Wie sich die Glücksspiellegalisierung auf die Aktien der Casino Softwarehersteller auswirken wird

Gastautor: Rainer Brosy
04.03.2020, 14:49  |  816   |   |   

Was vor der Jahrtausendwende noch eine Randerscheinung gewesen ist, ist heute in der Mitte der Gesellschaft ankommen: Digitales Glücksspiel in Online-Casinos floriert mehr denn je. Schätzungen gehen davon aus, dass alleine deutsche Spieler jährlich zwei Milliarden Euro umsetzen - Tendenz steigend. Forciert wird diese Entwicklung durch den Entwurf für einen neuen Glücksspielstaatsvertrag, der das Glücksspiel hierzulande liberalisieren soll. Doch wie wird sich dieser Schritt künftig auf die Entwicklung der Aktien der Casino Softwarehersteller auswirken?

 

Entscheidender Schritt für Liberalisierung des Glücksspiels in Deutschland ist getan

 

Dank der Liberalisierung des Glücksspiels in Deutschland kann sich ein Investment sowohl in Online Casinos, als auch in Casino Softwarehersteller rentieren. Bildquelle: kalhh / pixabay.com

 

Glücksspiel ist in Deutschland eine bei vielen Menschen beliebte Freizeitbeschäftigung, wobei dem Hobby dank der Digitalisierung inzwischen von überall aus nachgegangen werden kann. Obwohl Statistiken zeigen, dass hierzulande durchschnittlich drei von vier Erwachsenen zumindest schon einmal in ihrem Leben an einem Glücksspiel teilgenommen haben, war der Markt und insbesondere die rechtliche Lage bis vor kurzem gerade für Neulinge noch extrem unübersichtlich.

 

Während aus §4 Abs. 4 des Glücksspielstaatsvertrages hervorgeht, dass das Veranstalten und Vermitteln öffentlichen Glücksspiels im Internet verboten ist, gab es trotzdem unzählige digitale Glücksspielhäuser, die ungeniert Poker, Roulette und Co. anboten. Die wenigen, legal in Schleswig-Holstein lizenzierten Anbieter wurden dabei komplementiert von solchen aus dem EU-Ausland, die sich auf die Dienstleistungsfreiheit beriefen.

 

Nun ist kürzlich der entscheidende Schritt zur Liberalisierung geglückt, denn die Bundesländer haben sich auf einen neuen Glücksspielstaatsvertrag verständigt, der ab Mitte 2021 gelten soll. Konkret ist darin vorgesehen, Glücksspiele wie Poker und Online Casinos im Allgemeinen künftig unter Überwachungsauflagen zu erlauben.

 

Das sind die bekanntesten Casino Softwarehersteller und ihre Produktpaletten

 

Profitieren könnten hiervon nicht nur die zahlreichen Online Casinos selbst, sondern ebenso die Casino Softwareentwickler bzw. die Casino Softwarehersteller. Selbst viele eingefleischte Zocker glauben, dass es die Online Casinos selbst sind, die die Spiele entwickeln und ihren Kunden zur Verfügung stellen. In der Praxis haben sie jedoch Kontrakte und Lizenzvereinbarungen mit bekannten Entwicklerfirmen getroffen, wobei zu den populärsten u.a. die nachstehenden zählen:

 

  • Playtech
  • NetEnt
  • Microgaming
  • Evolution Gaming

 

Speziell bei digitalen Spielautomaten spielen ebenso noch beispielsweise Novomatic und Merkur eine Rolle. Der Fokus soll jedoch an dieser Stelle bei den oben genannten Unternehmen verbleiben.

 

Playtech ist wohl der berühmteste Software-Anbieter der Branche. Insbesondere seine Poker-Software wird von den Casinos gerne genutzt. Das Angebot besteht u.a. aus regulären Spielen zum Download, solchen für das mobile Spielerlebnis, Live-Spielen und Sofortspielen. Ähnlich sieht das Ganze bei NetEnt aus. Der Softwareentwickler stammt aus Stockholm, wo er 1996 gegründet worden ist. Bekannt ist der Hersteller vor allem für seine hochqualitativen Slot-Produkte. Bekannte Spielautomaten sind z.B. "Starburst" oder auch "Dead or Alive" und "Gonzo's Quest".

