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Jeder siebte Bürger ist auf Lebensmittelkarten angewiesen

Gastautor: Heiko Schrang
02.09.2010, 17:05  |  667   |   |   
Während in Deutschland helle Aufregung herrscht bei Politikern, Prominenten und den etablierten Medien über das neue Buch und den darin enthaltenen Aussagen von Thilo Sarrazin, treten essentielle Wirtschaftsmeldungen in den Hintergrund.

Diese wiederum beeinflussen maßgeblich die Stabilität der Währung, wovon jeder Einzelne betroffen ist. Jedem Börseninteressierten müsste die alte Weisheit bekannt sein: Wenn Amerika einen Schnupfen hat, dann hat Deutschland eine Grippe. Diese Weisheit gilt nach wie vor. Deswegen ist es wichtig auf das Epizentrum der Finanz- und Wirtschaftskrise – die USA – zu schauen.

Laut der Zeitung „USA Today“ hat sich die Zahl der Arbeitslosen in den letzten drei Jahren vervierfacht. Sie berichtet von 10.000.000 Arbeitslosen. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 9%. Sie schreibt weiter, dass der Niedergang der ehemaligen Wirtschaftsmacht kaum noch aufzuhalten ist und nennt dramatische Zahlen, wie z.B., dass mehr als 40 Millionen US-Bürger von Sozialleistungen abhängig sind. „USA Today“ zufolge ist jeder siebte US-Bürger auf Lebensmittelkarten angewiesen, um überleben zu können, und täglich werden es mehr. Das sind derzeitig 50% mehr als noch zu Beginn der Rezession im Dezember 2007.

Matthias Eberle (Korrespondent in New York für das Handelsblatt) meint dazu, dass die weltgrößte Wirtschaft nie zu einer nachhaltigen Erholung kommen wird, solange die USA Krisen allein mit frisch gedruckten Dollar-Scheinen bekämpfen und dabei horrende Defizite einfahren wird. „Eine nachhaltig gesunde Volkswirtschaft produziert, sie hat ihre Handelsbilanz im Griff und baut Vermögenswerte auf. Die USA indes konsumieren, importieren und können vor Schulden bald kaum mehr laufen.“ Er regt im Handelsblatt dazu an, dass es höchste Zeit ist, dass diese Wahrheiten unters Volk gebracht werden sollen. Wenn wir uns jetzt den Euroraum anschauen, in dem der Aufschwung angeblich begonnen hat, sollte das Ergebnis einer aktuellen Reuters-Umfrage unter 60 Volkswirten zu denken geben, die ein Schwächeln der US-Wirtschaft als das größte Risiko für eine nachhaltige Erholung im Währungsraum darstellen. Sie sehen die Euro-Krise als Dauerbrenner auf Jahre. Daran sehen wir immer noch die Kausalität zwischen den USA und Europa.

Das Jahr 2010 wird wohl in die Geschichte als das eingehen, in dem die eisernen Stabilitätsgrundsätze für den Euro weg schmelzen wie Butter in der Sonne. Durch diverse Regelbrüche wurde in Windeseile aus der Stabilitäts- eine Haftungsunion, die sich zur Finanzierung der Staatsfinanzen nach dem Vorbild der FED gerne die Notenpresse auf Dauerbetrieb stellt. Euro-Stabilitätskriterien, wie z.B. das Neuverschuldungskriterium von 3 %, scheinen schon lange nicht mehr zu gelten.

Aber was ist von Politikern zu erwarten, die selbst die Zustimmung von 95% der Bürger zu Thilo Sarrazins Thesen, laut diversen Umfragen (n-tv, SAT1 (Videotext S. 182), n24), ignorieren. Denn die Regierenden wissen insgeheim, dass sie Massenarbeitslosigkeit, Inflation sowie den Systemkollaps nur noch verzögern und nicht aufhalten können. Deswegen ist der Sarrazin-Rummel wieder nur eine neue Runde in der Ablenkung von den wirklich wichtigen Themen.

Beste Grüße

Heiko Schrang

www.fid-berlin.de

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