Buy-and-Build oder Buy-and-sell Wer Warren Buffett und seiner Berkshire Hathaway im Nacken sitzt: diese Beteiligungsunternehmen können Krise

15.06.2020, 16:25  |  29035   |   |   

Börsennotierte Beteiligungsunternehmen auf der ganzen Welt eröffnen Investoren unter anderem einen Zugang zu speziellen Themen, Branchen und Märkten. In seinem Smart Investor-Gastbeitrag beschreibt Gunter Burgbacher, Greiff capital management AG und VVO Haberger AG, deren überdurchschnittlichen Wachstumsaussichten - besonders in Krisenzeiten.

Börsennotierte Beteiligungsunternehmen verfolgen Diversifizierungsstrategien, wobei die Geschäftsmodelle hauptsächlich darin bestehen, Beteiligungen an anderen eigenständigen Firmen zu erwerben oder Unternehmen zu kaufen. Diese können langfristig gehalten, entwickelt und integriert oder nach einiger Zeit wieder veräußert werden (Buy-and-Build oder Buy-and-Sell). Zugleich erwirtschaften die meisten erfolgreichen Beteiligungsunternehmen häufig durch ihr Kerngeschäft hohe operative Cashflows, halten ausreichend Cashbestand, um antizyklisch investieren zu können, und bergen durch ihr bestehendes Beteiligungsportfolio Spin-off-Potenziale.

Neben Warren Buffett und seiner Berkshire Hathaway, dem weltweit größten und bislang erfolgreichsten Beteiligungsunternehmen, existiert noch eine ganze Menge weiterer erfolgreicher Investoren und Beteiligungsunternehmen – einige davon bestehen seit über 100 Jahren.

„Bad companies are destroyed by crisis; good companies survive them; great companies are improved by them.“ Zu Deutsch: „In der Krise werden schlechte Unternehmen zerstört. Gute Unternehmen überleben. Große Unternehmen werden besser.“ Diese Aussage von Andy Grove, Mitbegründer der Firma Intel, ist ein wichtiger Fingerzeig in der aktuellen Krisenzeit. (Das Zitat findet man in: Ryan Holiday, Das Hindernis ist der Weg. Mit der Philosophie der Stoiker zum Triumph, 2014, deutsche Fassung: 2017)

Dieser Beitrag greift gezielt einige internationale Beteiligungsunternehmen kurz auf, die nicht nur zahlreiche Krisen überlebt, sondern sich zudem immer wieder neu erfunden, weiterentwickelt und verbessert haben.

So wie etwa Aker ASA (WKN: A0B8L8), eine in Norwegen ansässige Holding. Die Unternehmensgeschichte begann 1841 mit der Produktion von mechanischen Ausrüstungen; später richtete sich Aker auf den Schiffsbau aus. Im 19. Jahrhundert konzentrierte sich das Unternehmen auf Wal-, Passagier- und Cargoschiffbau und begann später mit dem Bau von Tankern; im 20. engagierte man sich auch im Erdölmarkt und produzierte Erdölplattformen. Die Beteiligungen konzentrieren sich heute auf die Geschäftsfelder Energie, Umwelt, Fischerei und Meerestechnik sowie Finanzen.

Von Hongkong um die Welt

CK Hutchison Holdings Limited (WKN: A14QAZ) ist eine weltweit operierende Holding-Gruppe, deren Ursprünge bis 1828 zurückgehen. Sie entstand durch eine Restrukturierung von Cheung Kong Holdings sowie aufgrund des Zusammenschlusses mit Hutchison Whampoa im Juni 2015. Zusammen mit den 27 Tochtergesellschaften betreibt das Unternehmen sein Geschäft in fünf Segmenten: erstens Häfen und damit zusammenhängende Dienste; zweitens Immobilien und Hotels; drittens Einzelhandel; viertens Energie, Infrastruktur, Investments und fünftens Telekommunikation.

Maßstab in Sachen Nachhaltigkeit

Die Ball Corporation (WKN: 860408), gegründet 1880 als Ball Brothers Glass Manufacturing Company, ist ein US-amerikanischer Mischkonzern mit Hauptsitz in Broomfield (Colorado). Ursprünglich ein Hersteller von Verpackungen aus Glas, ist Ball heute weltgrößter Hersteller von Aluminiumdosen und auch in der Luft- und Raumfahrttechnik tätig. Diese Position konnte Ball durch eine geschickte Buy-and-Build-Strategie in den letzten Jahren mithilfe von sieben Akquisitionen festigen. Die Ball Corporation ist der erste Getränkedosenhersteller weltweit, der alle Grundsätze der Aluminium Stewardship Initiative (die sich zum Ziel gesetzt hat, Nachhaltigkeit in der gesamten Aluminium-Wertschöpfungskette zu fördern) in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung erfüllt.

Die Dividendenperle

Halma plc (WKN: 865047) wurde 1894 in Sri Lanka als The Nahalma Tea Estate Company Limited gegründet. Da die Plantage später hauptsächlich Kautschuk produzierte, wurde die Firma 1937 in Nahalma Rubber Estate Company Limited umbenannt. Im Rahmen der Verstaatlichung der Kautschukproduktion ging die Plantage in staatliche Verwaltung über und die ab 1956 Halma Investments Limited genannte Holding erschloss neue Geschäftsfelder. Heute ist Halma eine Gruppe von über 30 Technologieunternehmen aus den Bereichen Gefahrenerkennung und Lebensschutz zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen weltweit. In den letzten 40 Jahren wurde die Dividende jedes Jahr um mindestens fünf Prozent gesteigert.

