US-Präsidentschaftswahl: Trumps Kampf um die Wiederwahl verstärkt Verunsicherung an den Märkten

Nachrichtenquelle: DAS INVESTMENT
27.07.2020, 10:00  |  385   |   |   
Im Kampf um eine zweite Amtszeit als US-Präsident rollt Donald Trump nun den Handelskonflikt mit China wieder auf und drängt auf eine wohl verfrühte Wiedereröffnung der US-Wirtschaft. Diese Wahlkampfstrategie könnte Anlegern schlecht bekommen, sagt Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International.
Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International

Die schwere Rezession, die von der Covid-19-Pandemie verursacht wurde, hat US-Präsident Donald Trump einen Strich durch die Rechnung gemacht: Ursprünglich sollte die starke Konjunktur seinen Wahlkampf beflügeln. Jetzt, da die Wirtschaft am Boden liegt, schmelzen seine Chancen auf die Wiederwahl dahin.
Nur ein US-Präsident wurde je wiedergewählt, wenn es in den 24 Monaten vor dem Wahltag eine Rezession gab, und das war 1924. Wenn die Präsidentschaft an die Demokraten geht, ist es zudem wahrscheinlicher, dass auch der Senat mehrheitlich demokratisch wird, wodurch die heutige Oppositionspartei die Kontrolle über die Legislative und die Exekutive hätte.



Umso verbissener dürfte Trump nun um seine Wiederwahl kämpfen. Doch die Rezession ist nicht die einzige Hürde. Die Pandemie ist noch lange nicht bezwungen, 130.000 Amerikaner sind offiziell schon an Covid-19 gestorben. Hinzu kommt die Anti-Rassismus-Bewegung, die in diesem Jahr allem Anschein nach einen Kipppunkt erreicht hat und die Trump klar als Gegner sieht.
Der so unternehmensfreundlich gestimmte Trump könnte nun zum Problem für die Märkte werden. Denn je enger es für Trump wird, desto unberechenbarer wird sein Verhalten, und die Märkte hassen Überraschungen.
Seit ich im März über die Auswirkungen der Pandemie auf die US-Präsidentschaftswahlen geschrieben habe, hat sich viel verändert. Inzwischen ist klar, dass der Demokrat Joe Biden gegen Trump antreten wird. Er ist für die Märkte das kleinere Übel im Vergleich zu den ausgeschiedenen Kandidaten Bernie Sanders oder Elizabeth Warren, von denen radikale Eingriffe in die Wirtschaft zu erwarten gewesen wären.
Außerdem ist seitdem klar geworden, dass die USA – eines der reichsten Länder der Welt – bisher daran gescheitert sind, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen. Um seine Wiederwahl dennoch zu sichern, wird Trump meiner Einschätzung nach eine zweigleisige Strategie fahren. Zum einen wird er versuchen, die Aufmerksamkeit der Wähler von Pandemie und Protesten auf China zu lenken, seinem Sündenbock für Covid-19. Und er wird um jeden Preis versuchen, die Wirtschaft bis zur Wahl im November wieder in Gang zu bringen.
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