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Mensch und Wirtschaft in der Geschichte

19.06.2020, 13:39  |  750   |   |   

Menschen wie uns, den „Homo Sapiens“, gibt es auf der Erde erst seit vergleichsweise kurzer Zeit. Nämlich erst seit rund 700.000 Jahren – die Erde dagegen entstand schon vor etwa 4000 Milliarden Jahren. 

Die Wiege der Menschheit befindet sich in Ostafrika. Dort trennten sich vor etwa fünf bis sechs Millionen Jahren die Entwicklungslinien von Affe und Mensch. Der aufrechte Gang war ein erster großer Entwicklungsschritt. Der Mensch konnte so zum Beispiel die Hände viel besser einsetzen und auch besser in die Ferne schauen. Vor etwa 2 Millionen Jahren machten sich dann einige der Urmenschen von dort auf den Weg nach Nordafrika, Europa und Asien und bevölkerten Schritt für Schritt die ganze Welt. Das war auch ohne Bootstechnik möglich, denn die Kontinente waren während besonderer Kälteperioden immer wieder durch Eisbrücken verbunden.

Dem körperlich vielen anderen Tieren deutlich unterlegenen Menschen gelang der Schritt an die Spitze der Nahrungskette anfangs vor allem deshalb, weil er vor etwa 1,7 Millionen lernte, das Feuer zu bändigen und für sich zu nutzen – als Licht- und Wärmequelle, zum Kochen und als Waffe bei der Jagd. Über Brandrodungen richteten die Menschen schon vor Urzeiten massive Schäden an der Umwelt an und machten sich den Rest der Tierwelt Schritt für Schritt untertan. 

Vor etwa 70.000 Jahren begann beim Homo Sapiens eine ‚kognitive Revolution‘, möglicherweise ausgelöst durch eine zufällige Genmutation im Gehirn, die seine Denkfähigkeit deutlich erhöhte und in der Folge zu einem großen Evolutionsschub führte. Einen wesentlichen Beitrag zum weiteren Erfolg der Menschen trug dabei die Entwicklung der Sprache bei, die eine ausgefeilte Kommunikation möglich machte und auch zum Beispiel die Abstimmung und Umsetzung komplizierter Pläne. Erst über Sprache und Kommunikation und, darauf aufbauend, später ‚Ideologien‘ wurde es möglich, immer größere Gruppen oder Einheiten von Menschen zu steuern und zu beherrschen. 
Den Neandertalern dagegen war die kognitive Revolution nicht vergönnt; und so starben sie bei der letzten Kälteperiode vor etwa 30.000 Jahren aus. 
Das zeigt, wie wichtig Denken, Erkenntnis, Kommunikation, Planung und die anschließende Umsetzung der Pläne für unser Überleben und Fortkommen ist. Dabei geht es auch um die Frage, wer die Gruppe führen soll, wenn es ums Überleben geht: der Intelligenteste und / oder Erfahrenste oder der größte und unfähigste ‚Dussel‘. Eine gut Wahl der Anführer ist eben lebenswichtig.

Die Menschen waren zunächst als Jäger und Sammler in kleineren Gruppen unterwegs, die fast alles Lebensnotwendige für den Eigenbedarf selbst erjagten, sammelten oder produzierten. Geld kannten sie nicht. Güter und Dienstleistungen wurden in der Gruppe geteilt oder getauscht. 

Auch als die Menschen vor etwa 11.000 Jahren sesshaft wurden und mit der Landwirtschaft begannen, änderte sich daran erst einmal wenig. Die Menschen lebten weiter in kleinen Gemeinschaften, die einzelnen Dörfer waren weitestgehend autark und das Wirtschaftsleben basierte überwiegend auf dem Tauschhandel von Gütern, Dienstleistungen und Gefälligkeiten und zu einem geringen Umfang auch auf Tauschhandel mit Fremden. Erste Handwerksberufe bildeten sich heraus, Schuhmacher, Schmiede, Ärzte. 
Die Institutionen Privateigentum und Familie sind ungefähr zur Zeit der Sesshaftwerdung entstanden. Vorher waren Grund und Boden, Pflanzen und Tiere „Allgemeineigentum“.

Die Sesshaftwerdung und der Beginn der Landwirtschaft waren große Schritte in Richtung Zivilisation und erforderten Denken und Planung.

