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Geschichte der Derivate Teil 3 Italien – der Kaufmann von Venedig

Gastautor: Dirk Heß
11.10.2019, 11:12  |  2134   |   |   

Derivate sind keine Erfindung der Neuzeit. Ihr Einsatz reicht Tausende von Jahren zurück. Gehen Sie mit uns auf Zeitreise und erkunden Sie in einer mehrteiligen Serie die spannende Geschichte der Derivate. Heute: Wie ehrgeizige italienische Kaufleute im Mittelalter Handel, Finanzinstrumente weiterentwickelten und Profite maximierten.

Im Mittelalter erlebten Handel und Warenverkehr eine bis dahin nie gekannte Blüte. Damals entstand in italienischen Stadtstaaten wie Vendig, Mailand, Genua oder Florenz der sogenannte „Kaufmannskapitalismus“. Insbesondere die Republik Venedig tat sich dabei hervor. Nirgendwo im Abendland wurden um 1400 nach Christus so viele Waren umgeschlagen wie auf dem Rialto. So heißt die am Westufer des Canal Grande gelegene Insel, die damals als das abenländische Finanz- und Handelszentrum schlechthin galt. Im Auftrag des venezianischen Senats, aber auch in Eigenverantwortung steuerten venezianische Koggen auf streng regulierten Handelsrouten nahe und ferne Handelsziele an. Von Brügge über London bis hin zu Konstantinopel, Akkon, Tunis oder Alexandria – um nur einige Destinationen zu nennen. Ging alles glatt, kehrten die Schiffe reich beladen nach Hause zurück. Im Gepäck seltene Gewürze, wertvolle Stoffe, Pelze oder edler Schmuck. Aber auch weniger wertvolle Massengüter wie Weizen, Salz, Wein, Käse oder Feigen landeten zum Weiterverkauf in der Lagunenstadt. Dank des profitalben Handels stieg Venedig damals zur reichsten Stadt der Welt auf.

 

Makaberer Deal um „ein Pfund Fleisch“

Die Zunft der venezianischen Kaufmänner war für ihre Handelsaktivitäten so berühmt, dass ihnen sogar der große William Shakespeare in seinem Werk „Der Kaufmann von Venedig“ ein Denkmal setzte. Darin erzählt der Dichter die Geschichte vom Kaufmann Antonio, der einem guten Freund bei der teuren Brautwerbung finanziell unter die Arme greifen wollte. Das Problem: Antonios eigene Mittel reichten dazu nicht aus. Also borgte dieser sich die fehlende Summe beim Geldverleiher Shylock. Der war sogar bereit, auf Zinsen zu verzichten, allerdings nur, wenn Antionio das geliehene Geld rechtzeitig zurückzahlt. Falls nicht, so die Vereinbarung, habe Shylock Anspruch auf „ein Pfund Fleisch“ aus Antonios Körper. In der Überzeugung, dass seine Handelsschiffe, schon bald reich beladen nach Venedig zurückkehren, stimmte Antonio dem durchaus makaberen Deal zu. Umso größer der Schock, als die Nachricht eintraf, dass die Schiffe offensichtlich verloren gegangen sind. Dass die Geschichte dennoch ein „Happy End“ findet, liegt an der Gewitztheit der umworbenen Braut, die nun als Rechtsbeistand in Erscheinung tritt. Ihre Argumentation: Zwar habe Shylock vertragsgemäß Anspruch auf Antonios Fleisch, nicht aber auf dessen Blut. Folglich dürfe beim Herausschneiden kein Tropfen Blut vergossen werden. Geschieht dies dennoch, so drohe ihm nach venezianischem Gesetz die Todesstrafe. Geschlagen und verbittert macht sich Shylock aus dem Staub.

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