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Kubicki über Gewaltandrohung im Bundestag Was ist dran an der Geschichte von der "Fast-Keilerei"?

Gastautor: Rainer Zitelmann
30.12.2018, 13:42  |  3240   |   |   

Die "Rheinische Post" veröffentlichte am 29. Dezember ein Doppelinterview mit den beiden Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, Wolfgang Kubicki (FDP) und Claudia Roth (Grüne). Insbesondere eine Äußerung von Kubicki wurde von Agenturen aufgegriffen und zahlreiche andere Medien berichteten von einer "Fast-Keilerei" im Bundestag.

Das hatte Kubicki gesagt: "Ich stelle wie Claudia Roth fest, dass es inzwischen Verhaltensweisen gibt, die mit normalen Umgangsformen im Parlament nichts mehr zu tun haben. Ein Drittel der AfD-Fraktion, das überwiegend in den hinteren Reihen sitzt und vorwiegend aus ostdeutschen Bundesländern kommt, ist nicht nur verbal aggressiv. Einmal stand es im Bundestag sogar kurz vor einer kleinen Keilerei, weil deren Zwischenrufe unerträglich waren."

Kein Journalist fragt nach
Eigenartigerweise fragte kein Journalist nach, was denn genau geschehen sei. Was genau bedeutet Kubickis Aussage, es habe "kurz vor einer kleinen Keilerei" gestanden? Das kann nur bedeuten: Eine Keilerei gab es nicht, aber ein Abgeordneter hat einem anderen Schläge angedroht. Gab es diesen Vorfall? Wann hat er sich ereignet und wer war daran beteiligt? Skepsis ist angebracht, denn man muss sich ja fragen: Warum hat kein Medium darüber berichtet? Wurde die Gewaltandrohung, von der Kubicki berichtet, von ihm oder einem anderen Bundestags(vize)präsidenten formell gerügt? Das hätte doch geschehen müssen, sobald eine Gewaltandrohung bekannt wurde.

Und vor allem: Wer hat wem Schläge angedroht? Auch diese Frage stellte weder der Journalist der Rheinischen Post noch jene Journalisten, die den Bericht aufgriffen. Die Berichterstattung in mehreren Medien erzeugt den Eindruck, die Gewaltandrohung sei von der AfD ausgegangen. Aber ist Kubickis Äußerung vielleicht ganz anders zu interpretieren? Er sagte ja, es sei fast zu einer Keilerei gekommen, "weil" Zwischenrufe von AfD-Abgeordneten "unerträglich" waren. Dies könnte zu dem Schluss führen, dass der oder diejenige Abgeordnete, dem/der diese Äußerungen aus den Reihen der AfD unerträglich erschienen sind, einem oder mehreren AfD-Abgeordneten Schläge angedroht haben. War das so? Oder ist Kubickis Geschichte am Ende frei erfunden? Warum fragte kein Journalist nach?

Es geht noch weiter: Kubicki nimmt den Vorfall ja als Beleg dafür, dass ein Drittel der AfD-Abgeordneten "nicht nur verbal aggressiv" sei. Was genau soll dies heißen? Auch hier fragte kein Journalist nach. Wenn jemand "nicht nur verbal aggressiv" ist, dann heißt dies doch, dass er körperliche Gewalt ausgeübt hat, denn alles andere ist ja verbale Aggressivität. Übt jeder dritte AfD-Abgeordnete im Bundestag Gewalt aus?

Schäuble meldet sich zu Wort
Angesichts dieser Äußerungen sah sich jetzt sogar der Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble veranlasst, öffentlich im Rahmen eines ZDF-Interviews Stellung zu nehmen. DIE WELT berichtete am 30. Dezember unter der Überschrift: "Ich habe bisher keine Schlägereien erlebt. Ich würde das nicht so dramatisieren": "Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat in der schärfer gewordenen Auseinandersetzung mit der AfD im Bundestag vor Alarmismus gewarnt. Im ZDF-Winterinterview machte der CDU-Politiker deutlich, dass er keinen allzu rauen Umgangston im Parlament erkennen könne. 'Ich habe bisher keine Schlägereien erlebt. Ich würde das auch im Vergleich zu anderen Parlamenten nicht so dramatisieren', sagte Schäuble."

Kubickis Gewaltphantasien
In der ZEIT erklärte Kubicki kürzlich: Manchmal treffe er auf Menschen, mit denen er es kaum aushalte, in einem Raum zu sein, da sie ihn aggressiv machten: "Anton Hofreiter von den Grünen. Er könnte mich zu Dingen verleiten, die ich eigentlich nicht will: ihm eine knallen zum Beispiel", so Kubicki. Hofreiter, so Kubicki, sei "ein Mensch, der meine Aggressionsschwelle drastisch senkt. Da ich das aber nicht will, vermeide ich es, dass wir zusammen in einem Raum sind."

