Wiedereinstieg bei Surgical Science – Turnaround nach
Q2-Delle?
Nachdem ich mir die letzten Quartalszahlen und die allgemeine
Gemengelage genau angesehen habe, habe ich mich entschieden,
wieder bei Surgical Science einzusteigen (auch weil mir der
strategische Partner Intuitive Surgical zu teuer ist). Ich hatte
nach den Q2-Zahlen erst einmal abgewartet, aber eine
tiefergehende Analyse, die ich mir von der KI habe erstellen
lassen, hat mich überzeugt, dass die langfristige Story intakter
denn je ist und jetzt ein guter Zeitpunkt sein könnte. Hier meine
Gedanken dazu (gerne melden, wenn ihr hier irgendwas
herbeihalluziniertes findet):
1. Die Q2-Delle & die wahren Treiber
Klar, der Q2-Bericht war auf den ersten Blick enttäuschend. Ein
Umsatzrückgang von 2 % und ein negatives Betriebsergebnis sehen
nicht gut aus. Aber der Teufel steckt im Detail:
- Auftragsstau: Der Auftragsbestand ist im
zweiten Quartal um satte 30 Mio. SEK gewachsen. Das sind keine
verlorenen, sondern nur verschobene Umsätze, die in Q3 gebucht
werden. Das deutet auf eine hohe Nachfrage hin, die nur durch
Timing-Effekte und makroökonomische Unsicherheiten (z.B. in den
USA) verzögert wurde.
- Währungseffekte: Das negative Ergebnis
wurde maßgeblich durch Währungseffekte in Höhe von fast 25 Mio.
SEK verursacht. Das operative Geschäft ist also deutlich
gesünder, als die Headline-Zahl vermuten lässt.
Schaut man auf das erste Halbjahr, sieht das Bild mit einem
Umsatzplus von 15 % schon wieder ganz anders aus. Q1 war mit 33 %
Wachstum sogar extrem stark.
2. Der Intuitive Surgical-Hebel – Der schlafende Riese wacht auf
Das ist für mich der Kern des Investments. Die Partnerschaft mit
Intuitive ist jetzt in einer neuen, extrem lukrativen Phase:
- Der da Vinci 5-Deal: Es ist bestätigt,
dass jedes einzelne verkaufte da Vinci 5-System mit der
Simulationssoftware von Surgical Science ausgestattet wird. Das
ist keine Option mehr, sondern Standard!
- Abo-Modell: Der Übergang zu einem
abonnementbasierten Modell schafft wiederkehrende, hochmargige
und planbare Umsätze. Das ist der Traum für jedes
Software-Unternehmen.
- Intuitive liefert: Intuitive Surgical
übertrifft mit den Verkaufszahlen des da Vinci 5 alle
Erwartungen. Jeder dieser Roboter ist eine Lizenzgebühr für
Surgical Science. Wir hängen direkt am Tropf des Marktführers in
einem boomenden Sektor.
3. Der neue, unberechenbare Kurstreiber: TraumaVR und der
Verteidigungssektor
Ein Aspekt, den ich vorher unterschätzt hatte, ist das Potenzial
im Verteidigungssektor. Der 52-Mio.-SEK-Auftrag von einem
Verteidigungsministerium aus Südostasien für das TraumaVR-System
ist ein echter Weckruf. In einer Zeit, in der Europa massiv
aufrüstet, ist die moderne Ausbildung von Sanitätern und
Notfallmedizinern ein riesiges Thema. TraumaVR positioniert
Surgical Science perfekt, um von diesem Trend zu profitieren –
ein völlig neuer, potenziell riesiger Markt, der in der aktuellen
Bewertung kaum eingepreist sein dürfte.
4. Die Risiken – Nicht alles ist rosig
Man muss fair bleiben, es gibt Risiken:
- Währungsrisiken haben das Q2-Ergebnis
verhagelt und bleiben eine Unbekannte.
- US-Zollpolitik: Zusätzliche Zölle sind ein
Kostenfaktor, auch wenn das Management versucht, diese über
Preiserhöhungen weiterzugeben.
- Abhängigkeit von Intuitive: Läuft es bei
Intuitive mal nicht, spürt das auch Surgical Science.
5. Blick nach vorn: Das Tenbagger-Potenzial nach Peter Lynch
Warum bin ich trotz der Risiken wieder dabei? Weil Surgical
Science für mich viele Kriterien eines potenziellen Tenbaggers im
Sinne von Peter Lynch erfüllt:
- Nischenführer: Absoluter Marktführer in
der medizinischen Simulation.
- Starker Burggraben: Über 25 Jahre
Entwicklungs-Know-how und tiefe Kundenbeziehungen (insb. zu
Intuitive) sind schwer zu kopieren.
- Skalierbares Geschäftsmodell: Hoher Anteil
an hochmargigen Software-Lizenzen.
- Wachstumsmarkt: Die robotergestützte
Chirurgie steht erst am Anfang.
- Solide Finanzen: Das Unternehmen ist quasi
schuldenfrei und hat eine hohe Eigenkapitalquote.
Das aktuelle KGV ist hoch, aber für ein Unternehmen mit einem
erwarteten Gewinnwachstum von über 40 % pro Jahr ist das zu kurz
gedacht. Die Story ist langfristig ausgelegt.
Kurioserweise habe ich bei meiner Recherche mit Medistim (ISIN:
NO0010159684) noch einen Kandidaten gefunden, der in Sachen
Qualität und stetigem Wachstum vielleicht sogar noch eine Stufe
höher anzusiedeln ist – aber das ist eine andere Diskussion. 😉
Für den Moment bin ich überzeugt, dass Surgical Science die
Q2-Delle hinter sich lässt und die wahren Treiber – die da Vinci
5-Partnerschaft und neue Märkte wie der Verteidigungssektor – die
Aktie in den kommenden Jahren auf ganz neue Niveaus heben können.
Wie seht ihr die Lage? Überwiegen bei euch die Chancen oder die
Risiken?