Klimaforscher genauso daneben wie die Ökonomen?

Gastautor: Bernd Niquet
01.02.2020, 10:00  |  959   |   |   

Wenn ich in der Presse die neuesten wissenschaftlichen Veröffentlichungen zur Zinsentwicklung lese, macht sich in mir eine Horrorvorstellung breit.

 

Man muss sich nur einmal die langen Zeitreihen zur Zinsentwicklung anschauen, dann ist man unweigerlich an die Klimaforschung erinnert. Denn die sehen aus wie die Temperaturen, nur umgedreht.

 

https://www.welt.de/finanzen/geldanlage/plus204883180/Zinsen-Wird-der- ...

 

Während das Klima anscheinend immer heißer wird, zeigt die Grafik in dem Artikel, dass sich die Zinsen immer weiter abkühlen und zum Gefrierpunkt bei null tendieren. Und beides sei gleichsam naturgesetzlich gegeben, heißt es. Oh!

 

Von der Klimaforschung verstehe ich nichts, mit der Ökonomie habe ich mich hingegen zehn Jahre intensiv an der Universität beschäftigt.

 

An dieser Stelle setzt mein Verdacht an. Denn das, was gegenwärtig zur Zinsentwicklung veröffentlicht wird, ist kompletter Blödsinn. Die Zeitreihen mögen zwar ähnlich schön frisiert sein wie die Fußballspieler von RB Leipzig, doch vom Ökonomieverständnis her ist das totaler Humbug. Denn Zinsen sind immer ein aktuell-monetäres Phänomen.

 

Und oh heilige Wissenschaft, denke ich jetzt, wenn sich eine Wissenschaft, von der ich etwas zu verstehen glaube, so definitiv derartig irrt, könnte das dann nicht auch bei der anderen, von der ich keine Ahnung habe, ebenfalls der Fall sein?

 

Ich mag es mir gar nicht vorstellen, es ist der pure Horror. Denn dann würden wir ja … unser gesamtes Leben … unsere ganze Welt … für nichts und wieder nicht … meine Güte. Nein, das kann doch eigentlich nicht sein. Oder?

 

Auf jeden Fall ist die Parallelität der Vorgehensweisen ziemlich frappierend. Denn es ist ja nicht so, dass die Klimawissenschaft die Erderwärmung aus ihren theoretischen Modellen abgeleitet hat. Es ist nicht so gewesen wie normalerweise, wie beispielsweise bei Einsteins Relativitätstheorie. Die hatte nämlich die Existenz von Gravitationswellen behauptet, die damals noch gar nicht beobachtet werden konnten. Heute aber.

 

So haben denn auch die Klimaforscher ebenso wie die heutigen Zins-Ökonomen ihr Mäntelchen nach dem Wind gehängt. Und gesagt: Jetzt wird es wärmer, jetzt müssen wir sehen, dass wir etwas finden, was das erklärt. Und man glaubt, es im CO2 gefunden zu haben. Genau wie die Ökonomen, die dachten, etwas finden zu müssen, das die vermeintlich über Jahrhunderte fallende Zinsen erklärt, und dafür jetzt den Reichtumseffekte erfunden hat. Womit die Profession jedoch letztlich mit dem Arsch all das umreißt, was sie vorher so mühevoll und gut aufgebaut hat.

 

Es bleibt also schwierig. Daher scheint mir auch eine gute Skepsis gegenüber der Wissenschaft immer angebracht zu sein. Und mich gruselt die Wissenschaftsgläubigkeit der heutigen Jugend.

 

Sie erinnert fast ein wenig an den Glauben an den wissenschaftlichen Marxismus und Leninismus. Oder noch Schlimmeres sogar. Und das sollte man wohl alles einmal genau bedenken, bevor man Revolution macht und die gesamte Welt umkrempelt.

 

Es ist also auch hier wieder fast sowie früher, in den 1920er und 1930ern. Man kommt zwangsläufig immer wieder dorthin zurück. Denn auch heute gibt es ähnlich große Auseinandersetzungen, die mit allen im gesellschaftlichen Rahmen möglichen Mitteln ausgetragen werden. Und sogar etwas darüber hinaus.

 

Und erneut werden die einen gewinnen und die anderen verlieren. Ich fürchte allerdings, die Demokraten werden auch dieses Mal wieder die Verlierer sein. Und ich fürchte ebenso, dass die Lösung wieder eine endgültige sein wird.

 

 

 



Diesen Artikel teilen
Wertpapier

Mehr zum Thema
Klicken Sie auf eines der Themen und seien Sie stets dazu informiert. Mehr Informationen hier.
MarxismusZinsenErderwärmungÖkonom


4 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

Vielen Dank für die Zustimmung. Und es geht nicht um Sticheleien, sondern darum, immer kritisch zu bleiben. Die Wissenschaft hat niemals ein apodiktisch sicheres Wissen. Das haben nur Religionen. Und politische Glaubenssätze. Ich glaube auch, dass niemand sich wirklich ausmalt, was CO2=0 bedeutet. Alle denken immer nur daran, wie fürchterlich die Prognosen des IPCC sind. Doch CO2=0 heißt nicht ein bisschen Technik hier und ein bisschen Steuer hier, sondern es heißt: Finito. Nichts mehr.
Und ob wir das wirklich wollen? Nur weil ein paar Computermodelle Alarm schlagen? Was jetzt in Deutschland beschlossen worden ist, finde ich grenzwertig. Wir müssen uns jedoch klar sein, dass das nichts bringt. Das ist bisher alles nur Kosmetik.
sehr geehrter Herr Dr. Niquet,

