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Sollten die neuen Chips von Xiaomi Qualcomm Sorgen bereiten?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
09.03.2017, 16:00  |  1068   |   |   

Der Mobilchiphersteller Qualcomm (WKN:883121) und der chinesische Smartphone-Riese Xiaomi werden oft als enge Partner bezeichnet. Qualcomm war einer der ersten, die 2011 in Xiaomi investiert haben und heute greifen alle Xiaomi-Verkaufsschlager auf Qualcomm-Chips zurück. Als behördliche Schwierigkeiten in China Qualcomm veranlasst haben, Lizenzbestimmungen mit OEM-Herstellern neu zu verhandeln, war Xiaomi eines der ersten Unternehmen, die mit dem Qualcomm einen neuen Deal abgeschlossen haben.

Jedoch wurde die Allianz der Zwei mit der Zeit immer schwächer. Xiaomi begann, für seine günstigeren Geräte vermehrt auf Chips von MediaTek (WKN:764514) zurückzugreifen. Und Gerüchten zufolge entwickelte Xiaomi sogar seine eigenen Chips. Diese Gerüchte wurden Ende Februar endlich bestätigt, als Xiaomi den Surge S1 Chip für sein neues Mittelklasse Mi 5c Smartphone vorgestellt hat.

 XIAOMIS MI 5C. Bildquelle: XIAOMI.

Der Surge S1 ist ein 28nm Chip mit acht Kernen, wobei vier mit 2,2 GHz und die anderen vier mit 1,4 GHz laufen. Der Mali T-860 MP4 Grafikprozessor des Unternehmens ist in der Lage, 4k-Videos abzuspielen. Der Chip ist technisch etwas besser als Qualcomms Snapdragon 625, ein beliebter Octa-Core-Prozessor, der für Mittelklasse-Geräte wie für die internationale Version von Xiaomis Mi Note 4 eingesetzt wird. Der S1 wurde von der Xiaomi-Tochter Pinecone Electronics in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Chiphersteller Leadcore hergestellt.

Warum Xiaomi seine eigenen Chips herstellen musste

Im Jahr 2014 stieg Xiaomi zum größten Smartphone-Hersteller Chinas auf. Aber schon Ende 2016 fiel das Unternehmen hinter OppoHuaweiVivo, und Apple (WKN:865985) auf den fünften Platz zurück. Dieser Abstieg erfolgte, nachdem Konkurrenten massenweise den Markt mit preislich vergleichbaren Smartphones betraten. Zudem wandelten sich Verbraucherpräferenzen hin zu teureren Geräten und der chinesische Smartphone-Markt schwächte ab.

Letzten November hat Xiaomi zugegeben, dass sein Kern-Smartphone-Geschäft nicht mehr profitable ist. Im Januar hat das Unternehmen aufgehört, jährliche Absatzzahlen zu veröffentlichen und unerwartet angekündigt, dass es nicht am diesjährigen Mobile World Congress teilnehmen wird. Diese Maßnahmen deuteten allesamt darauf hin, dass das Unternehmen damit kämpfte, sich im dichten chinesischen Markt über Wasser zu halten.

Jedoch hat Xiaomi auch erkannt, dass es in die Fußstapfen von Apple, Huawei, und Samsung (WKN:881823) treten und selbst ARM-Chips herstellen kann. Die Herstellung von Chips zu beginnen, ist eine teure Investition, aber langfristig eine kluge Entscheidung, da sie Xiaomis Abhängigkeit von Chipherstellern wie Qualcomm senkt, Herstellungskosten reduziert, die Lieferkette strafft und dem Unternehmen volle Kontrolle über seine Soft- und Hardware gibt. So kann Xiaomi seine Chips eigens auf sein eigenes MIUI-Android-Betriebssystem anpassen.

XIAOMI'S MI Luftreiniger. Bildquelle: XIAOMI.

IDC-Analyst Bryan Ma hob hervor, dass Xiaomis eigene Chips abgesehen von der Senkung der Herstellungskosten und einer erhöhten Leistungsfähigkeit auch für eine erhöhte Kompatibilität mit Smart-Home-Geräten sorgen. Dazu zählen bereits Luftreiniger, Personenwaagen, Lampen und sogar Reiskocher. Xiaomi könnte seine eigenen Chips auch dazu verwenden, um das Verbot von MediaTek-Chips in Indien zu umgehen, das aufgrund eines Patentstreits mit Ericcson erhoben wurde.

Was dies für Qualcomm bedeutet

Dass Xiaomi jetzt seine eigenen Chips herstellt, sind für Qualcomm sicherlich keine guten Nachrichten, aber es gibt keine Anzeichen darauf, dass Xiaomi jetzt gänzlich damit aufhört, Qualcomm-Chips zu verwenden. Das Mi 5c repräsentiert lediglich die Budget-Version seiner Mi-5-Produktreihe, die das Mi5, Mi 5S und Mi 5S Plus miteinschließt. Alle drei Mi-5-Geräte laufen mit Qualcomm-Chips.

Der Surge S1 könnte also eher MediaTek, das Xiaomi mit Chips für seine Geräte im unteren und mittleren Preisbereich ausrüstet, schaden — und weniger Qualcomm. Wenn der Surge S1 Xiaomis offizieller Chipsatz für Mittelklasse-Geräte wird, könnte der chinesische Smartphone-Bauer aufhören, MediaTek-Chips zu verwenden, Qualcomm-Chip werden aber weiterhin in den Oberklasse-Geräten des Unternehmens zum Einsatz kommen.

Qualcomms Snapdragon könnte seine Bedeutung für Mittelklasse-Geräte wie dem Mi Note 4 verlieren, aber der Gesamteffekt auf das Chip-Geschäft bleibt wohl minimal. Xiaomis globaler Marktanteil liegt IDC-Schätzungen zufolge unter 5 % und könnte nun, wo Oppo, Huawei und Vivo neue Geräte auf den Markt bringen, weiter fallen. Da einige Geräte von Oppo, Huawei und Vivo Qualcomm-Chips verwenden, könnten höhere Verkaufsmengen bei diesen führenden Marken jegliche bei Xiaomi anfallende Verluste ohne Mühe ausgleichen.

Sollten Qualcomm-Aktionäre also beunruhigt sein?

Hätte Xiaomi alle Qualcomm-Chips mit seinen eigenen ersetzt, nachdem es 2014 den Surge S1 vorgestellt hat, gäbe es Grund zur Besorgnis. Aber Xiaomi zielt lediglich darauf ab, seine neuen Chips für Geräte des mittleren Marktsegments einzusetzen und jegliche Verluste von Xiaomi könnten vermutlich mit höheren Absatzzahlen anderer Android-Rivalen ausgeglichen werden.

Deshalb sollten Investoren Xiaomis Ankündigung nicht als großen Rückschlag für Qualcomm werten. Nichtsdestotrotz ist der allgemeine Trend etwas besorgniserregend, da er andeutet, dass Qualcomms Chip-Geschäft, das im vergangenen Quartal im Vergleich zur Vorjahresperiode unveränderte Wachstumszahlen verzeichnete, vermutlich in absehbarer Zeit weitere Marktanteile an First-Party-Produzenten verlieren wird.

Ist Qualcomm es wert zu kaufen?

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The Motley Fool hält und empfiehlt Apple und Qualcomm. The Motley Fool hält folgende Optionen: Long Januar 2018 $90 Calls auf Apple und Short Januar 2018 $95 Calls auf Apple.  

Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und am 6.3.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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