Die Pirouette der Fed

Gastautor: Klaus Singer
24.03.2019, 12:07  |  2034   |   |   

Die Fed vollzog auf ihrer jüngsten FOMC-Sitzung einen scharfen Schwenk. Noch im Dezember ging die Mehrheit der Mitglieder von bis zu drei Zinsschritten in 2019 aus, jetzt erwartet die Mehrheit keine Zinsanhebung im laufenden Jahr mehr. Der Leitzins (federal funds rate) bleibt damit in einer Spanne zwischen 2,25 und 2,50%. In 2020 könnte es vielleicht einen Zinsschritt geben. Oder auch nicht…


Außerdem wird das Vorhaben der Bilanzverkürzung, von dem es noch im Dezember hieß, es sei auf „Autopilot“, nun ab Mai bei den Staatsanleihen auf monatlich 15 Mrd. Dollar reduziert und soll im September beendet werden. Damit gibt die Fed ihren Plan auf, die Geldpolitik wieder zu normalisieren. Die Bilanz der Fed war in einer von 2008 bis 2016 anhaltenden gigantischen Misallokation von Kapital durch Anleihekäufe bis auf rund 4,5 Bill. Dollar angewachsen. Mittlerweile liegt der Wert unter vier Bill. Dollar und wird ab Oktober bei gut 3,5 Bill. Dollar seine Schrumpfkur beenden. (Wenn nichts dazwischen kommt)

Im Dezember war bei der Fed noch von einer US-Wirtschaft in einer soliden Verfassung die Rede, jetzt senkten die Währungshüter ihre BIP-Prognose für 2019 von 2,3% auf 2,1% Wachstum, in 2010 soll der Zuwachs dann nur noch 1,9% (zuvor 2,0%) betragen. Die Inflationserwartungen wurden ebenfalls leicht nach unten revidiert. Auch bei der Arbeitslosenquote zeigt man sich nun weniger optimistisch.

Die am zurückliegenden Freitag veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes bestätigen die Sichtweise einer sich deutlich abschwächenden Weltkonjunktur. Diese „Flash-PMIs“ für März sind für die USA, aber auch für die Eurozone und erst recht für Deutschland deutlich gesunken.

Der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie kommt mit 44,7 Punkten auf ein 79-Monats-Tief gesunken und fällt gegenüber Februar um nochmals 2,9 Punkte. Damit befindet sich die deutsche Industrie in einer ausgewachsenen Rezession. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte deutsche Wirtschaft kommt im März, hoch gehalten durch einen soliden Servicesektor, auf 51,5 Punkte. Ein Wert oberhalb von 50 Punkten signalisiert Expansion, aber das Wachstum war im März so gering wie seit Anfang 2014 nicht mehr. Da das Neugeschäft in der Industrie im März so stark kontrahierte wie seit April 2009 nicht, ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung noch anhält. Damit ist es nur eine Frage der Zeit, wann dieser Indikator für die wirtschaftliche Gesamtentwicklung in den kontraktiven Bereich sinkt.

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