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Kames Capital: Korrektur ja, aber kein Abschwung

Gastautor: w:o Gastbeitrag
08.01.2019, 08:00  |  330   |   |   

Rund um den Globus fallen die Börsen, die Kursverluste tun vielen Anlegern weh. Immer mehr Auguren beschwören eine bevorstehende Rezession. Wir sind zwar noch nicht aus dem Gröbsten heraus, doch sehen wir keinen Abschwung.  

2018 war ein schlechtes Jahr. 89 Prozent der Assets, die wir beobachten, hatten negative Renditen. Die Aktienmärkte sind zwischen fünf und zehn Prozent gefallen, während Bonds zwischen ein und vier Prozent an Wert verloren haben. Das ist sehr ungewöhnlich. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr warfen sämtliche von uns beobachtete Anlagen positive Erträge ab. Da fallende Renditen mit steigenden Kursen einhergehen, konnten Anleger 2017 sowohl mit Aktien, als auch mit Anleihen hohe Renditen erzielen. Die Entwicklung in diesem Jahr weckt Zweifel an der Fortsetzung dieses langjährigen Gleichlaufs von Aktien- und Anleihekursen, auch wenn unklar bleibt, ob dieser Trend sein Ende tatsächlich erreicht hat.

Wie geht es nun weiter? Es wäre sicherlich die falsche Lösung, zum jetzigen Zeitpunkt im großen Stil zu verkaufen. Da 2018 schlecht, 2017 aber gut lief, dürfte die Lage 2019 aller Voraussicht nach wieder besser werden, zumal die Anleger im Zuge der gestiegenen Renditen wieder für die eingegangenen Risiken entlohnt werden –was zuvor nicht der Fall war. Es gibt einige günstig bewertete Anlagechancen im Fixed Income-Bereich, zum Beispiel amerikanische High Yields. In Europa hingegen favorisieren wir Deutschland angesichts der Probleme in Italien und Großbritannien als sicheren Hafen. Grundsätzlich wird es im kommenden Jahr eine breitere Streuung zwischen Gewinnern und Verlierern geben.

Noch keine restriktive Zinspolitik

Gleichwohl, die Signale der Märkte sind unmissverständlich: Höhere Ölpreise und eine Ausweitung der Credit Spreads deuten auf ein langsameres Wachstum im kommenden Jahr hin. Das sind sicherlich nicht die besten Voraussetzungen für steigende Aktien. Sollte die US-Notenbank Fed auch weiterhin nicht auf externe Faktoren achten und die Zinsen weiter erhöht, wird der Gegenwind noch stärker. Eine Rezession ist aber selbst für diesen Fall wenig wahrscheinlich, doch eine Verlangsamung des Wachstums auf zwei bis 2,5 Prozent – im Gegensatz zum Spitzenquartal des US-Bruttoinlandsprodukts von vier Prozent.

Als Warnsignal für einen bevorstehenden Abschwung gilt die sich abflachende Renditekurve in den USA, zumindest, wenn man sich an den vergangenen hundert Jahren orientiert. Mit diesem sehr deterministischen Szenario ist jedoch nicht zwangsläufig zu rechnen. Zwar hob die US-Notenbank die Zinsen über einen Zeitraum von drei Jahre acht Mal um 0,25 Prozent an. Doch das ist die langsamste Steigerung, die es je gegeben hat. Wir sind noch weit von einer restriktiven Geldpolitik entfernt. Zudem beschäftigt sich die Fed intensiv damit, zu hinterfragen, was eine inverse Zinsstrukturkurve für die Erwartungen und die wirtschaftliche Realität bedeuten könnte. Mit Blick auf die jahrelange außergewöhnliche Politik der Zentralbanken wird die sich anbahnende Inversion der Renditekurven wohl zu keiner nennenswerten Abkühlung der Wirtschaft führen. Zudem hat es die Fed in der Hand, ob wir es zu einem Soft Landing oder Hard Landing kommen wird. 

Bessere Chancen im US-Dollar

Der US-Dollar ist ein bewährtes Barometer für das Asset-Risiko. Steigt er weiter, deutet das auf ein Risk-off-Umfeld hin, in dem sich Anleger von ihren Beständen trennen. Das haben wir in den vergangenen sechs Wochen deutlich gesehen. Im Zuge plötzlich einsetzender Unsicherheiten dreht die Stimmung an den Märken im Risk-off-Modus ins Negative. Das wird erst einmal so weitergehen, wir sind noch nicht aus dem Gröbsten heraus.

Eine Rendite von vier bis 4,5 Prozent bei Investment-Grade-Anleihen erscheint im kommenden Jahr auf Dollarbasis möglich, abgesichert im Euro rund zwei Prozent. Mit Blick auf den Aufbau unseres Kredit-Portfolios gehen wir bewusst risikoavers und konservativ vor. Denn wir wollen die Kredit- und Zinsrisiken berücksichtigen, um den Wertpapierbestand gegen den nächsten Wechsel im Konjunkturzyklus wetterfest zu machen. So fühlen uns in den entwickelten Ländern wohler und sind nicht in den Emerging Markets engagiert. Per Ende November entfielen rund 25 Prozent der Anlagesumme auf Anleihen mit einem A bis AAA-Ratings sowie 53 Prozent auf BBB-Papiere. Der regionale Schwerpunkt liegt mit 37 Prozent auf den USA, da in Europa mit stärkerem Gegenwind zu rechnen ist, wenn die Europäische Zentralbank den Fuß vom Gas nimmt.

Autor: Adrian Hull, Co-Head of Fixed Income bei Kames Capital



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