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Zunehmende Euro-Skepsis lässt den Bund-Future steigen

Gastautor: Sven Weisenhaus
25.05.2018, 10:15  |  1397   |   |   

Der Euro hat es derzeit wahrlich nicht leicht. Denn es lastet gleich aus mehreren Gründen Druck auf der Gemeinschaftswährung. Bereits am 16. Mai lautete der Titel der Börse-Intern „Schwaches Wachstum, schwache Inflation, schwacher Euro“. Und die gestern gemeldeten Einkaufsmanagerindizes vom IHS Markit-Institut deuten nicht darauf hin, dass sich an dieser „Gleichung“ auf absehbare Zeit etwas ändern könnte. Denn danach hat sich die Stimmung in den Unternehmen des Euroraums erneut eingetrübt.

Stimmung immer weniger euphorisch

Der vorläufige Wert für den Gesamteinkaufsmanagerindex (also Industrie und Dienstleistungen zusammen = Composite) ist im Mai um 1,0 auf 54,1 Punkte zurückgegangen. Das ist der schwächste Wert seit 18 Monaten. Allerdings notiert der Frühindikator auch damit noch komfortabel oberhalb der Schwelle von 50 Punkten, ab der zukünftiges Wachstum signalisiert wird.

IHS Markit-Einkaufsmanagerindex der Gesamtwirtschaft in der Eurozone im Vergleich zum BIP
(Quelle: DekaBank)

Die Stimmung hat sich also weiter eingetrübt, sie ist aber keineswegs schlecht, sondern lediglich weniger euphorisch. Und die Eurozone bleibt auf Wachstumskurs, wenn auch mit reduziertem Tempo. Laut Chris Williamson, dem Chief Business Economist von IHS Markit, signalisieren die aktuellen Umfrageergebnisse, „dass die Eurozone im 2. Quartal 2018 weiter mit einer ausgesprochen soliden Rate von knapp über 0,4 % wächst“.

EZB könnte den besten Ausstiegszeitpunkt verpasst haben

Zur Erinnerung: Im 1. Quartal war das BIP-Wachstum auf 0,4 % zurückgegangen, von jeweils 0,7 % in den drei Quartalen davor. Und mit den aktuellen Daten verdichten sich die Anzeichen, dass die im 1. Quartal 2018 beobachtete Verlangsamung der BIP-Dynamik in der Eurozone nicht nur auf Sondereffekte zurückzuführen war, sondern Teil einer allgemeinen konjunkturellen Abkühlung ist.

Und vor dem Hintergrund einer nachlassenden Konjunkturdynamik bei gleichzeitig anhaltend zu niedriger (Kern)-Inflation dürfte der Europäische Zentralbank (EZB) ein Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik immer schwerer fallen. Vielleicht hat sie den besten Zeitpunkt dafür bereits verpasst. Und die Aussicht auf vielleicht noch länger anhaltend niedrige Zinsen ist natürlich Gift für den Euro.

Zusätzliche Störfeuer aus Italien

Zumal neben den Themen Wachstum und Inflation aktuell auch noch politische Störfeuer aus Italien hinzukommen. Die Wahlversprechen, die sich aus dem Regierungsprogramm der Koalition aus 5-Sterne-Bewegung und Lega herauslesen lassen, bergen eine Menge Konfliktpotenzial für den Zusammenhalt und die Stabilität der EU und der Eurozone. Die wieder zunehmende Angst vor einem zweiten Griechenland lässt den Euro zusätzlich schwächeln.

Das diese Angst wächst, lässt sich aktuell nicht nur am Euro-Kurs ablesen, sondern auch an den jüngsten Ausschlägen der Peripheriespreads am Markt für Staatsanleihen. Ende April markierte der Spread zwischen italienischen und deutschen Anleihen mit 10-jähriger Laufzeit noch ein Zweijahrestief bei 114 Basispunkten. Seitdem weitete sich der Risikoaufschlag um 62 auf aktuell 176 Basispunkte aus.

Bund-Future steuert wieder seine Hochs an

Dabei sind nicht nur die Renditen der italienischen Anleihen gestiegen, sondern durch eine Flucht in sichere Häfen haben sich auch die Zinsen für deutsche Anleihen reduziert. Der Bund-Future nähert sich sogar schon wieder seinen Hochpunkten.

Bund-Future - Chartanalyse

Anfang dieser Woche wurde eine wichtige Abwärtstrendlinie (rot gestrichelt im Chart) überwunden (grüner Pfeil) und die 160-Punkte-Marke (blaue horizontale Linie) erneut angesteuert. Damit fehlt nun nicht mehr viel bis zu den Höchstständen.

Politische Börsen haben kurze Beine

Politische Börsen haben allerdings kurze Beine. Und ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass die EZB ihr Anleihekaufprogramm im aktuellen Umfang von monatlich 30 Mrd. Euro über den September hinaus fortsetzen wird. Zwar ist eine Verlängerung zumindest bis zum Jahresende denkbar, und sie wird auch vom Markt erwartet, allerdings dann nur noch in einem Umfang von 10 Mrd. Euro pro Monat.

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