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Im Interview Umweltbank: „Deutschlands grünste Bank“

Nachrichtenquelle: 4investors
28.10.2019, 06:39  |  2333   |   

In der deutschen Bankenszene kennt man die Commerzbank, die Deutsche Bank, die Aareal Bank, die Sparkassen. Aber die Umweltbank? Im Interview mit unserer Redaktion erläutert Vorstandssprecher Jürgen Koppmann das Geschäftsmodell der erfolgreichen Bank. 10 Mal in Folge konnte die im m:access gelistete Bank zuletzt ihre Dividende erhöhen. Mit neuen Produkten will sie auch künftig bei ihren Kunden punkten. Dabei ist die Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema. Um das Angebot für die Kunden noch runder zu machen, sind ein nachhaltiger Fonds und das Angebot eines Girokontos in der Vorbereitung.

Viele Bankaktien waren zuletzt so etwas wie die „Lieblings-Prügelknaben” an der Börse. Sehen die Anleger die Zukunft der Branche vielleicht etwas zu schwarz oder durchaus realistisch?

Koppmann: Seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor über 10 Jahren hat die Branche ein enormes Reputationsproblem. Hinzu kommen wirtschaftliche Probleme. Durch die anhaltenden Negativzinsen, steigenden Aufwand durch Regulierung und notwendige Investitionen in die Digitalisierung steht die Branche vor enormen Herausforderungen. Zudem verstärkt sich der Wettbewerb, da FinTechs zunehmend in den Bankenmarkt vordringen.

In Anbetracht dieser Herausforderungen fällt es vielleicht leicht schwarz zu sehen. Dennoch sollten Anleger nicht die gesamte Branche über einen Kamm scheren, denn es gibt Banken mit einem soliden Geschäftsmodell und einer klaren Zukunftsstrategie.

Welche Rolle spielen die Zentralbanken und die Negativzinsen in dem aktuellen Szenario für die Bankenbranche? Machen Fed und EZB aus Ihrer Sicht alles richtig?

Koppmann: Erst kürzlich hat die EZB eine weitere Senkung des Einlagenzinses für Banken von -0,4 Prozent auf -0,5 Prozent verkündet. Die Negativzinsen belasten die Banken der Eurozone und drücken in der gesamten Branche auf die Zinsspanne. Eigentlich will die EZB mit den Negativzinsen auf Einlagen die Kreditvergabe der Geschäftsbanken ankurbeln. Für Deutschland ist diese Maßnahme jedenfalls nicht das richtige Mittel. Aufgrund des hohen Wettbewerbs vergeben die Banken jetzt schon so viele Kredite wie möglich.

In den vergangenen Jahren kamen die Gewinnspannen nicht nur bei Deutsche Bank, Commerzbank & Co, sondern auch bei der Umweltbank unter Druck. So kletterte ihr Geschäftsvolumen zwischen 2010 und 2018 zwar jährlich im Schnitt um knapp 10 Prozent, der Vorsteuergewinn prozentual aber nur um knapp 5 Prozent und seit 2015 sinkt der Vorsteuergewinn. Was steckt dahinter?

Koppmann: Bei Geschäftsbanken ist die Zinsspanne der wesentliche Ergebnistreiber. Diese steht seit Jahren unter Druck. Bei der UmweltBank erwarten wir aktuell das Ende der Talfahrt und rechnen mit einer Stabilisierung der Zinsspanne. Darüber hinaus sind in den letzten Jahren die Ausgaben stark gestiegen. Wir investieren in die Digitalisierung, in den Ausbau der Produktpalette und stellen neue Mitarbeiter ein. Kurz- bis mittelfristig dämpfen diese notwendigen Investitionen den Ertrag, langfristig unterstützen sie unseren Wachstumskurs und ermöglichen die Erschließung neuer Geschäftsfelder.

Im Vergleich zu anderen börsennotierten Banken kommt die Umweltbank immer noch auf eine recht gute Profitabilität und eine deutliche Outperformance beim Aktienkurs über die letzten Jahre. Was machen Sie ihrer Meinung nach anders als die Manager anderer Banken?

Koppmann: Wir haben früh erkannt, dass Nachhaltigkeit wichtig für den Unternehmenserfolg ist. Das zieht sich durch unsere gesamte Geschäftstätigkeit. Wir haben schlanke Strukturen, durch die wir schnell auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren können. Wir betreiben solides Kreditgeschäft, spekulieren nicht mit den Kundengeldern und zahlen keine Millionenboni. So betrug unser Aufwand-Ertrag-Verhältnis Ende des ersten Halbjahres 2019 gerade einmal 36,2 Prozent. Bei Banken in Deutschland lag dieser Wert 2018 im Durchschnitt laut einer Studie von Bain bei 72 Prozent. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit bauen wir zudem auf langfristige Beziehungen – zu Kunden, Aktionären und natürlich auch den Mitarbeitern.

Wo sehen Sie noch Potenziale für die Entwicklung der Zinsspanne und der Margen bei der Umweltbank?

Koppmann: Wie bereits erwähnt, rechnen wir mit einer Stabilisierung der Zinsspanne. Positive Effekte erwarten wir zukünftig durch die Einführung neuer Produkte, wie einem ökologischen Verbraucherkredit. Auch im Wertpapiergeschäft sehen wir Potenzial. Im kommenden Jahr startet der Vertrieb des ersten nachhaltigen Fonds unter unserer neuen Marke UmweltSpektrum. Darüber hinaus bauen wir das Beteiligungsgeschäft aus. Unsere Tochter UmweltProjekt AG investiert in Solar- und Windparkprojekte sowie in den ökologischen und sozialen Wohnungsbau.

