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Marktkommentar: Stuart Canning (M&G): Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und Schwellenländerwährungen
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Marktkommentar Stuart Canning (M&G): Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und Schwellenländerwährungen

Nachrichtenquelle: Asset Standard
05.06.2018, 10:10  |  874   |   |   

Ab wann sollten wir uns über Schwellenländerwährungen Sorgen machen?

Erinnern Sie sich an die „Fragilen Fünf“? Es handelte sich dabei um fünf Schwellenländerwährungen, die in der Phase der „Drosselungswut“ im Jahr 2013 als besonders anfällig für das Zurückführen des Quantitative Easing der US-Zentralbank angesehen wurden.

In letzter Zeit konnte man beobachten, dass diese Ängste erneut aufflammten, was durch die aktuelle Stärke des US-Dollar gegenüber den meisten wichtigen Währungen weltweit ausgelöst wurde.

Grafik: Fünf geraten in Schwierigkeiten


Einige der ursprünglichen Fünf sind heute weniger fragil als es früher der Fall war, dennoch sind in Teilen der aufstrebenden Welt durchaus reale Belastungen zu spüren, insbesondere in der Türkei (Abbildung 1) und in Argentinien (Abbildung 2).


Grafik: Wie kann es sein, dass der argentinische Peso untergegangen ist


Die außenwirtschaftlichen Schwachstellen dieser Volkswirtschaften, die die Märkte derzeit anzutreiben scheinen, existieren interessanterweise bereits seit vielen Jahren, und die kurzfristigen Zinsen in den USA steigen seit 2015 an. Was ist der Grund dafür, dass Anleger diesen Risiken in manchen Phasen Bedeutung beimessen und in anderen nicht? Weshalb kommen die jüngsten Probleme in Argentinien (Claudia ging vor zwei Wochen darauf ein) für Anleger scheinbar überraschend?

Es ist verlockend, dieses Marktverhalten schlichtweg als ein weiteres Beispiel für Trägheit, Gier und Selbstgefälligkeit abzutun (hier ist noch einmal zu lesen, was wir im Jahr 2016 über argentinische US-Dollar-Anleihen schrieben), dies wäre jedoch allzu einfach. Verhaltensbezogene Einflüsse spielen zwar eine Rolle, dies gilt jedoch auch für die echten Merkmale dieser Risikoarten. Anleger müssen sich im Klaren darüber sein, was davon dominiert, wenn sie Chancen identifizieren wollen.

Türkei und Argentinien: Über lange Zeiträume sind die Fundamentaldaten wichtig…

In der oben abgebildeten Grafik der Währungen der „Fragilen Fünf“ sticht die deutlich ausgeprägte Schwäche der türkischen Lira gegenüber den anderen vier Währungen am stärksten hervor. Dies ist insofern verständlich, als dass sich die Fundamentaldaten in der Türkei seit 2013 verschlechtert haben, während sich die anderen jeweils verbesserten.

Ersichtlich ist das anhand der Entwicklung in der Leistungsbilanzposition. Man macht es sich oft zu leicht, wenn man sich ausschließlich das Defizit als Indikator für Schwachstellen anschaut (in manchen Wirtschaftslagen kann es durchaus günstig erscheinen), aber in diesem Fall hat die daraus gewonnene Erkenntnis tatsächlich Gültigkeit (Abbildung 3).

Indem man Argentinien der Länderliste hinzufügt, können wir darüber hinaus erkennen, wie die jüngsten Probleme entstanden sind.


Grafik: Leistungsbilanz zum BIP für die Electric Six


In dieser Hinsicht haben die Entwicklungen der Märkte keine verhaltensbezogene Komponente. Aus wirtschaftlicher Perspektive ist eine Anpassung der Währung zur Korrektur des Ungleichgewichts notwendig. Für Investoren bedeutet das ein real erhöhtes Risiko, das eine zusätzliche Kompensation erforderlich macht. Die letztendliche Destination einer Währung wird üblicherweise im Einklang mit der Entwicklung der zugrundeliegenden Fundamentaldaten stehen.

… aber die Risiken sind relativ und binär

Mit Blick auf diese außenwirtschaftlichen Schwachstellen gibt es jedoch eine weitere Herausforderung für Anleger: Risiken sind relativ, und sie können durchaus binäre Merkmale aufweisen.

Relativ sind sie aus dem Grund, dass – im Asset Pricing jedenfalls – die Leistungsbilanz manchmal eine Rolle spielt und manchmal nicht. Wenn wir uns beispielsweise die jüngsten Schwächephasen von Schwellenländerwährungen anschauen, spielte die Leistungsbilanz am Wendepunkt von US-Zinsen und dem DXY Dollar Index (exemplarisch für die allgemeine Stärke des US-Dollars) eine Rolle, aber nicht in anderen Phasen.


Grafik: Jüngste Schwächephasen von Schwellenländerwährungen


Was noch schlimmer ist: Wenn die Leistungsbilanz eine Rolle spielt, kann das Ergebnis richtig schlecht ausfallen (daher „binär“). Zahlungsbilanzkrisen können eine ähnliche Dynamik wie ein „Banken-Run“ aufweisen: Sie werden von der Stimmung der Anleger getrieben, sie können sich selbst bewahrheiten und sie können in den Ruin führen.

Anhand einer Reihe von Kennzahlen kann man quantitative Beurteilungen darüber herleiten, wie anfällig ein Land für Kapitalabflüsse ist. Fokussiert man sich jedoch zu obsessiv auf Veränderungen dieser Daten, sieht man unter Umständen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wie im Falle eines Banken-Runs sind auch Zahlungsbilanzkrisen (im Gegensatz zur einfachen Zahlungsunfähigkeit von Dollar-Verbindlichkeiten) mit Blick auf den zeitlichen Ablauf größtenteils unvorhersehbar, und manche ereignen sich nie.

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