Liberalismus Feinde des Liberalismus

Gastautor: Markus Ross
04.12.2019, 18:35  |  1279   |   |   

Seit Menschengedenken wurden Staatsgebilde, ob klein oder groß, meistens zentralistisch und autoritär gelenkt. Die Idee war, dass starke Könige, Feudalherren oder Anführer, die hochqualifiziert sind und nahezu allwissend sind, am ehesten dazu befähigt sind, die Geschicke eines Landes zu steuern.

Eine der ersten philosophischen Abhandlungen zu diesem Thema wurde vor etwa 2400 Jahren von dem griechischen Philosophen Platon geschrieben. Absolutismus und Feudalismus prägten das menschliche Leben dann noch bis ins 18. Jahrhundert.

Die Philosophie des Liberalismus kam nach den englischen Revolutionen und im Zuge der Aufklärung im 17. Jahrhundert auf und stellte den Mensch als Individuum und seine Freiheit in den Vordergrund seiner Überlegungen. Die Weltanschauung des Liberalismus richtet sich gegen Staatsgläubigkeit, Kollektivismus, Willkür, Zwang und den Missbrauch von Macht und Herrschaft und fordert eine freiheitliche politische, ökonomische und soziale Ordnung.

Staatliche Eingriffe sollen sich auf ein Minimum beschränken, damit sich das Individuum möglichst frei entfalten kann. Der Staat soll politisch und wirtschaftlich nur insoweit in Erscheinung treten als er die Freiheit und die Sicherheit seiner Bürger gewährleisten und eine entsprechende Rechtsordnung bereitstellen und durchsetzen soll.

Auch in Bezug auf die Wirtschaft forderten die Liberalen „Freiheit“. Sie verlangten, dass verstaubte, jahrhundertelang übliche Vorschriften, Regularien, Privilegien, Monopole und Beschränkungen beseitigt werden und sich die Bürger möglichst unbeschränkt wirtschaftlich betätigen dürfen.

Diese ideologische Revolution führte dann zur Industriellen Revolution. Und diese wiederum führte zu einem technologischen Quantensprung, revolutionierten Fertigungsmethoden, der Massenproduktion und einem riesigen Anstieg des Lebensstandards – für alle!

Der Liberalismus war aber nicht nur wirtschaftlich ein Erfolgsmodell, er hatte auch viele gesellschaftlich positive Wirkungen. Die Menschen erkämpften sich ihre Freiheit, Knechtschaft und Sklaverei verschwanden, demokratische Prozesse kamen in Gang.

Von Anfang an jedoch hatte der Liberalismus viele Feinde - trotz oder in vielen Fällen gerade wegen seiner unbestreitbaren Erfolge.

Wer waren und sind diese Feinde der Freiheit?

Zu Anfang waren es natürlich diejenigen, die ihre Privilegien verloren hatten, der Adel und andere „Stände“, dann die Staatsgläubigen und Obrigkeitshörigen, die große Schar der Beamten und Staatsdiener und die sonstigen Profiteure von einem starken Staat.

Dazu kamen die Neider und Frustrierten sowie die ‚Weniger Erfolgreichen‘. Ludwig von Mises erklärt sehr schön, warum es auch für die weniger erfolgreichen Menschen leichter ist, in einer gleichmacherischen Umgebung zu leben, selbst wenn sie nicht von Neidgefühlen getrieben sind: man kann die relative Erfolglosigkeit vor sich selbst und seiner engeren Umgebung besser „entschuldigen“, wenn man von vorneherein keine Chance auf Erfolg oder Beförderung hatte.

Fassen wir alle unter dem Oberbegriff „Sozialisten“ oder „Kollektivisten“ zusammen. Das mag auf den ersten Blick irreführend sein, weil man mit Sozialismus in der Regel erst einmal spontan Attribute wie Gleichheit und Gerechtigkeit in Verbindung bringt und eine Herrschaft des „Volkes“ – und nicht unbedingt den Adel, als privilegierte Klasse.

Aber, wie Igor Schafarewitsch eindrucksvoll beschreibt, gab es auch in den frühen sozialistischen Gesellschaften immer eine privilegierte Klasse, einen ‚Adel‘ oder ‚Fürsten‘ - bei den Inkas, im alten Ägypten, im alten China. Bei Platons Vorstellung des idealen Staates war es die Kaste der ‚Philosophen‘, die den Staat lenken sollte.

Unter den kommunistischen Regimen in der Sowjetunion und China waren es die Mitglieder von „Politbüro“ und „Zentralkomitee“, beim national-sozialistischen Regime Hitlers dessen innerer Führungszirkel in NSDAP, SS, Wehrmacht und Gestapo, in der DDR die führenden SED-Parteibonzen.

In unserem heutigen Parteienstaat sind es unsere Parteibonzen, die sich mit ihren Parteistrukturen den Staat schon weitgehend untertan gemacht haben.

Im Sozialismus werden die sozialistischen „Ideale“ von Gleichheit und Solidarität - die allerdings in der Realität nur für die geschundenen Völker gelten, nicht für die Führungseliten - mit brachialem Zwang angestrebt. Familie, Eigentum und (andere) Religionen müssen zerstört werden, um das Individuum zu vernichten und eine anonyme Gesellschaft zu errichten, die aus möglichst in allen Belangen einheitlichen Menschen besteht, die vom Staat im eigenen Interesse beliebig eingesetzt werden können und möglichst keine störenden Eigeninteressen verfolgen.