„Der Gedanke, Nutzpflanzen zu setzen, die zu schützen und sie schließlich zu ernten, ist nicht naheliegend oder trivial, und es erfordert ein beachtliches Maß an Intelligenz, um diese Idee zu konzipieren. Weder ein Affe noch Australopithecus, Homo habilis oder Homo erectus, noch nicht einmal der frühe Homo sapiens ist jemals auf diesen Gedanken gekommen.“
Michael Hart

Nach und nach bildeten sich größere Einheiten menschlicher Organisationsformen. Städte entstanden und auch die ersten ‚Reiche“, die große Landstriche umfassten (Mesopotamien, Ägypter, Römer, Sumerer, Inkas….). Die Erfindung des Rades zum Beispiel führte zu einer deutlichen Verbesserung der Transportmöglichkeiten, der Transport von Gütern über weitere Strecken konnte effizienter bewältigt werden, Handelsbeziehungen wurden ausgeweitet. 
In den größeren Ballungseinheiten entstanden weitere Handwerks- oder Berufszweige, wie Schreiner, Bäcker, Friseure, Anwälte, Soldaten oder Priester. Mehr und mehr Güter und Dienstleistungen wurden getauscht.

Die Notwendigkeit, solche komplexeren Tauschbeziehungen effizient abzuwickeln, was über den direkten Tausch von vielen unterschiedlichen Gütern schwierig ist, führte zur Erfindung des Geldes, einem universellen Tauschmittel. Als Geld eignen sich Güter, die werthaltig sind, denen von allen Teilnehmern ein bestimmter Wert zugebilligt wird und die möglichst einfach zu transportieren und nicht verderblich sind. Alsbald kristallisierten sich daher Silber und Gold und darauf basierende Münzen als allseits anerkanntes Tauschmittel heraus.

Der Tausch von Gütern fand anfangs noch eher unorganisiert statt. In den Städten entstanden dann im Laufe der Zeit Marktplätze und Markthallen und für Wertpapiere und einige Waren gab es zum Beispiel ab dem 15. Jahrhundert organisierte ‚Börsen‘ (Gebäude, in denen der Handel stattfand; heutige Beispiele sind die ‚Deutsche Börse‘ in Frankfurt oder die ‚New York Stock Exchange‘ in U.S.A.). Heute gibt es darüber hinaus zahllose elektronische Markt- und Handelsplätze wie ebay, Amazon etc.

Bei freiwilligen Tauschhandlungen in einer freien Wirtschaft spricht man generell davon, dass diese ‚am Markt‘ stattfinden. Auf dem ‚Markt‘ bilden sich, basierend auf Angebot und Nachfrage, die Preise, zu denen die Handelstransaktionen stattfinden.
Getauscht werden, anders als vielfach irrtümlich angenommen, keine ‚gleichwertigen’ Güter, denn eine Transaktion findet nur statt, wenn sich jeder der Beteiligten einen Vorteil davon verspricht, also der Meinung ist, dass er oder sie weniger weggibt als er oder sie im Gegenzug erhält.

Zu einen großen Umbruch und einer starken Weiterentwicklung gerade in wirtschaftlicher Weise kam es über die Aufklärung und in deren Folge das Aufkommen des Liberalismus. Die Menschen befreiten sich von den Fesseln der Obrigkeit und einem korporatistischen System, das fast alle wirtschaftlichen Tätigkeiten reglementierte. Auch das Denken wurde befreit. Es durfte freier geforscht werden und so konnten viele neue Erkenntnisse gewonnen werden. Das führte schließlich um das Jahr 1800 herum zur ‚Industriellen Revolution‘, die zugleich auch eine landwirtschaftliche Revolution war. In der westlichen Welt endete das Agrarzeitalter, das industrielle Zeitalter, in dem wir heute noch leben, begann.
Was das für Änderungen mit sich brachte, sieht man zum Beispiel daran, dass am Ende des Agrarzeitalters (selbst in den am meisten entwickelten westlichen Ländern noch 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt war, heute sind es in Deutschland weniger als 2%.
Bis etwa zur selben Zeit das Pferd durch Auto und Lokomotive als Transportmittel abgelöst wurde, musste im Übrigen ein großer Teil der Getreideernte als Pferdefutter verwandt werden, was auch dazu beitrug, dass die Ernährungssituation für viele Menschen prekär war.

Mit der Industriellen Revolution begann ein rasanter Wohlstandsanstieg und ein bis dahin nicht gekannter und bis heute anhaltender Entwicklungsschub begann. Nachfolgend eine Auflistung menschlicher Erfindungen, die zeigt, wie sehr sich die Zahl neuer Erfindungen seit der Befreiung der Wirtschaft von staatlichen Fesseln Mitte des 18. Jahrhunderts erhöht hat.

