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Marktkommentar: Dr. Daniel Hartmann (BANTLEON): Politisches Tohuwabohu und schwache Konjunktur beuteln Finanzmärkte
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Marktkommentar Dr. Daniel Hartmann (BANTLEON): Politisches Tohuwabohu und schwache Konjunktur beuteln Finanzmärkte

Nachrichtenquelle: Asset Standard
21.11.2018, 11:35  |  463   |   |   

Mit Blick voraus ist weiterhin Vorsicht an den Finanzmärkten geboten.

Ganz unabhängig von den politischen Ränkespielen ist der globale Konjunkturtrend weiterhin abwärtsgerichtet. Der Finanzinvestor sollte daher nach wie vor Vorsicht walten lassen.

Die politischen Krisenherde beherrschen nach wie vor die Schlagzeilen an den Finanzmärkten. Hoffnungsschimmer werden dabei in regelmässigen Abständen von neuen Tiefschlägen abgelöst. Für das grösste Wechselbad der Gefühle sorgten zuletzt zweifellos die Brexitverhandlungen. Auch wenn nunmehr ein Austrittsvertrag vorliegt, ist das Rennen um den Brexit nach wie vor völlig offen: ein ungeordneter Austritt ist genauswenig ausgeschlossen wie ein zweites Referendum.

Seit Wochen ist es immer die gleiche Leier: Brexit, Italien und der Handelsstreit beherrschen die Schlagzeilen an den Finanzmärkten. Hoffnungsschimmer werden dabei in stetiger Regelmässigkeit von neuen Tiefschlägen abgelöst. Die vergangenen Tage waren dafür beispielhaft. So sah es im Konflikt zwischen China und den USA zunächst nach Tauwetter aus – sogar die Möglichkeit eines Abkommens zwischen beiden Ländern wurde ins Spiel gebracht. Dann trat der Streit im Rahmen des APEC-Gipfels jedoch erneut offen zu Tage. Chinas Staatschef Xi Jinping und US-Vizepräsident Mike Pence beschimpften sich aufs Heftigste. Letzterer drohte erneut mit zusätzlichen Strafzöllen.

Auch im europäischen Budgetstreit gab es Anfang November Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Die Attacken aus Italien gegen Brüssel ebbten ab. Im Endeffekt liess die Regierung jedoch die jüngste Frist zur Anpassung des Haushaltsplans nahezu ohne Zugeständnisse verstreichen. Die Einleitung eines Defizitverfahrens gegen Italien ist damit nicht mehr aufzuhalten. 

Für das grösste Wechselbad der Gefühle sorgten aber zweifellos die Brexitverhandlungen. Am vergangenen Dienstagabend wurde zunächst der Durchbruch gefeiert – beide Seiten hatten sich endlich auf einen Austrittsvertrag geeinigt. Schon bald wurde indes klar, dass Theresa May die eigenen Reihen nur mit Mühe unter Kontrolle halten konnte. Es dauerte nicht lange bis erste Minister zurücktraten und einige Tory-Abgeordnete sogar offen gegen die eigene Parteichefin rebellierten. Ob das Abkommen im britischen Unterhaus ratifiziert wird, ist fraglicher denn je.

Stimmen Labour und die kleinen Parteien geschlossen gegen den Vertrag, was sie angekündigt haben, reichen wenige Abweichler bei den Konservativen aus, um das Ganze zum Scheitern zu bringen. Mithin scheint ein Sieg von May im Unterhaus aus aktueller Sicht fast unmöglich. Dennoch könnte ihr in letzter Minute etwas zu Hilfe kommen: Zu ihrem Plan gibt es bislang keine echte Alternative und ihre Gegner sind vollkommen zerstritten.

Die Brexit-Befürworter müssen befürchten, dass auf die Ablehnung des Vertrags Neuwahlen folgen, die den Weg für ein zweites Referendum ebnen. In diesem Fall könnte der Brexit noch ganz abgeblassen werden. Ist dann nicht doch ein Spatz in der Hand (Mays »soft Brexit«) besser als die Taube auf dem Dach? Nicht auszuschliessen ist aber auch, dass nach Neuwahlen die Blockade im Unterhaus anhält und Grossbritannien ohne Vertrag ausscheidet. Dies dürfte wiederum den Brexit-Gegnern nicht gefallen, denn dann würde jegliche Bindung an die EU verloren gehen. Das Fazit lautet somit: Das Rennen ist nach wie vor völlig offen. Von der Annahme des Austrittsvertrags, Neuwahlen, Nachverhandlungen, einem ungeordneten Brexit bis zu einem zweiten Referendum ist alles möglich.

Angesichts dieser Irrungen und Wirrungen schauen wir lieber auf den aktuellen Konjunkturtrend und dieser ist aus unserer Sicht auch ohne die politischen Turbulenzen abwärtsgerichtet. Ein Belastungsfaktor stellt unter anderem die Geldpolitik dar, die weltweit den Stimulus zurückfährt. Daneben verlieren die expansiven Impulse der US-Steuerreform an Kraft und China setzt den Entschuldungsprozess fort, was dort das Expansionstempo dämpft.

Mit Blick voraus ist daher nach unserem Dafürhalten weiterhin Vorsicht an den Finanzmärkten geboten. Sichere Häfen sollten übergewichtet und das Pulver zum Engagement in Risikoassets noch trocken gehalten werden.



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