 

Das älteste Software-Unternehmen im Bunde ist Microgaming. Deshalb verfügt der Hersteller auch über die mit Abstand größte Sammlung von Spielen, die qualitativ jedoch nicht immer mit den Entwicklungen der Konkurrenz mithalten können. Komplettiert wird das Quartett von Evolution Gaming. Dieses Unternehmen fokussiert sich auf Live-Spiele, wo es eine große und gleichzeitig sehr hochwertige Produktpalette besitzt.

 

So haben sich die Aktien der großen Casino Softwarehersteller bislang entwickelt

 

Die großen Casino Softwareentwickler kooperieren inzwischen mit vielen namhaften Online Casinos, was sich positiv auf den Aktienkurs ausgewirkt hat. Bildquelle: Turmisu / pixabay.com

 

Interessant ist nun, sich die Entwicklung der Aktienkurse der genannten Unternehmen näher anzuschauen. Beginnend mit Playtech ässt sich konstatieren, dass sich dieses Papier aktuell auf dem absteigenden Ast befindet. Derzeit müssen für ein Papier 3,94 Euro ausgegeben werden. Zum Vergleich: Am 19. September 2019 war die Aktie immerhin noch gut einen Euro teurer. Andererseits kostete sie am 16. August vergangenen Jahres nur 3,77 Euro. Ein positiver Trend ist derzeit dennoch nicht erkennbar. Vielmehr befindet sich das Papier in einer seitwärts gerichteten Abwärtsbewegung.

 

Ein anderes Bild ergibt sich bei NetEnt. Seit dem 3. Februar 2020 haben sich die Kurse leicht erholt, sodass derzeit 2,62 Euro für eine Aktie ausgegeben werden müssen. Am Monatsanfang lag der Preis bei 2,31 Euro. Der letzte Höchststand datiert auf den 11. September 2019, wo der Preis bei 3,17 Euro lag.

 

Microgaming kann an dieser Stelle ausgelassen werden, da die Firma keine Aktiengesellschaft ist. Fortfahrend mit Evolution Gaming handelt es sich im Trio um die wohl interessanteste Aktie. Wie mit Blick auf den Chart-Verlauf deutlich wird, geht die Aktie gerade durch die Decke und kostet stolze 39,05 Euro. Zur selben Zeit im vergangenen Jahr lag der Preis lediglich bei ca. 13 Euro, was einer Verdreifachung in nur einem Jahr entspricht.

 

Die Glücksspielliberalisierung wird die Aktienentwicklung positiv beeinflussen

 

Zurückgeführt werden kann die exorbitant gute Kursentwicklung bei Evolution Gaming auf den in der Online-Casino-Branche stark wachsenden Live-Spiele-Anteil. Realistische Games, die Teile aus der Offline-Welt mit denjenigen der Online-Welt kombinieren, werden immer gefragter. Spieler ziehen es vor, beispielsweise Blackjack und Baccarat mit echten Dealern im Web zu spielen, statt komplett anonym und mit einem automatisierten Dealer ihrem Hobby nachzugehen.

 

Dennoch, und das lässt sich an dieser Stelle auch festhalten, hat sich die sich in Deutschland abzeichnende Liberalisierung des Marktes bisher nicht signifikant auf die Entwicklung der genannten Aktien ausgewirkt. Das lässt sich u.a. damit begründen, dass Deutschland zwar sowohl für die Casino-Betreiber, als auch für die Softwarehersteller ein interessanter Markt ist, allerdings sich die meisten Abnehmer für Gambling-Software im EU-Ausland befinden. Außerdem ist Deutschland nicht der primäre Markt bzw. die wichtigste Zielgruppe.

 

Untermauern tun dies die Statistiken. So lagen laut einer vom Statista Research Department Anfang 2020 veröffentlichten Studie die weltweiten Bruttospielerträge im Online-Glücksspielmarkt im Jahr 2017 bereits bei 42 Milliarden Euro. Für die Zukunft ist mit weiter steigenden Erträgen zu rechnen, da Online Casinos im Vergleich zu herkömmlichen Spielbanken einfach zu viele, nicht zu leugnende Vorteile wie eine breite Spielauswahl, ein üppiges Bonus-Angebot und einen enorm hohen Komfort zu bieten haben.

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Geschäftsführer
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Rainer Brosy (B.Eng.) betreibt eigene Finanz- und Energieportale und gehört zum Team verschiedener ICO`s.

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