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Flatex-Vorstand rät einem Teil der Kunden zum Wechsel Neue Depotgebühr bei Flatex: Was Anleger jetzt wissen müssen

06.03.2020, 09:34  |  43579   |   |   

Seit dem 1. März gibt es beim Online-Broker Flatex ein aktualisiertes Preis- und Leistungsverzeichnis. Wer genau hinsieht, entdeckt eine neue Gebühr, die auf alle Wertpapiere berechnet wird. Wir zeigen, worauf Flatex-Kunden jetzt achten müssen und welche Alternative sich anbietet.

Das bislang kostenlose Depot bei Flatex ist nun endgültig Geschichte. Kurz vor Weihnachten hatte das Unternehmen angekündigt, eine neue Gebühr einführen zu wollen (wallstreet:online berichtete), nun folgt der Vollzug. Bei Kunden und Branchenexperten sorgte die Entscheidung der Oberfranken für heftiges Kopfschütteln. Immerhin hatte sich Flatex in den vergangenen Jahren einen Ruf als Discountbroker erarbeitet, jetzt dreht das Unternehmen kräftig an der Gebührenschraube. Konkret geht es um eine Depotgebühr in Höhe von 0,1 Prozent (zzgl. MwSt.) pro Jahr. Im Preis- und Leistungsverzeichnis heißt es dazu: Die Gebühr wird „monatlich auf Grundlage des Kurswertes der verwahrten Wertpapiere zum jeweiligen Monatsultimo ermittelt und mit einem Anteil von 1/12 von 0,1 Prozent bewertet.“

Auf den ersten Blick mag das nach wenig Geld klingen, doch die neue Gebühr „läppere sich […] mit der Zeit“, schreibt beispielsweise das gemeinnützige Verbraucherportal Finanztip in einem aktuellen Brokervergleich. Flatex sei daher „keine Empfehlung mehr“, heißt es im entsprechenden Artikel. Mehr noch: Flatex-Kunden wird zum Wechsel geraten, denn die neue Dauergebühr sei „gerade für langfristig ausgerichtete Anleger ungünstig“. Ungewöhnlich: Auch Flatex-Finanzvorstand Muhamad Chahrour legt einem bestimmten Kundenkreis den Wechsel ans Herz. In einem Interview mit dem Handelsblatt sagte Chahrour vor einigen Tagen: „Kunden mit einer reinen Buy-and-Hold-Strategie sind wahrscheinlich bei einem anderen Broker besser aufgehoben.“

Die Wirtschafswoche rechnet vor: „Wer 50.000 Euro an Wertpapieren im Depot liegen hat, zahlt bei Flatex demnächst also 50 Euro im Jahr.“ Die Gebühr steigt mit dem Depotvolumen. Wer über Papiere im Wert von 100.000 Euro verfügt, zahlt also bereits 100 Euro. Bedeutet: Die Bank verdient indirekt an den Kursgewinnen der Kunden. Für viele Kunden ist das ein absolutes No-Go. Kein Wunder, dass sich bei zahlreichen anderen Online-Brokern derzeit die Wechselanträge stapeln.

Wie reagiert Flatex auf die aufgeschreckten Kunden? Antwort: Mit der Einführung eines sogenannten VIP-Clubs (wallstreet:online berichtete). Kunden, die jährlich mehr als 500 (!) Transaktionen tätigen oder einen Wertpapierkredit von mindestens 75.000 Euro bei der Bank in Anspruch nehmen, zahlen weder Depotgebühren noch Negativzinsen. Doch was ist mit der großen Mehrheit der Flatex-Kunden? Gibt es vielleicht so etwas wie Sonderkonditionen für treue Anleger? Fehlanzeige! Die Redaktion von finanzen.net hat sich vor ein paar Tagen genau diese Frage gestellt und einen Testkunden losgeschickt. Ergebnis: Derzeit könne man „einer Sonderkonditionierung […] im Augenblick leider nicht entsprechen“, zitiert finanzen.net aus dem Beratungsgespräch.

Die Redakteure haben sogar Verständnis dafür, dass die Anteilseigner steigende Renditen erwarten, vermuten aber, dass Flatex mit der Gebühreneinführung „den Bogen überspannt haben könnte und tausende Kunden dem Onlinebroker den Rücken kehren“. Die von Flatex nachträglich angekündigte Senkung von Gebühren für Auslandsorders und die Abschaffung von Provisionen auf Dividendenzahlungen ausländischer Aktien sei für die Kunden daher nur wenig tröstlich, so das harte Urteil von finanzen.net.

Unabhängige Vergleichstests zeigen, dass Kunden bei einem Depotwechsel kräftig Geld sparen können. Mittlerweile gibt es zahlreiche Anbieter, die ganz auf Depot- und Limitgebühren verzichten. Doch Vorsicht: Zahlreiche Discount-Broker bieten zwar günstige Preise, sparen dafür aber bei Service und Auswahl. In einigen Fällen sind nur bestimmte Börsenplätze angeschlossen, bei anderen Anbietern steigen die Gebühren nach den ersten sechs Monaten. Die Euro am Sonntag hat im Februar 15 Online-Broker unter die Lupe genommen. Drei Broker erhielten die Bestnote „sehr gut“, darunter auch der Smartbroker, der zugleich mit den günstigen Preisen innerhalb der Spitzengruppe überzeugen konnte. Einen guten Überblick über die unterschiedlichen Broker am Markt gibt es unter anderem auch auf Brokervergleich.de. Der Smartbroker erzielte dort mit 4,2 Punkten die höchste Bewertung aller getesteten Broker.


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