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Kommentare

Schaut man sich das Gesicht von Kubicki an,ist es konturenlos, es sieht gerötet aus ,voller geplatzter Äderchen,woher kommt das wohl?Er sollte nach Brüssel gehen,da kann er damit auch Karriere machen.
"Nachtigall ich hör dir trapsen". Also ohne ein ausgebildeter Therapeut zu sein würde ich vermuten, dass in aller erster Linie Herr Kubicki offensichtlich Probleme hat seine Contenance zu bewahren und seine Aggressionen unter Kontrolle zu halten. Dass er dabei denkt, viele andere hätten dies auch ist aus psychologischer Sicht eigentlich nichts Ungewöhnliches. Er äußert sich ja schon öffentlich, wen er warum am liebsten eine knallen würde. Legen Sie sich doch auf die Couch, Herr Kubicki, und erzählen uns etwas mehr darüber, was Sie so auf die Palme bringt. Vielleicht sollte man Herrn Kubicki auch aus therapeutischen Zwecken im Bundestag bewusst zwischen Herrn Hofreiter und jenen besagten Herrn der Alternative für Deutschland setzen - Konfrontationstherapie sozusagen.

Und wie so oft projizieren Menschen manchmal ihr Innerstes oder ihre eignen Probleme auf ihre Umwelt. Vielleicht sollte er sich auch vertrauensvoll an einen Therapeuten seiner Wahl wenden, das könnte helfen.
Damit dürfte er vermutlich aber leider nicht der Einzige im Bundestag sein, dem dies meines Erachtens nach guttun würde.
Was das Drehen im Wind angelangt, kann man dem Vorredner nur zustimmen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Herr Lindner offen für einen Untersuchungsausschuss plädiert hat. Nie wieder was davon gehört. Aber andere als Populisten bezeichnen, ich liebe es.....
"Nachtigall ich hör dir trapsen". Also ohne ein ausgebildeter Therapeut zu sein würde ich vermuten, dass in aller erster Linie Herr Kubicki offensichtlich Probleme hat seine Contenance zu bewahren und seine Aggressionen unter Kontrolle zu halten. Dass er dabei denkt, viele andere hätten dies auch ist aus psychologischer Sicht eigentlich nichts Ungewöhnliches. Er äußert sich ja schon öffentlich, wen er warum am liebsten eine knallen würde. Legen Sie sich doch auf die Couch, Herr Kubicki, und erzählen uns etwas mehr darüber, was Sie so auf die Palme bringt. Vielleicht sollte man Herrn Kubicki auch aus therapeutischen Zwecken im Bundestag bewusst zwischen Herrn Hofreiter und jenen besagten Herrn der Alternative für Deutschland setzen - Konfrontationstherapie sozusagen.

Und wie so oft projizieren Menschen manchmal ihr Innerstes oder ihre eignen Probleme auf ihre Umwelt. Vielleicht sollte er sich auch vertrauensvoll an einen Therapeuten seiner Wahl wenden, das könnte helfen.
Damit dürfte er vermutlich aber leider nicht der Einzige im Bundestag sein, dem dies meines Erachtens nach guttun würde.
Was das Drehen im Wind angelangt, kann man dem Vorredner nur zustimmen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Herr Lindner offen für einen Untersuchungsausschuss plädiert hat. Nie wieder was davon gehört. Aber andere als Populisten bezeichnen, ich liebe es.....
Über Kubicki wundere ich mich immer wieder. Aber wegen ihm habe ich nicht die FDP verlassen. Die Partei dreht sich wie eine Fahne im Wind. Über das Verhalten von Roth muss man sich nicht wundern, über diese Dame kann man sich nur fremdschämen. Es wäre sinnvoller wenn Kubicki mal darüber reflektieren würde warum die Altparteien ganz krumme Touren gegen die AFD fahren und z.B. Mariana Harder-Kühnel ohne konkreten Grund die Vizepräsidentschaft verweigern. Was hat die Frau der FDP/SPD eigentlich angetan? Ich halte Sie für 1000 mal normaler und demokratischer als die vorgenannte grüne Katastrophenfrau, die niemals anständig gearbeitet hat, keinen richtigen Beruf erlernt hat und nur durch schrille Töne auf sich aufmerksam macht. Harder Kühnel dagegen ist eine absolut seriöse Juristin, drei Kinder, Demokratin der Mitte. Ob man das über Kubicki auch so sagen kann?

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