Nachhaltige Geldanlagen Georg Schürmann, Triodos Bank: "Fokus auf nachhaltige Unternehmen bedeutet eher eine Beschränkung des Risikos als der Rendite"

06.03.2020, 17:54  |  24855   |   |   

Nachhaltige Geldanlagen sind unübersehbar ein Investment-Megatrend. Trotzdem besteht bei vielen Anlegern nach wie vor das Vorurteil, dass nachhaltiges Investieren mit einem Renditeverlust einhergeht. wallstreet:online sprach mit Georg Schürmann, Geschäftsleiter der Triodos Bank N.V. Deutschland. Die Triodos Bank ist nach eigenen Angaben „Europas führende Nachhaltigkeitsbank“.

wallstreet:online: Zahlreiche Studien belegen, dass nachhaltiges Investieren nicht mit einem Renditeverlust einhergehen muss. Wie hoch war die finanzielle Rendite Ihres Top-Fonds im vergangenen Jahr?

Schürmann: Der Triodos Pioneer Impact Fund hatte 2019 eine Performance von 34,9 Prozent. Aber unserer Meinung nach, greift der Blick nur auf die finanzielle Rendite zu kurz. Für Anleger mindestens genauso wichtig, ist das Verhältnis Rendite zu Risiko und gerade in dem Bereich liegen nachhaltige Fonds oft vor den konventionellen Fonds. Unabhängig davon legen immer mehr Anleger auch Wert auf nachhaltige Geldanlagen, nicht nur, weil sie gewisse Branchen wie fossile Energien, Atomkraft oder Rüstung ausschließen wollen, sondern weil sie mit ihrem Geld gezielt etwas Positives unterstützen wollen. Eine solche sozial-ökologische Rendite lässt sich z. B. durch den Beitrag von Fonds zu den Pariser Klimazielen oder den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen aufzeigen. Leider gibt es nur sehr wenige nachhaltige Fonds, die da einen wirklichen Beitrag leisten und diesen auch reporten (können).

wallstreet:online: Sogar Blackrock-Chef Larry Fink fordert von Unternehmen mehr Nachhaltigkeit und warnt von Klima- und Nachhaltigkeitsrisiken. In wie weit schützen Nachhaltige Geldanlagen aus Ihrer Sicht vor Klima- und Nachhaltigkeitsrisiken?

Schürmann: Wirklich nachhaltige Geldanlagen reduzieren die Risiken in einem Portfolio. Es gibt eine Vielzahl von Studien, die den Zusammenhang zwischen ESG und der wirtschaftlichen Leistung von Unternehmen untersuchen. Das Ergebnis: Der Fokus auf nachhaltige Unternehmen im Investmentportfolio bedeutet eher eine Beschränkung des Risikos als der Rendite, da nachhaltige Unternehmen tendenziell stabilere und positive Wirtschaftsergebnisse erbringen.

Welche konkrete Ausmaß die finanziellen Auswirkungen von Klimarisiken haben können, hat unter anderem die UN-Initiative Principles for Responsible Investing (PRI) in einer Ende 2019 veröffentlichten Studie berechnet: Sie besagt, dass es in den nächsten fünf Jahren allein durch Änderungen in der Klimapolitik zu Netto-Verlusten von Aktienbewertungen des MSCI ACWI Index von 1,6 Billionen (2,1 Bill. Abzüge bei "braunen" und 500 Mrd. Zugewinn bei "grünen" Unternehmen) kommen wird. Bei diesen Zahlen versteht man, warum selbst Investoren wie Blackrock die Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit drängen.

wallstreet:online: Sie berichten umfangreich über die ökologischen Auswirkungen Ihrer Investmentfonds. Welche jährlichen CO2-Emissionen entstehen, wenn ein Anleger 10.000 Euro in ihren klimafreundlichsten Fonds investiert und wie hoch sind die CO2-Einsparung gegenüber einem vergleichbaren konventionellen Fonds?

Schürmann: Beispielsweise hat der Triodos Pioneer Impact Fund einen im Vergleich zum Benchmark MSCI World MidSmall Cap um 70% geringeren CO²-, einen um 48% geringeren Wasser- und einen um 26% geringeren Müll-Fußabdruck. Bei einem Investment von 10.000 Euro macht das schon eine Ersparnis von umgerechnet etwa einer Autofahrt von 13.000 km (1.384 kg CO2), über 1.300 Duschen (86qm Wasser) und zwei Mülltonnen aus.

wallstreet:online: Wäre es nicht sinnvoller, statt in Unternehmen mit möglichst geringem CO2-Ausstoß, in solche, die besonders für eine klimaneutrale Wirtschaft relevant sind, zu investieren? Ein Beispiel: Ein Unternehmen, das Windkraftwerke herstellt, wird wahrscheinlich zunächst relativ hohe CO2-Emissionen haben, trotzdem ist es für die Energiewende sehr wichtig.

