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Was bedeuten die aktuellen Zinsängste eigentlich für Dividendenaktien?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
13.03.2018, 08:32  |  435   |   |   

Ein Thema, das die Aktienwelt derzeit in ihrem Bann hält, sind neben den angekündigten US-Strafzöllen die Sorgen um steigende Zinsen. Sofern die Leitbanken sich entscheiden die Zinsen zu erhöhen, könnte dieser Schritt festverzinsliche Anlagen für Anleger wieder attraktiver werden lassen, weshalb eine Kapitalflucht aus Aktien im Bereich des Möglichen liegt.

Doch was würden signifikant steigende Zinserhöhungen eigentlich mit beliebten Dividendenaktien anstellen? Immerhin herrscht in den Köpfen vieler Anleger der nicht ganz unumstrittene Glaube, die Dividende könnte der neue Zins sein. Lass uns versuchen, ein paar Antworten auf diese spannende Frage zu finden..

Von welchen Dividendenaktien reden wir überhaupt

Aber zunächst wollen wir definieren, von welchen Dividendenaktien wir hier überhaupt sprechen. Denn nicht jede Aktie, die eine Dividende ausschüttet, dürfte gemeinhin für Einkommensinvestoren attraktiv sein.

Nein, letztlich zeichnen sich solide Dividendenaktien nämlich dadurch aus, dass sie neben einer attraktiven Dividendenrendite gleichsam über eine solide Ausschüttungskonstanz sowie eine ansprechende Dividendenwachstumsstory verfügen.

Nur unter diesen Prämissen können wir im eigentlichen Sinne von einer Dividendenaktie sprechen, die von Einkommensinvestoren wertgeschätzt wird.

Defensive Dividendenaktien mit niedrigerer Ausschüttung

Vielleicht fällt dir unter diesen Prämissen direkt der eine oder andere defensive, zuverlässige Ausschütter ein. Aufgrund ihrer individuellen, eher unerschütterlichen und unzyklischen Natur bieten diese in der Regel vergleichsweise niedrige Ausschüttungen, da sie wegen ihres defensiven Charakters als risikoärmer gelten. Das macht sie für viele Dividendenjäger auch so besonders anziehend. Denn im Grunde sind solche Kandidaten genau das, was lange verprellte Festgeldanleger in der Regel zuerst anvisieren.

Falls dir nach einem passenden Beispiel für einen solchen Defensivakteur zumute ist, lass uns stellvertretend Nestlé (WKN: A0Q4DC) als Platzhalter für alle Aktien nehmen, auf die so eine Beschreibung zutrifft. Nestlé hat sich nämlich innerhalb der letzten Jahre zu einem sehr soliden, wachsenden und konstanten Dividendenzahler gemausert und zahlt gegenwärtig (09.03.2018) 3,08 % Dividendenrendite. Definitiv eine Rendite, die man in mageren Zinszeiten für attraktiv halten könnte.

Sollten die Leitzinsen allerdings wieder steigen und könnten Investoren daher auf festverzinsliche Guthaben ohne Risiko wieder Zinsen in Höhe von beispielsweise 1-2 % abgreifen, so wirkt diese mit Kursrisiken behaftete Investition in alle zinsersetzenden Nestlés dieser Welt nicht mehr allzu ansprechend.

In der Folge könnten Dividendenjäger von ihren Engagements in solche Nestlés bei einer derartigen Bewertung absehen, da sie für ihre mit Aktien verbundene Risikobereitschaft eine höhere Dividendenrendite fordern. Die Folge? Ein hypothetischer Einbruch bei diesen Aktien, bis sie wieder über ein attraktiveres, dem Risiko angemessenes Ausschüttungsniveau verfügen.

Prinzipiell könnten daher alle defensiven Ausschütter besonders anfällig für steigende Zinsen sein, da hier die Differenz zwischen Zinserträgen und Dividendenerträgen geringerer Natur ist.

Und die zuverlässigen Zahler mit höheren Renditen?

Kommen wir nun jedoch zu den konstanteren Dividendenzahlern mit höheren Renditen. Exemplarisch fallen mir in diesem Kontext die Münchener Rück (WKN: 843002) sowie Royal Dutch Shell (WKN: A0ER6S) ein, die beide über sehr solide Ausschüttungshistorien verfügen und daher tendenziell ebenso in der Gunst vieler Einkommensinvestoren schwelgen, denen ein bisschen mehr Risiko Recht ist.

Im Grunde gelten alle der vorgenannten Aspekte natürlich ebenso für diese – naja, nennen wir es mal Kategorisierung – an Einkommensaktien. Auch bei diesen Aktien wird die Diskrepanz zwischen den möglichen Zinserträgen auf festverzinsliche Produkte und den Dividenden natürlich geringer, was diese Aktien vom Grundsatz her weniger attraktiv werden lassen kann.

Da die Differenz zwischen den Ausschüttungen und den möglichen Zinseinkünften bei höheren Dividendenzahlern jedoch im Vergleich zu den oben genannten defensiven Aktien höher sein dürfte, könnten diese nicht ganz so stark von einer Kapitalflucht betroffen sein. Denn selbst wenn der eine oder andere Investor von diesen Aktien abspringt, ist hier tendenziell die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass es immer noch den einen oder anderen Investor gibt, der sich über die nach wie vor höheren (und bei Kurseinbußen steigenden) Dividendenrenditen im Vergleich zu Zinseinkünften langfristig erfreuen wird.

Unterm Strich…

… haben steigende Zinsen daher definitiv Auswirkungen auf alle soliden Dividendenzahler. Sofern Zinsen im Vergleich zu Dividenden wieder attraktiver werden, wird es mit Sicherheit so manchen Investor geben, der ausschüttende Aktien wieder verlassen wird. Das könnte natürlich zu breiten Kurseinbußen führen.

Das könnte allerdings meiner Meinung nach Einkommensaktien mit niedrigeren Ausschüttungen tendenziell härter treffen als die soliden Zahler mit höheren Dividendenrenditen, da bei ersteren die Diskrepanz zwischen den Zinsen und den Dividendenerträgen wesentlich geringer ist.

Ob sich Investoren aber vor einer solchen Entwicklung fürchten sollten? Das hängt natürlich von deiner individuellen Situation ab. Natürlich können steigende Zinsen für sinkende Kurse sorgen. Aber vielleicht ergibt sich hieraus gerade langfristig auch die eine oder andere interessante Gelegenheit.

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Vincent besitzt Aktien der Münchener Rück und von Royal Dutch Shell (B-Aktien). The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Nestle.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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