im Wesentlichen stimme ich Ihren Gedankengängen zu. An allem ist zu zweifeln.
Mit Blick auf die 'Wissenschaften' und Medien ... wovon sonst, als derartigen Veröffentlichungen, sollten die leben ? In unserer heutigen Zeit, in der wir mit einer Flut von Informationen einfach zu geschüttet werden.
Nichts und niemand kann den gesunden Menschenverstand und ein eigenes Urteilsvermögen ersetzen. Auch, wenn das gern und ständig von außen angestrebt wird.
einen nachhaltigen Umweltschutz kann es nur geben, wenn der Konsum drastisch zurück gefahren wird, jede Form der überbordenden, industriellen Produktion abgeschafft wird, Butterberge nicht mehr ins Meer geschoben werden.
Das wird nicht passieren.
Die Preise für Dieselkraftstoff werden angehoben. Senkt das den Verbrauch ? Nein.
Ölheizungen sollen verboten werden. Werden Alternativen kostenlos als Ersatz angeboten ? nein.

Die Umweltdiskussion ist ein Medien-Ei (entgegen der Zinsspirale). Nicht mehr, nicht weniger. Sehr schade.
Denn es gibt nur diese eine Welt, unsere.

aber vielleicht hilft unser gemeinsamer Lieblingswitz:
treffen sich zwei Planeten ...

schönen Sonntag noch
Naja,er spricht da aber wirklich aktuell etwas an,wo wir vielleicht sehr sensibel reagieren müssen!
Vielleicht erleben wir ja alle eine zeit,des Wandels?
Mich regte das auch auf,was man über die gewünschten höheren Lebensmittel-Preise redet!
Es wird emotional diskutiert,vielleicht sind wir tatsächlich näher an einer Zins-wende,als wir dachten?
Seht mal,den banken,geht es wirklich nicht gut,die RV und unsere Versicherer,stehen auch mit dem Rücken an der Wand,über die Lage bei den bauern,weis ich nun weniger,aber "Wasch mit den Pelz,aber mach mich nicht nass" geht ja nun auch nicht!
Bernd hat Recht und da mich zur Zeit sämtliche Forderungen einfach abnerven,weil alle ihre opfer gebracht haben und allenthalben einer daher kommt,um etwas einzufordern,hatte ich auch schon auf die Möglichkeit,höherer zinsen hingewiesen,weil die das klima schützen!
...über die Traktoren,der Bauern,hatte ich auch was gesagt,...ok,es tut mir nun etwas leid!^^
Vielleicht sind wir nahe der Zinswende,die bald eingeleutet wird,weils überall eng zu werden droht und wir sehen diesen natürlichen,vernünftigen weg einfach nicht,weil es riskant für einige Euro-Partner wäre?
Was meint Ihr,sollte man Zinserhöhungen noch verschieben,durch zb Agrar-Subventionen die man zb bei der EU einfordert,...das wäre vielleicht noch ein weg,höhere Preise jedenfalls,würden zu unverzüglichen Zins-Erhöhungen führen!?
...und wenn einer zahlungsunfähig würde,dann würden die zinsen explodieren und es gäbe einen Crash,das muss man meiden!
Lieber Herr Niquet, sie haben vollkommen recht, von Klima, Rohstoffen und Ökologie verstehen Sie anscheinend nichts. Dann hören Sie doch auch auf, da immer so "rumzusticheln", ohne Sinn und Verstand. Fällt Ihnen denn wirklich nichts Besseres mehr ein?

Wenn man schon die Klima-Relevanz des atmosphärischen CO2-Gehalts versuchen kann zu zerreden, so ist doch klar, dass das Erdöl (zusammen mit Erdgas) vor ca. 100 Mio Jahren entstand, und die Steinkohle vor ca. 300 Mio Jahren. Der Meeresspiegel war höchstwahrscheinlich vor dieser Zeit ca. 80m höher als heute. Wie die Atmosphäre und die Verhältnisse auf der Erde aussahen, als alles heutige Öl, Gas und Kohle sich noch in der selbigen befanden, ist recht klar.

Und wenn man schon der Meinung ist, man möchte gerne wieder das damalige Klima haben, dann sind doch die fossilen Ressourcen endlich, wenn wir sie weiter so fördern wie heute, sind sie nicht in 20 oder 30 Jahren zu Ende wie manchmal auch übertrieben behauptet wird, aber langfristig, egal ob in 100 oder 200 Jahren, ist Schluss mit fossilem Kohlenstoff, weil es einfach "alle" ist.

Es ist definitiv keine Frage, ob wir uns von der fossilen Kohlenstoff-Massenförderung verabschieden müssen, die Frage ist aber natürlich, wann und wie man das am besten und schlauesten macht. Darüber könnte man diskutieren, ob wir vielleicht zu früh dran sind. Da ist es ganz klar, das es gute Argumente gibt, ja, wir in Deutschland sind zu früh, und genau so, nein, wir gehen genau in die richtige Richtung.

Es könnte nämlich auch durchaus vernünftig sein, sich möglichst frühzeitig zukunftsfähig aufzustellen. Denn die High-Tech-Gesellschaften, die die Technik dafür schaffen, können durchaus auch viel Geld verdienen und Wohlstand generieren mit zukunftsfähiger, Fossil-Kohlenstoff freier Technik.

Also, Sie glauben doch selbst nicht ernsthaft, dass die Menschheit langfristig bis endlos Kohlenstoff wie bisher oder sogar zunehmend aus der Erde holen und verbrennen kann. Ich kann nicht verstehen, was Ihre Sticheleien hier also immer sollen. Klar kann man mal ein "Untergangszenario" ad Adsurdum führen, aber dann muss auch mal gut sein.

Ich freue mich in Zukunft auf wieder intelligentere, hintergründige Kolumnen von Ihnen, am besten zu Finanz-Themen!

Disclaimer