Die belgische Berkshire Hathaway

Sofina S.A. (WKN: 852448) ist eine 1898 in Brüssel gegründete belgische Beteiligungsgesellschaft, die zunächst mit einer Reihe bedeutender internationaler Beteiligungen und Konzessionen im Energie- und Transportsektor in Europa und Amerika tätig war. Seit den 1960er-Jahren ist das Unternehmen eine reine Holdinggesellschaft. Es wird heute ausschließlich in Minderheitsbeteiligungen (hauptsächlich Aktien börsennotierter Unternehmen) investiert, und zwar in folgenden Geschäftsfeldern: Konsumgüter und Einzelhandel, digitale Transformation, Bildung und Gesundheitswesen.

Der Weltmarktführer

Thermo Fisher Scientific (WKN: 857209), 1902 als Fisher Scientific gegründet, ist der Weltmarktführer für Produkte in der Life-Science-Forschung. Thermo Fisher Scientific entstand im November 2006 mit der Übernahme der Fisher Scientific International Inc. durch die Thermo Electron Corp. und dessen Subunternehmen Thermo-Quest. Die Thermo Electron Corp., die 1956 gegründet worden war, hatte bereits zuvor zahlreiche Analytikfirmen erworben. In den letzten Jahren hat Thermo Fisher mehr als 50 Firmen übernommen und in den Konzern integriert; aktuell erfolgt die Übernahme des deutschen Biotechunternehmens QIAGEN.

Die Perle Afrikas

Naspers (WKN: 906614) wurde 1915 als Verlag in Südafrika gegründet und hat seinen Ursprung im burischen Nationalismus. Seit den 1990er-Jahren ist die Gruppe auch vermehrt an ausländischen Unternehmen beteiligt. Heute ist Naspers einer der größten Internet- und Medienkonzerne sowie Technologieinvestoren der Welt. Naspers hält mehr als 40 Beteiligungen im Wert von über 150 Mrd. USD, vor allem dank Tencent. Diese Internetbeteiligungen wurden 2019 in die niederländische Prosus NV ausgegliedert, die an der Amsterdamer Börse notiert.

In den Händen der Familie

Investor AB (WKN: 869202) ist ein schwedisches Investmentunternehmen, das 1916 von der Familie Wallenberg gegründet wurde, von der es auch heute noch geleitet wird. Die Tätigkeiten sind in drei Geschäftssegmente unterteilt: börsennotierte Kernbeteiligungen, EQT und Patricia Industries. Investments werden vorrangig in börsennotierte Unternehmen getätigt; an einigen ist Investor AB bereits seit über einem halben Jahrhundert beteiligt. Zudem fungiert die Holding als eine Art Mischkonzern und geht hierbei über die Tochter Patricia Industries selbst oder in Partnerschaft mit anderen Firmen Investments ein. Vorzugsweise werden dabei Anteile an kleineren und zum Teil nicht börsennotierten skandinavischen Unternehmen gekauft. Investor AB hat allerdings auch in verschiedenen Private-Equity-Fonds Kapital angelegt. Die bekannteste Investitionsgruppe ist hierbei die 1994 von Investor AB mitgegründete EQT Partners.

Fazit

Viele Argumente sprechen für ein Investment in börsennotierte Beteiligungsunternehmen. Der Mehrwert der unterrepräsentierten Anlageklasse der Beteiligungsunternehmen, bestehend aus Beteiligungsgesellschaften, Holdings und Mischkonzernen mit bestehenden Beteiligungsportfolios, hohen Cashflows und -beständen, die antizyklisch investiert werden können, zeigt sich gerade in der aktuellen Marktphase. Die Korrektur im März wurde durch die hohe Substanzkraft dieser Unternehmen häufig etwas abgemildert; bei der Erholung der Aktienmärkte folgt eine schnelle Aufholung der temporären Verluste.

Kurzvita von Gunter Burgbacher (Foto):
Gunter Burgbacher ist einer der Initiatoren des Aktienfonds für Beteiligungsunternehmen (WKN: A2JQJC und A2PE00). Er ist seit 2003 Financial Consultant, zertifiziert nach: 34 c, d, f, i GewO und verfügt zusätzlich über eine langjährige Expertise im Anlagesegment für börsennotierte Beteiligungsunternehmen. Seit Januar 2019 ist er nicht mehr nur für die VVO Haberger AG, sondern auch für die Greiffcapital management AG tätig.

Der Aktienfonds für Beteiligungsunternehmen ist ein international anlegender Investmentfonds, der als erster dieser Art ausschließlich in Aktien von börsennotierten Beteiligungsgesellschaften, Holdings und Mischkonzernen investiert. Das Fondsmanagement selektiert die besten Investmentideen, gewichtet diese gleich, achtet darauf, Redundanzen zu vermeiden, und hält eine Cashposition für chancenreiche Investments. Mit einer Kombination von 25 bis 40 Beteiligungsunternehmen hat der Aktienfonds Dachfondscharakter – bei im Vergleich deutlich geringeren Kosten.

Hinweis auf Interessenskonflikt (IK):
Alle besprochenen Unternehmen sind zum Zeitpunkt der Erscheinung dieser Publikation im Aktienfonds für Beteiligungsunternehmen enthalten.

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(Dieser Artikel aus der Smart Investor-Ausgabe 06/20 bezieht sich auf Daten, die bis zum 23.05.2020 erfasst wurden.)

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