Geschäfte ist lang, was sich in einem schlechten Ruf, Strafzahlungen in Milliardenhöhe und einer miserablen Kursentwicklung an der Börse niedergeschlagen hat.

  • Bei der Ausgabe hypothekengedeckter Wertpapiere in den USA wurden teilweise wertlose Papiere verkauft, was zum Kollaps des dortigen Immobilienmarktes beigetragen haben soll. Die Folge: sieben Milliarden US-Dollar Strafe.
  • Verwicklungen in den Geldwäsche-Skandal der Danske-Bank, bei denen Zahlungen für die dänische Großbank in Estland abgewickelt wurden.
  • Kunden der Deutschen Bank haben russisches Schwarzgeld in Höhe von rund zehn Milliarden US-Dollar über Moskau, New York und London gewaschen. Die Maßnahmen der Deutschen Bank gegen die Geldwäsche waren unzureichend. Strafe: 41 Millionen US-Dollar.
  • Auch bei den Cum-Ex- und den Cum-Cum-Geschäften, bei denen deutsche Finanzämter um Milliarden betrogen worden sind, soll die Deutsche Bank mitverdient haben. Die Ermittlungen hierzu dauern an.
  • Händler der Deutschen Bank haben jahrelang bei den Zinssätzen Libor und Euribor getrickst. Strafzahlungen in Höhe von 725 Millionen Euro an die EU sowie insgesamt 2,5 Milliarden US-Dollar in den USA und Großbritannien wurden fällig.

Die Liste könnte noch um einiges weitergeführt werden und zeigt, dass die deutsche Vorzeigebank nicht immer nach den Regeln spielt. Umstrukturierungen im Vorstand waren fast schon an der Tagesordnung. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat die Deutsche Bank sechsmal ihre Strategie verändert. Die neueste Ausrichtung wurde von den Marktteilnehmern an der Börse mit weiteren Verkäufen quittiert.

Zur neuen Strategie gehört: Rund 18.000 Stellen sollen in den nächsten Jahren gestrichen werden, 9.000 davon in Deutschland. Weiterhin soll das Investmentbanking schrumpfen und der Fokus auf dem Geschäft mit Krediten, Anleihen und Währungen liegen. Auch die strategische Beratung wird ein wichtiges Geschäftsfeld bleiben. Die Kosten für die Umstrukturierung sollen bei 7,4 Milliarden Euro liegen.

Die Commerzbank weiter in der Krise

Für die Commerzbank war es gut, dass aus der Fusion mit der Deutschen Bank nichts wurde. Dennoch sind auch hier Stellenabbau und unzufriedene Aktionäre an der Tagesordnung. Im Oktober wurde angekündigt, dass 200 Standorte geschlossen und 4.300 Arbeitsplätze gestrichen werden. Zudem müssen die Kunden mit höheren Gebühren rechnen.

Trotz der Einsparungen und Gebührenerhöhung auf der einen Seite, will die Commerzbank auf der anderen Seite die Comdirect schlucken. Die Direktbank, an der die Commerzbank bereits 82 Prozent der Anteile hält, soll komplett in den Konzern eingegliedert werden. Keine unverständliche Entscheidung, gehört Comdirect mit 2,6 Millionen Privatkunden doch zu den größten Direktbanken in Deutschland. Da die jüngeren Generationen ohnehin in erster Linie bei Direktbanken neue Konten abschließen, könnte sich das in Zukunft auszahlen.

Neobanken auf dem Vormarsch

Die auch als Neobanken bezeichneten Direktbanken mit dem Fokus auf Digitalisierung sind modern und innovativ. Intuitive Banking-Apps erleichtern die Verwaltung und das Bezahlen. Vorreiter und wertvollstes Fintech ist dabei die N26-Bank. N26 konnte die Bedürfnisse der jüngeren Generationen bedienen und sich damit einen Vorsprung gegenüber den traditionellen Banken erarbeiten, die beim digitalen Fortschritt nicht hinterherkommen.

Aber nun häufen sich auch hier die Beschwerden. Betrügerische Überweisungen auf Konten der Online-Bank sollen aufgrund von mangelhaften Identifikationsverfahren möglich gewesen sein. Einige Banken haben daher temporär sogar Überweisungen an N26 eingestellt. Auch die Fintechs Fidor, Revolut und bunq waren betroffen.

Die Sicherheitsvorkehrungen der Start-ups müssen sich also deutlich verbessern, bevor solche Banken den traditionellen Geldhäusern den Rang ablaufen. Das Vertrauen in die N26-Bank ist noch sehr gering. Nur neun Prozent der Befragten vertrauen laut einer Umfrage der DSGV der aufstrebenden Direktbank. An der Spitze liegt die Sparkasse mit 52 Prozent.

Auch Wirecard macht mit seinen Smartphone-Konten N26 Konkurrenz. Die Wirecard Bank ist Teil der Wirecard-Unternehmensgruppe, die vor einem Jahr in den DAX aufgenommen wurde. Das rasante Wachstum des Unternehmens in den letzten Jahren wurde zeitweise von Anschuldigungen der Financial Times, in denen es um Bilanzmanipulationen ging, unterbrochen. Um diese Vorwürfe zu entkräften, lässt das Unternehmen die Bilanzen in einer Sonderprüfung der KPMG untersucht. Daher befindet sich die Wirecard-Aktie weiterhin auf Berg- und Talfahrt.

Vertrauen sinkt, Probleme werden verstärkt

Das Vertrauen in die Banken ist bei vielen Verbrauchern deutlich gesunken. Neben den zahlreichen Skandalen und Verfehlungen sind logischerweise auch die direkten Umstände in Form von lächerlichen Sparzinsen und höheren Gebühren dafür verantwortlich. Vertrauen in ein Finanzinstitut ist aber wichtig, sonst vertraut man ihnen ja auch nicht sein Geld an. Und ohne Kunden geht auch irgendwann den Banken das Geld aus. Wir sind gespannt, wie es in der Bankenbranche in Deutschland weitergeht. Wahrscheinlich werden wir in Zukunft nicht mehr aus 1.600 Banken wählen können. Hoffentlich werden wir dann auch weniger von Bankskandalen berichten müssen.

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