Der Sozialismus als größter Feind des Liberalismus ist keine in sich schlüssige Theorie, er basiert auf falschen Annahmen und unzulässigen Schlussfolgerungen. Sein Erfolgskonzept liegt darin, Sehnsüchte der Menschen zu bedienen. Mit dem Versprechen von Glückseligkeit und paradiesischen Zuständen werden die Menschen aufs Glatteis gelockt. Und mit Dreistigkeit werden die realen, historisch bekannten Fehlschläge geleugnet, so wie jetzt wieder von der designierten neuen SPD-Führung. Die ebenso lahme wie dreiste Entschuldigung für die katastrophalen Ergebnisse von Sowjetsozialismus, Nationalsozialismus, Maos Kulturrevolution, DDR, Nordkorea, Venezuela etc. lautet immer, dass das jeweils nicht der „richtige“ Sozialismus gewesen sei:

„Wer Sozialismus negativ verwendet, hat halt keine Ahnung…..Echten Sozialismus gab‘s bisher noch nicht.“

Saskia Esken (designierte SPD Co-Parteivorsitzende, 2019)

Und so nimmt der Sozialismus immer von Neuem Anlauf, die Herrschaft zu übernehmen. Ganz aktuell segeln die Feinde der Freiheit im Windschatten der von ihnen und ihren Organisationen selbst angeheizten Klimahysterie. Nach braunem und rotem Sozialismus soll jetzt der grüne Sozialismus das Heil bringen.

Unbelegte und falsche Behauptung der Sozialisten ist, dass der Kapitalismus an den Klimaveränderungen Schuld sei. Wer das Ausmaß der Umweltverschmutzung in den sozialistischen Staaten kennt, weiß, dass das Gegenteil richtig ist. Nur eine erfolgreiche Wirtschaft ist in der Lage, Umweltschutz zu finanzieren.

Getragen, gefördert und unterstützt von der Klimahysterie gewinnt die Verbindung aus sozialistischer Ideologie mit der Bürokratie und dem Staatsapparat eine gefährliche Dynamik. Wichtige Machtfaktoren hierbei sind auch demokratisch nicht kontrollierte Institutionen wie Europäische Kommission, IWF, EZB und die zahllosen NGOs. Hemmungsloses Gelddrucken, Zinsmanipulationen und Verschuldungsexzesse – jetzt zur Abwechslung mal zur Rettung des Klimas - gefährden schon jetzt massiv das Eigentum und die Freiheit der Bürger.

Vor diesem Hintergrund ist der aktuelle Versuch, auf dem Rücken der Klimahysterie den Kapitalismus endgültig zu zerstören und den Sozialismus wieder einzuführen, brandgefährlich. Das kann nicht oft genug betont werden.

Im Interesse aller vernünftigen und freiheitsorientierten Menschen kann der Sozialismus dieses Mal hoffentlich noch verhindert werden. Die Deutschen haben sich von ihren sozialistischen oder autokratischen „Führern“ schon zwei Mal hinters Licht führen und in den Abgrund treiben lassen, ein drittes Mal wird es hoffentlich nicht geben.

Hierzu muss vor allen Dingen der Liberalismus gefördert werden. Die Menschen müssen erkennen, wem sie ihren Wohlstand zu verdanken haben.

Um weniger anfällig für bewusste Irreführungen seitens der Politiker zu sein, sollten mündige Bürger mit Wahlrecht auch über gewisse Grundkenntnisse der wirtschaftlichen Zusammenhänge verfügen. Leider werden die zutreffenden Theorien der liberalen ‚Österreichischen Schule‘ aber weitestgehend unterdrückt, nicht nur in der ‚Öffentlichkeit‘, sprich in den Medien, sondern auch in Schulen und Universitäten. Die staatsgläubigen Medien stellen fast ausschließlich mehr oder weniger sozialistische Theorien in den Vordergrund, wie den Keynesianismus oder neuerdings die Modern Monetary Theory, mit denen sie ihre Verschuldungs- und Gelddruckexzesse zu rechtfertigen suchen. Insofern verwundert es nicht, dass immer noch viele Menschen der Ansicht sind, mit dem Drucken von mehr Geld durch den Staat würden alle reicher – obwohl das Gegenteil richtig ist.

Derzeit haben die Feinde der Freiheit in der deutschen Politik ganz klar die Oberhand. Ihr Sieg wird nur zu verhindern sein, wenn die Bürger endlich aufwachen.

Sonst enden wir alle wie Orwells „gleiche Schweinchen“ im Elend – und ein paar werden wieder gleicher sein als die anderen. Genauso, wie es bei ausnahmslos allen sozialistischen Experimenten in der Geschichte abgelaufen ist, von denen uns der Liberalismus zwischenzeitlich befreit hatte.

„Wissen wird immer über die Ignoranz herrschen, und ein Volk, das die Absicht hat, sein eigener Herrscher zu sein, muß sich mit der Macht wappnen, die Wissen verleiht.“

James Madison

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