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Smart Investor Weekly 35/2010 Vom Protektionismus – und seinen Folgen

Gastautor: Ralf Flierl
31.08.2010, 18:18  |  1636   |   |   
Während immer noch über die Globalisierung als solche und offene Märkte als Wohlstandmehrer philosophiert wird, praktizieren die einzelnen Staaten mehr und mehr den Protektionismus.

USA, China, Frankreich…
…und die Reihe ließe sich beliebig fortsetzten. Sei es der US-Präsident Obama, der die Bürger seines Landes auffordert, sie sollen nur noch amerikanische Produkte kaufen („Buy America“) und sich zeitgleich am liebsten wegen Autoreifen, Hühnchenfleisch und Stahlträgern in einen Handelskrieg mit China stürzen wollen würde. Oder der zähe Widerstand der Franzosen ihre Märkte (Eisenbahn, Energie, Elektronik) der europäischen Konkurrenz zu öffnen oder die von den Chinesen nach wie vor meisterlich praktizierte Methode Ausländer nur zu ihren Konditionen ins Land zu lassen und entsprechend mehr daran zu verdienen. Schutzzölle, Strafzölle, Subventionen, Gesetzesbestimmungen, Import- und Exportbeschränkungen – alles Werkzeuge mittels derer alle Staaten dieser Welt glauben ihre heimische Wirtschaft schützen zu müssen. Dass aber all diese Regierungen am Ende mit ihren Versuchen der heimischen Wirtschaft Vorteile zu verschaffen denjenigen ganz massive Nachteile bescheren, zu dessen Wohl sie einmal ins Amt gewählt wurden, interessiert von den Regierenden eigentlich niemanden.

Bürger zahlen die Zeche
Denn am Ende sind es die Bürger eines jeweiligen Landes, welche für diesen vermeintlichen Schutz tief in die Tasche greifen müssen. Entweder weil mittels ihrer Steuern die Subventionen finanziert werden, dank derer die heimischen Wirtschaftbetriebe der Konkurrenz enteilen sollen. Oder weil die heimischen Anbieter nun eine quasi Monopolstellung inne haben und sie diese leidlich ausnutzen, sprich die Preise dramatisch erhöhen oder auch nur, weil natürlich jeder Importeur die zu entrichtenden Schutz- bzw. Strafzölle eins zu eins auf seine Waren- und Verkaufspreise umschlägt. Natürlich fragen Sie sich jetzt, was das denn alles soll: Jedes Kind weiß doch das Protektionismus schlecht ist, aber Politiker wollen eben wieder gewählt werden und deshalb müssen sie ein bisschen protektionistisch sein. Nun, zunächst ist ein bisschen Protektionismus nicht möglich und der einmal eingeschlagene Weg nur schwer zu verlassen. Die dem Protektionismus innewohnende Logik verlangt immer mehr „Schutz“ bis am Ende die heimische Wirtschaft nahezu komplett abgeschottet ist und aufgrund von Unflexibilität, mangelnder Innovation und vor allem völlig überteuerten Preisen kollabiert. Dann ist Protektionismus eines der klassischen Merkmale des Crack-up-Booms (CuB). Es ist neben der Druckerpresse eine Methode dem Volk (sehr kurzfristig) höheren Wohlstand vorzugaukeln, während tatsächlich die Wirtschaft zusammenbricht. Und schließlich darf nicht vergessen werden, dass gerade Volkswirtschaften, die sehr auf den Export ausgerichtet sind (wie beispielsweise Deutschland), von protektionistischen Maßnahmen besonders hart getroffen werden.

Märkte
Vielleicht ist auch dies ein Grund, weshalb sich die Märkte derzeit negativ präsentieren. Im DAX sind die 6.000 Punkt nach wie vor weit entfernt und der DOW ringt mit der 10.000 Punkte-Marke. Zugegebenermaßen sieht derzeit wenig nach Crack-up-Boom aus. Andererseits glauben wir nach wie vor an unser CuB-Szenario. Noch können sich die Bewegungen der letzten Tage als weitere Versuche des Marktes entpuppen, die letzten „schwachen“ Hände abzuschütteln und dann befreit nach oben steigen zu können. Allerdings wollen wir auch nicht leugnen, dass uns mit dem September nun der vermeintlich schlechteste Börsenmonat bevorsteht. Sollte der DAX unter die 5.800 Punkte rutschen und dort auch über einen längeren Zeitraum (mehr als 2 Tage) verbleiben, dann gehen den Bullen langsam, aber sicher die Argumente aus.



…und Gold?
Während den Aktienmärkten mit dem September ein traditioneller schlechter Monat bevorsteht, verhält es sich beim Gold anderes herum. Hier gilt der September als der stärkste Monat. Da Gold bereist den Sommer über erstaunlich robust gewesen ist und nur kurz unter 1.200 gefallen ist, scheint der Boden bereitet, um in den kommenden Monaten zu neunen Hochs aufzusteigen. Die Charts sehen gut aus, denn trotz des Anstieges der vergangenen Wochen sind die meisten Indikatoren noch nicht im überkauften Bereich. Eine kleine Verschnaufpause an dem derzeitigen Allzeithoch von 1.260 USD würde dem Metall und der künftigen Kursentwicklung aber dennoch gut tun.



Musterdepot
Angesichts dessen, dass die Märkte technisch betrachtet nach wie vor sehr unsicher aussehen und das finale Signal für den CuB fehlt, bleibt unser Stopp-Loss für das Dax-Long-Hebel-Zertifikat (WKN: GS8YFB) bestehen. Wir belassen ihn bei 5.800 Punkten auf Tagesschlusskursbasis (gültig ab dem morgigen Mittwoch, den 1.09.2010). Dies entspricht ungefähr einem Preis von rund 5,40 EUR. Ansonsten bleibt im Musterdepot alles beim Alten. Wir tätigen weder Zu- noch Verkäufe und warten die Entwicklung weiterhin ab. Da wir vor allem breit gestreute, mittlere und kleine Werte in unserem Musterdepot liegen haben, sollten wir nicht so stark in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn die Märkte weiter schwächer tendieren.

Hinweis in eigener Sache
Am 1./2. Oktober 2010 findet der große Kongress zur Österreichischen Schule (Veranstalter: GO AHEAD! business summit '10) unter Mitwirkung von Smart Investor in Wien statt. Als Abonnent von SI können Sie zu einem vergünstigten Vorzugspreis teilnehmen. Alle wichtigen Infos dazu finden Sie hier: www.go-ahead.at/go-ahead-business-summit

Der neue Smart Investor ist da!
Seit Samstag können Sie den neuen Smart Investor lesen. Schwerpunktthema ist diesmal „Clean Energy“. Wie man vom Trend zu mehr Energieeffizienz, intelligenten Netzen und besseren Energiespeichern profitieren kann erfahren Sie hier. Daneben haben wir das Thema „Seltenen Erden“ genauer unter die Lupe genommen, um zu erfahren was wirklich dran ist an dem Hype um diese vermeintlich seltenen Rohstoffe. Wenn Sie sich darüber hinaus noch dafür interessieren, welche Perlen sich im Bereich Microcaps finden lassen und wie Broker und Vermögensverwalter im CuB ab schneiden dürften, dann holen Sie sich doch hier Ihr Probeabo!

Fazit
Wir bleiben vorerst bei unserem Szenario und gehen zunächst davon aus, dass sich der CuB durchsetzen wird. Allerdings sind wir auch nicht starrsinnig oder stur. Wenn sich die Situation ändert, dann sind wir auch bereit unsere Position zu ändern.

Fabian Grummes

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.

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