Schürmann: Das ist vollkommen richtig - ein möglichst kleiner negativer Fußabdruck ist auch nicht das primäre Ziel bei der Auswahl von Unternehmen. Der Investmentansatz von Triodos Investment Management sucht gezielt nach Unternehmen, die einen möglichst großen positive Beitrag für einen Übergang in eine nachhaltige Wirtschaft sowie für ökologische und soziale Herausforderungen, wie z.B. zur Erreichung der SDGs leisten. Eine solche nachhaltige Ausrichtung geht aber konsequenterweise oft auch mit einem geringen ökologischen Fußabdruck einher.

wallstreet:online: Bisher sind Nachhaltige Geldanlagen gesetzlich kaum geschützt. Wie können sich Anleger vor Greenwashing und Öko-Lügen bei der Geldanlage schützen?

Schürmann: Wenn man es sich selbst nicht zutraut, einzelne Unternehmen oder das gesamte Portfolio eines Fonds auf ihre Nachhaltigkeit zu bewerten, dann kann man sich z.B. an Vergleichsportalen wie www.geld-bewegt.de von der Verbraucherzentrale oder Siegeln wie dem FNG-Siegel (www.fng-siegel.org) orientieren. Beide bieten eine gute erste Orientierung bzw. eine gute Übersicht über den Grad der Nachhaltigkeit von Investmentfonds.

wallstreet:online: Wie stehen Sie zur EU-Taxonomie-Verordnung für Nachhaltige Investments?

Schürmann: Die EU-Taxonomie ist ein ganz wichtiger Schritt des EU-Aktionsplans für Sustainable Finance, den mit ihr soll definiert werden, was eigentlich genau nachhaltig bedeutet. Damit wäre auch definiert, was eher nicht in eine wirklich nachhaltige Geldanlage gehört. Das würde für Anleger eine Menge Klarheit bringen und Greenwashing verhindern.

wallstreet:online: Wäre eine Erhöhung der CO2-Steuer aus Ihrer Sicht sinnvoll, um nachhaltige Geschäftsmodelle und Nachhaltige Geldanlagen voranzubringen?

Schürmann: Grundsätzlich wäre es mehr als sinnvoll, sowohl falsche Anreize und Subventionen für umwelt- und klimaschädliche Branchen und Aktivitäten zu reduzieren, als auch sogenannte Externalitäten, wie Folgekosten durch den Klimawandel, z. B. durch eine CO2-Steuer direkt in Produkte einzupreisen. Damit würden bestehende Wettbewerbsnachteile für manche nachhaltigen Geschäftsmodelle aufgehoben und durch eine faire Bepreisung deutliche Anreize für den Markt und Verbraucher geschaffen. Damit würden dann natürlich auch nachhaltige Geldanlagen noch mehr profitieren.

wallstreet:online: Welche Rolle spielt der Finanzmarkt aus Ihrer Sicht beim Klimaschutz?

Schürmann: Der Hebel des Finanzmarktes ist enorm, denn durch die Steuerung von Geldströmen in Form von Investments und Krediten, wird ein großer Einfluss ausgeübt. Je nach dem in welche Branchen und Projekte es investiert wird. Der Finanzierungsbedarf der notwendigen Maßnahmen für die Erreichung der Pariser Klimaziele liegen nach Berechnungen der EU-Kommission bei jährlich 200-300 Milliarden Euro. Die Kosten des geplanten Green Deal von Ursula von der Leyen liegt bei knapp einer Billion Euro. Diese Summen können die Staatshaushalte nicht alleine aufbringen. Dafür braucht es Investitionen von Privathaushalten und Unternehmen sowie Finanzierungen von Kreditinstituten und (Klein-)Anlegern. Nur gemeinsam werden wir diese enorme Herausforderung meistern. Der Klimawandel ist eben auch eine echte geschäftliche Chance für die Finanzindustrie.

wallstreet:online: Vielen Dank für das Interview Herr Schürmann!

Das Interview führte Ferdinand Hammer, stellvertretender Chefredakteur bei wallstreet:online.



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