Neue Player aus dem „Fintech”-Sektor drängen in Richtung einiger klassischer Bankdienste wie den Zahlungsverkehr oder die stark automatisierte Kreditvergabe an Konsumenten. Ist dies für die Umweltbank eine Bedrohung, oder herrscht in der Umwelt-Nische eher Ruhe, was die Konkurrenzsituation angeht?

Koppmann: Wir beobachten Fintechs im Markt genau. Deren Stärken liegen oft in der Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen. Das lohnt sich sicherlich bei Konsumentenkrediten, beispielsweise für ein neues Handy oder für andere Gebrauchsgegenstände. Bei der Kreditvergabe zählen hier oft nur die harten Zahlen, Daten und Fakten.

Bei der Finanzierung von erneuerbaren Energien oder ökologischen Wohnprojekten ist das anders. Natürlich sind auch hier die ökonomischen Rahmendaten wichtig. Je komplexer das Projekt, desto wichtiger wird jedoch eine individuelle Betrachtung durch erfahrene und qualifizierte Mitarbeiter. Hier sehen wir unsere große Stärke.

2020 soll es ein Girokonto-Angebot der Umweltbank geben. Warum begeben Sie sich nun in diesen zunehmend härter umkämpften Markt und wie soll sich dies auf Ihre Zahlen auswirken?

Koppmann: Kernfokus der UmweltBank ist die Finanzierung von Umweltprojekten mit dem Geld ihrer Anleger. Ein Girokonto dient aber nicht der Geldanlage, sondern dem Zahlungsverkehr. Und in der Übernahme des Zahlungsverkehrs hatten wir bislang keinen ökologischen Mehrwert gesehen.

Nun steigt einerseits seit Jahren die Nachfrage unserer eigenen Kunden nach einem Girokonto der UmweltBank. Andererseits beobachten wir, dass viele Menschen zwar von einer konventionellen zu einer nachhaltigen Bank wechseln wollen – dann aber ganz oder gar nicht. Um dieser Nachfrage zu begegnen, haben wir uns vor einiger Zeit für die Einführung eines Girokontos entschieden. Es ist jedoch ein sehr komplexes Produkt, das unseren eigenen hohen Ansprüchen aber auch den Kundenwünschen entsprechen soll. Daher wird die Einführung noch ein wenig Zeit in Anspruch nehmen.

An der Börse waren einige Akteure nach den besser als erwarteten Halbjahreszahlen erstaunt, dass die Prognose für 2019 nicht angehoben wurde. Wie konservativ ist der Ausblick vor dem Hintergrund der Entwicklungen in der ersten Jahreshälfte?

Koppmann: Die Ergebnisentwicklung im ersten Halbjahr 2019 war besser als erwartet. Jedoch investieren wir nach wie vor stark in die Digitalisierung, den Ausbau der Produktpalette sowie neue Mitarbeiter. Daher ist die Prognose realistisch.

Im Rahmen der Kapitalerhöhung wurden rund 23 Millionen Euro eingesammelt. Welche Investitions-Pläne haben Sie mit dem Geld?

Koppmann: An dieser Stelle möchte ich gerne ein typisches Missverständnis beseitigen. Mit der Kapitalerhöhung haben wir kein Geld für Investitionen eingesammelt. Vielmehr erfüllen wir damit regulatorische Vorgaben, denn die Eigenkapitalvorschriften für Banken wurden nach der Finanzkrise erheblich verschärft. Mit einer Eigenkapitalquote von 14,33 Prozent per Ende September liegen wir nicht nur deutlich über der von der Aufsicht von uns geforderten Quote von 12 Prozent, sondern haben auch eine solide Basis um weiterhin stark im Kreditgeschäft zu wachsen.

Kommen wir zur Dividende: In den letzten Jahren gab es Ausschüttungsquoten zwischen 42 Prozent und 58 Prozent mit eher leicht steigender Tendenz, zuletzt waren es zwischen 54 Prozent und 58 Prozent. Bleibt dieser Trend bei den Dividenden der Umweltbank? Welche Ausschüttungspolitik ist zu erwarten?

Koppmann: Die UmweltBank ist seit vielen Jahren ein verlässlicher Dividendenzahler – dieses Jahr haben wir zum 10. Mal in Folge die Ausschüttung gesteigert. Auch zukünftig verfolgen wir eine anlegerfreundliche Dividendenpolitik.

Wäre die Umweltbank angesichts ihrer Profitabilität, Positionierung und dem gegenüber 2015 stark gesunkenen Kurs-Buchwert-Verhältnis nicht ein Übernahmekandidat, zumal mehr als vier Fünftel der Aktien im Streubesitz liegen?

Koppmann: Die UmweltBank ist unter anderem auch gerade deshalb so erfolgreich, weil Nachhaltigkeit den Kern ihrer Geschäftstätigkeit bildet. Würde ein Unternehmen die UmweltBank übernehmen, das nicht mindestens eine genau so streng nachhaltige Ausrichtung verfolgt, würde das der Glaubwürdigkeit der UmweltBank schaden. Ob sich eine Übernahme für den Käufer in solch einem Fall auszahlen würde, ist somit fraglich. Wir sehen Unabhängigkeit als Stärke, denn sie garantiert, dass wir auch weiterhin Deutschlands grünste Bank bleiben.

Dieses Interview ist eine Kooperation von wallstreet-online mit der Redaktion von www.4investors.de.

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