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Wirecard: Endlich der Befreiungsschlag?

Gastautor: Holger Steffen
24.04.2019, 07:35  |  1620   |   |   

Am ersten Handelstag nach Ostern stand die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard unter besonderer Beobachtung. Denn vor dem langen Oster-Wochenende hatte die Finanzaufsicht BaFin das zweimonatige Leerverkaufs-Verbot für die Aktie aufgehoben. Entsprechend gespannt waren die Marktteilnehmer, ob nun gleich wieder die Shortseller angreifen würden.

Zumindest anfänglich sah es fast danach aus. Denn die Wirecard-Aktie ging am gestrigen Vormittag erst einmal kräftig in die Knie. Um mehr als 8 % betrug das größte Minus des Handelstages, was schon die Sorgen nährte, dass hier tatsächlich wieder größere Leerverkäufe stattfinden. Umso überraschender war es dann, dass im Laufe des Handelstages das Minus immer geringer wurde und die Aktie letztlich dann sogar mit einem ordentlichen Plus von rund 2,8 % als zweitbester Wert im DAX aus dem Handel ging.

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Das alles könnte auf den ersten Blick erst einmal nur eine Randnotiz sein. Wenn nicht nach dem offiziellen Börsenschluss eine Nachricht hereinplatzte, die das Potenzial für eine Rally hat. Denn die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete, dass der japanische Technologiekonzern Softbank, der bekanntlich auch sehr groß im Geschäft mit Technologieinvestitionen ist, über einen Einstieg bei Wirecard nachdenken soll.

Die Rede ist von rund 5 % als Anfang. Ob das stimmt, bleibt ungewiss. Denn Softbank-Vertreter sollen erst einmal jeden Kommentar abgelehnt haben. Dennoch würde es uns nicht wundern. Denn bislang hat Wirecard einerseits eine sehr hohe Wachstumsdynamik präsentieren können, andererseits durch die bekannten Vorwürfe gut die Hälfte seiner Marktkapitalisierung verloren. Für langfristig orientierte Investoren in neue Technologien geradezu ein Schnäppchen, wenn sich alle Vorwürfe mehr oder weniger in Luft auflösen würden.

Dass ausgerechnet jetzt solch ein Einstieg des Technologiegiganten Softbank kolportiert wird, würde natürlich auch zum zweiten Termin in dieser Woche passen - der Bilanzvorlage von Wirecard für das zurückliegende Jahr. Dieser Termin war bekanntlich verschoben worden, weil Wirecard die Ergebnisse der Untersuchung zu den vorgeworfenen Bilanzunregelmäßigkeiten einarbeiten wollte. Am Donnerstag sollen nun die Zahlen präsentiert werden und am Markt erwartet man natürlich erstens ein starkes Ergebnis und zweitens eine klare Stellungnahme, wie noch letzte Zweifel am Geschäftsgebaren von Wirecard ausgeräumt werden sollen.

An dieser Stelle wird es nun spannend. Denn jetzt wird sich zeigen müssen, wer die besseren Nerven hat, die Long- oder die Short-Seite. Sollte die Spekulation mit Softbank in kurzer Frist verifiziert werden können, wäre das natürlich eine deutliche Belastung für die Leerverkaufspositionen und es könnte nicht einmal ausgeschlossen werden, dass es zu einem sogenannten Short Squeeze kommt, wenn also viele Leerverkäufer auf einmal ihre Positionen räumen und der Kurs nach oben schießt.

Vorerst gilt: Aus charttechnischer Sicht liegt der nächste große Widerstand bei der 100-Tage-Linie bei derzeit rund 125 Euro und dann folgt die Widerstandszone um 133 Euro. Würde Wirecard diese beiden Niveaus überwinden können, könnte die Rally einen weiteren Schub erhalten. Vorgegriffen werden sollte dem zwar nicht, aber unsere bisherige Halten-Empfehlung sehen wir als bestätigt an.

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