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Tesla Autopapst Dudenhöffer: „Musk muss jetzt liefern – selbst Toyota ist im Wettrennen um Elektroautos aufgewacht“

28.08.2018, 10:36  |  11823   |   |   

Wie geht es für Tesla nach den Chaos-Manövern von Elon Musk weiter? Die wallstreet:online-Redaktion hat den Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer, Professor am CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen, exklusiv interviewt:

wallstreet:online: Wie schätzen Sie Musks Rückzieher ein, Tesla doch nicht von der Börse zu nehmen?

Ferdinand Dudenhöffer: Es ist ein bisschen Realismus bei Elon Musk eingekehrt. In Summe hat er mit seinem Verwirr-Spiel viel unnötigen Schaden angerichtet und seine Eignung als Spitzenmanager in Frage gestellt.     

wallstreet:online: Inwieweit wird der E-Auto-Bauer durch das Börsen-Hin-und-Her von Musk in den letzten Wochen belastet?

Ferdinand Dudenhöffer: Das Unternehmen ist seit einiger Zeit in einer schwierigen Situation: Zu hohe Ziele, Zeitpläne, die nicht eingehalten werden, zu hohe Verluste, zu viel Kreativität bei seinem Chef Elon Musk. In so einer Gemengelage sind zusätzliche, wenig basierte Spielchen mit Delistings sehr gefährlich. Ohne Not bürden sie dem Unternehmen das hohe Risiko von Rechtsstreitigkeiten auf, die in hohen Entschädigungszahlungen für Aktionäre enden können. Musk hat viel Vertrauen verspielt. Ein Unternehmen, dessen CEO sich wenig rational verhält und in der New York Times über seinen Gesundheitszustand plaudert, steigert nicht gerade die Stabilität der Firma. Vielleicht hätte es mehr Sinn gemacht über die Herauslösung von "Solar City" nachzudenken statt Delisting Träume zu Tesla in die Welt zu setzen.   

wallstreet:online: Was müsste jetzt geschehen, damit Tesla wieder in die Spur kommt?

Ferdinand Dudenhöffer: Tesla muß sich zu 100% auf die Aufgabe konzentrieren, die Model 3 Produktion zu stabilisieren und alle Investitionen, die in den nächsten 12 Monaten nicht notwendig sind, auf Eis legen. Es geht darum, im zweiten Halbjahr Gewinne zu erwirtschaften. Die Zukunft von Tesla liegt weder auf dem Mars noch beim Semi-Truck noch bei anderen Bilderbuch-Innovationen. Die Zukunft von Tesla sind die Gewinne in den nächsten Monaten. Vielleicht wäre es sinnvoll, dass Musk ein Sabbatical einlegt und einem COO die Schlüssel für einige Zeit übergibt.

wallstreet:online: Welche Autobauer werden Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren den Markt für E-Autos beherrschen?

Ferdinand Dudenhöffer: Alle rüsten sich für das Wettrennen um das Elektroauto: Die deutschen Autokonzerne BMW, Daimler, VW, die Chinesen mit Great Wall, WM, Byton und Geely-Volvo, die Amerikaner mit GM an der Spitze, die Engländer mit JaguarLandrover, die Franzosen mit Nissan-Renault und PSA. Ja selbst Toyota ist im letzten halben Jahr „aufgewacht“. Von daher muß Musk jetzt liefern, sonst könnte es zu spät werden. Zum Bottleneck drohen dabei Batteriezellen werden. Die Kapazitäten werden zwar hochgefahren, aber auch das geht nicht über Nacht und schafft in der Zwischenzeit für die Zellhersteller gute Margen und für die klassischen Zulieferer wie Bosch oder Conti den Verlust wichtiger Umsatzanteile.

wallstreet:online: Herr Dudenhöffer, vielen Dank für das Gespräch!

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