DAX-0,31 % EUR/USD-0,09 % Gold+0,08 % Öl (Brent)+1,46 %

Finanzmärkte Italiens Brandstifter: Populisten-Politik vernichtet immer mehr Euro-Werte

02.10.2018, 12:13  |  3668   |   |   

Italiens Populisten übertreffen sich zurzeit mit Anti-EU-Zitaten. Darauf reagierte die Mailänder Börse mit sinkenden Kursen, die Anleihen-Renditen steigen und der Euro kommt unter Druck.

Die neueste Provokation aus dem italienischen Populisten-Lager sind Gedankenspiele von Claudio Borghi, Wirtschaftsexperte der rechten Lega: "Ich bin ehrlich überzeugt davon, dass Italien die meisten seiner Probleme lösen würde, wenn es eine eigene Währung hätte", sagte Borghi laut "Reuters". Borghi sitzt dem Haushaltsausschuss des Unterhauses vor.

Beim Eurogruppen-Treffen in Luxemburg waren die Haushaltspläne der neuen Regierung in Rom am Montag auf Ablehnung gestoßen. Die Budgetziele hätten Fragen und Sorgen ausgelöst, sagte Eurogruppen-Chef Mario Centeno. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mahnte: "Wir müssen mit Italien strikt und fair umgehen, um eine weitere Krise zu vermeiden".

Die Quittung für die halbstarken Anti-EU-Sprüche bekommen Italiens Populisten an ihrer Mailänder Börse. Investoren wollen zurzeit vor allem Bank-Aktien loswerden. Der Index der italienischen Banken (FTSE Italia Banche) sackte im frühen Handel um 2,8 Prozent auf 8.735 Zähler ab. Der Leitindex FTSE gab um 1,4 Prozent auf 20.320 Punkte nach.

Ebenfalls gaben die Kurse der italienischen Staatsanleihen heute nach. Die Rendite der fünfjährigen italienischen Staatsanleihen erreichte mit 2,62 Prozent einen Zwei-Monats-Höchststand. Zeitweise bei 3,38 Prozent notierte die Rendite der zehnjährigen Staatsbonds - Tendenz weiter steigend.

Börsenbeobachter verbinden auch die aktuelle Schwäche der europäischen Gemeinschaftswährung mit der Angst vor einer neuen Schuldenkrise in der Euro-Zone. Der Euro verbilligte sich zeitweise um 0,3 Prozent auf 1,1539 US-Dollar und ging auf ein 3-Wochen-Tief. "Die Fiskalpolitik Italiens könnte, sollte sie so expansiv bleiben wie ganz offensichtlich geplant, vom Markt mittelfristig als untragbar bewertet werden", so Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. "In diesem Fall würde sie sich als ein dauerhafter und deutlicher Belastungsfaktor für den Euro entpuppen", so Praefcke.

Quelle:

Reuters

Seite 1 von 2
Wertpapier
EUR/USDFTSE MIB


4 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

Was man nicht vergessen sollte: NICHT DIE 'POPULISTEN' haben Italien in diese Lage versetzt ! Die durchgeknallten 'Sozialingenieure' in Brüssel und in den Hauptstädten West-Europas haben dieses zu verantworten !
Mitnichten. Momentan puffern wirtschaftlich starke Staaten wie Deutschland und Frankreich mit ihrer Bonität die Auswirkungen der italienischen Aussagen. Wäre Italien mit einer Lira unterwegs, würden solche Schuldeneskapaden mit Sicherheit deutlich stärker zu Buche schlagen und die Renditen wären nicht um die 3% leicht erhöht, sondern vielleicht bei 6-10% massiv steigend. Das italienische BIP wächst zwar seit ca. vier Jahren mit um die 1% p.a., jedoch reicht das nicht aus, um überhaupt an eine sinnvolle SchuldenREDUKTION zu denken, wenn man solche Haushalte verabschiedet. Die Populisten nutzen nur eine Schwäche des EUR-Systems aus, in dem die starken Länder für die schwachen Finanzierungskosten niedrig halten und daher zum Schuldenmachen einladen. Eine sinnvolle, gemeinsame EU-Haushaltspolitik ist noch weit entfernt - die EU ist hier weitgehend ein zahnloser Papiertiger, der sich nicht einmal traut, gegen eine solche Vorlage wie aus Italien vorzugehen. Man braucht Italien ja noch wegen der Flüchtlinge im Mittelmeer... Manchmal denke ich, sollte man die EU-Mitgliedschaft für manche Länder für ein Jahr oder so suspendieren, um wirklich zu zeigen, was an Subventionen, Handelsvorteilen und Währungsstabilität dadurch gewonnen wird. Auch UK wird sich noch wundern, falls es wirklich einen Brexit geben sollte... Die EU ist ein großer Binnenmarkt, der bisher Wechselkurse zum USD von 0,83 bis 1,62 überlebt hat... das schafft ein einzelnes Land nur schwer ohne massive Auswirkungen auf die Wirtschaft und die privaten Konsumenten.
Näh,also ein Austritt,würde den Euro nun ganz bestimmt nicht retten,ich glaube,wir sind uns doch eher einig,dass dies dann wohl das Ende wäre!
In wie fern,sich nun das Ende noch verzögern ließe,oder meinetwegen wieder auf Kosten Deutschlands verschleppen,das,ist die bleibende Frage,weil bei einer exzessiven Fortsetzung dieser Politik irgendwann die Waagschale eher zur Kosten-Seite pendelt,als dass eine Fortsetzung wirtschaftlich sinnvoll erscheint.
"Ich bin ehrlich überzeugt davon, dass Italien die meisten seiner Probleme lösen würde, wenn es eine eigene Währung hätte"

Ja, da hat Borghi natürlich recht und jeder Volkswirt incl. Herrn Prof. Hans-Werner Sinn (der das schon mehrfach ausführlich erklärt hat) wissen das auch. Das würde nicht nur Italien, sondern auch die EU bzw. den Euro retten.

Aber Journalisten sind dumm und verwechseln sehr gerne Ursache und Wirkung! Auch, was den Populismus betrifft.

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel