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Warnsignale aus dem Finanzmarkt Klimarisiken: Wachsende Bedrohung für das Finanzsystem

19.09.2019, 13:42  |  12413   |   |   

Klimarisiken bedrohen die Bonität von Banken und Versicherern, warnen immer mehr etablierte Ratingagenturen. So schätzen Banken- und Branchen-Experten klimawandelbezogene Risiken für die Finanzindustrie ein.

Bastian Grudde, ESG-Analyst bei Union Investment, erklärte gegenüber wallstreet:online: „Banken sind über ihre Kreditvergabe mittelbar Klimarisiken ausgesetzt. Die Steuerung von Klimarisiken ist daher für die Stabilität des Finanzmarkts wichtig. Banken sollten deshalb Klimarisiken strukturiert identifizieren, bewerten und überwachen. Nur so kann eine effektive Steuerung dieser Risiken erreicht werden. Immer mehr Banken haben das schon verstanden und die Finanzierung CO2-intensiver Geschäfte unter klare Regeln gestellt.“

Ähnlich sieht dies auch Dirk Jäger, Geschäftsführer Bankenaufsicht, Bilanzierung beim Bundesverband deutscher Banken. Gegenüber wallstreet:online sagte er: „Banken als Kapitalgeber von Unternehmen, deren Wirtschaftstätigkeit direkt oder indirekt von Klimawandel betroffen sind, stehen vor der Aufgabe, diese zu bewerten. Die Bewertung dieser Risiken ist aber nicht vollkommen neu, sondern Teil der Bewertung der üblichen Bankrisiken, wie z.B. Ausfallrisiken oder Operationelle Risiken. Natürlich müssen sich Banken nun stärker damit auseinandersetzen, inwieweit veränderte Umweltbedingungen angemessen im Risikomanagement und bei der Kreditvergabe zu berücksichtigen sind (...).“

Ralph Malisch, Redakteur von Smart Investor, sieht den Begriff Klimarisiko etwas kritischer. Gegenüber wallstreet:online erklärte er: „Der neu eingeführte Begriff des Klimarisikos ist differenziert zu betrachten: Zum einen beschreibt er altbekannte physische Risiken, die bereits heute unter Begriffen wie Elementarschaden und Sturm versicherbar sind. Gegebenenfalls wird die Versicherungswirtschaft den aktuellen Hype für Prämienerhöhungen oder für das Angebot spezieller „Klimaversicherungen“ zu nutzen versuchen. Neu ist dagegen das Ausmaß des Politikrisikos, das sich nicht nur in Form von Kampagnen und Klagewellen verschiedenster, teils dubioser Akteure manifestiert. Dazu kommen zunehmend aktionistische und schlecht durchdachte Klimaschutzgesetze und Steuererhöhungen, die für einzelne Branchen durchaus existenzgefährdend sein können, ohne dass damit irgendeine nachweisbare Wirkung auf das Klima verbunden wäre.“

Auch immer mehr etablierte Ratingagenturen warnen vor Klimarisiken für den Banken- und Finanzsektor. Insbesondere Klimaschäden bedrohten die Bonität von Versicherern. Brandan Holmes, Senior Credit Officer bei Moody's, erklärte im Juli gegenüber der Financial Times: „Wir sehen, dass diese Risiken an Bedeutung gewinnen. Schauen Sie sich die Schaden- und Unfallversicherung a an (…) katastrophale Ereignisse wie Waldbrände passieren häufiger durch das immer unberechenbarere Wetter.“

Im Juli hatte Moody's eine Mehrheitsbeteiligung an Four Twenty Seven, einem Anbieter von Klimarisiko-Daten, übernommen. So sollen die wirtschaftlichen Risiken des Klimawandels besser bei Ratings Berücksichtigung finden, denn bisher würden solche Risiken oftmals noch unzureichend beachtet.

Die Ratingagentur Standard & Poor (S&P) nennt Klimarisiken sogar eine „Herausforderung für die Stabilität des Finanzsystems“, berichtet das Handelsblatt. Viele Banken und Unternehmen würden noch immer keine Nachhaltigkeits-Zahlen, sogenannte ESG-Daten, bereitstellen. Diese seien jedoch neben betriebswirtschaftlichen Zahlen wichtig für die Bonitätsbewertung, erklärten S&P-Analysten in einem kürzlich veröffentlichten Bericht.

Doch nicht nur Ratingagenturen warnen vor den Klimarisiken für das Finanzsystem. Bereits 2015 richtete der internationale Finanzstabilitätsrat (FSB) der G20 eine Task Force ein, welche die Risiken des Klimawandels auf das Finanzsystem untersuchen soll. Die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) entwickelt dazu Empfehlungen für klimabezogene Finanzinformationen. Bisher sind diese Empfehlungen jedoch rechtlich nicht bindend.

Florian Koss, Leiter Kommunikation & Marketing der nachhaltigen Triodos Bank, erklärte gegenüber wallstreet:online: „Dem Finanzsektor kommt eine wichtige und immer noch unterschätzte Rolle in der Transformation einer CO2-intensiven Weltwirtschaft in eine CO2-arme und damit klimafreundliche Wirtschaft zu. Als Investoren und Financiers der Wirtschaft wird es darauf ankommen, z.B. die sogenannten „braunen“ Assets in den CO2-intensiven Wirtschaftssektoren signifikant zu reduzieren – und gleichzeitig gezielt in „grüne“ Assets umzuschichten. Hier liegen auch geschäftliche Chancen, aber in der Debatte stehen allerdings eher die Risiken im Vordergrund. „Stranded assets“ bedeuten erhebliche Risiken für Banken und Investoren. Großbanken haben laut des kürzlich veröffentlichten „Banking on Climate Change“ Berichts seit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 1,9 Billionen Dollar in klimaschädliche Wirtschaftssektoren gesteckt – und damit die Ziele der Weltgemeinschaft konterkariert. Aufsichtsbehörden und Zentralbanken (wie z.B. das „Network for Greening the Financial System“) setzen sich international inzwischen intensiv mit dem Thema Klimarisiken für Banken auseinander.“

Julian Mertens, stellvertretender Pressesprecher von der GLS Bank, sieht dies sogar noch drastischer. Gegenüber wallstreet:online erklärte er: „Jeder Euro in CO2-emittierende Technologien ist potenziell ausfallgefährdet, Jeder Euro in CO2-freie Technologien ist werthaltig und wertsteigernd. Je später sich Unternehmen und Investoren umstellen, desto mehr gefährden sie ihre Wettbewerbsfähigkeit.“

Grundsätzlich gibt es eine Vielzahl an klimabezogenen Risiken. Die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) teilt Klimarisiken in physische Risiken, Haftungs- und Klage- sowie Transformationsrisiken ein. Klimawandelbedingte Extremwetter zählen z. B. zu den physischen Risiken und stellen insbesondere für Versicherer ein Problem da. Der Kohleausstieg fällt beispielsweise in die Kategorie Transformationsrisiko – für Kohleunternehmen ist die Energiewende eine existenzielle Bedrohung. Gerichtsverfahren zum Klimawandel fallen in die Kategorie Haftungs- und Klagerisiken. Solche Klimaklagen gegen Unternehmen und Staaten nehmen weltweit zu.

Selbst Zentralbanken beschäftigen sich zunehmend mit dem Klimawandel und seinen Risiken für die Geldpolitik. Heute forderte Francois Villeroy de Galhau, Chef der französischen Zentralbank, in einer Rede: "Wir sollten, wie Christine Lagarde im Europäischen Parlament sagte, den Klimawandel in der Geldpolitik berücksichtigen". Zuerst berichtete darüber die Nachrichtenagentur Reuters.

Autor: Ferdinand Hammer


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