Meilensteine in der Entwicklung, bahnbrechende Erfindungen

Vor etwa 5 Millionen Jahren trennten sich die Entwicklungslinien von Affen und Menschen (unser ‚nächster Verwandter‘ sind die Schimpansen).
Seit etwa 1,7 Millionen Jahre v.C  nutzt der Mensch das Feuer (seit etwa 300.000 Jahren gehört das Feuer beim ‚Homo Sapiens’ zum Alltag, unter anderem als Licht- und Wärmequelle und zum Kochen)
Seit etwa 100.000 Jahren gibt es den ‚anatomisch modernen Menschen’. Vor etwa 100.000 Jahren gab es nur etwa 50.000 menschliche Wesen wie uns auf der Welt, dies reduzierte sich über ungünstige Klimaentwicklung auf nur noch etwa 5.000 vor 50.000 Jahren.
Vor etwa 70.000 Jahren fand eine ‚Kognitive Revolution‘ statt (Veränderungen im menschlichen Gehirn möglicherweise durch eine Mutation, Entwicklung von Sprache, erweiterte Kommunikationsmöglichkeiten; die Urmenschen verfügten über keine Sprache, die entwickelte sich erst vor etwa 50.000 Jahren, was einen großen Entwicklungsschub auslöste; Lernfähigkeit, Wissensvermittlung, ausgefeiltere Werkzeuge entstanden, der Bootsbau ermöglichte Reisen und Handel)
Seit etwa 50.000 Jahren gibt es den ‚verhaltensmäßig modernen Menschen‘
Vor etwa 50.000 Jahren begannen die Menschen mit dem Bootsbau
Seit 20.000 Jahren gibt es ‚Pfeil und Bogen‘, was die Jagdtechnik revolutionierte.
Der Mensch beginnt, sesshaft zu werden (10.000 v.C., Beginn der Landwirtschaft). Erst mit der Sesshaftwerdung, der Bewirtschaftung von Land und der Zucht von Nutztieren und der Herdenhaltung wurde das Thema „Eigentum“ relevant (Eigentum an Grund und Boden und Gütern, wie kultivierte Pflanzen und Tiere/Herden).
Erfindung des Rades (3.500 v.C., Mesopotamien)
Nägel, Zement, Glas (3.400 v. C.; Ägypten)
Erste „Schriften“ zur Datenarchivierung (3.000 v. C., Zahlen und Zeichen)
Geld (2.500 v.C. bei den Sumerern)
Alphabet (2.000 v.C., Ägypter, Semiten)
Eisenverhüttung (1.400 v.C.)
Vollständiges Schriftsystem entstand in China um das Jahr 1.200 v.C. 
Abakus (Rechenmaschine) – etwa 1.100 Jahre v.C.
Schießpulver (China 1.000 v.C.)
Spinnrad (China, Indien, 1.000 v.C.)
Ein vollständiges Schriftsystem entstand auch in Mittelamerika zwischen 1.000 und 500 v.C. 
Aquädukt (600 v.C.)
Windmühlen (550 v.C.; Griechen, Perser)
Ruderschiffe (500 v.C.; Griechen)
Flaschenzug (260 v.C.; Archimedes)
Kompass (erste Techniken bereits um das Jahr Null herum in China)
Papier    (100 n.C. in China)
‚Arabisches Ziffernsystem‘ (Zahlen von 0-9, 7. Jahrhundert, zunächst in Indien, als später Zeichen hinzugefügt wurden für Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, etc. war die ‚mathematische Schrift‘ entstanden)
Gewehre/Pistolen (ab etwa 1.300)
Kanonen (seit etwa 1.400)
Moderner Buchdruck (Guttenberg, 1.440 n.C.)

Man erkennt, dass es im Mittelalter (6. bis 15. Jahrhundert nach Christus), das heißt dem Zeitraum zwischen der Antike und der Neuzeit wenige revolutionäre Neuerungen gab. Dass dieser Zeitraum auch als die ‚dunklen Jahrhunderte‘ (‚dark ages‘) bezeichnet wird, liegt aber primär daran, dass es aus dieser Zeit vergleichsweise wenige Aufzeichnungen und Überlieferungen gibt.

Die ‚Industrielle Revolution‘ beginnt in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts und endete zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Sie löste vielfältige Erfindungen aus und beschleunigte die Entwicklung dramatisch:

1764 Erfindung der Spinnmaschine
1776 Erste Dampfmaschine
1783 Erstes Dampfschiff
1783 Heißluftballon
1799 Batterie
1825 Erste Dampflokomotive
1831 Entdeckung der elektromagnetischen Induktion
1833 Entwicklung des Telegrafen durch Gauß und Weber
1847 Entdeckung des Erdöls
1856 Erste Düngemittel (Justus von Liebig)
1856 Synthetische Farbenherstellung, Beginn der ‚chemischen Industrie‘
1859 Das Telefon wird von Philipp Reis erfunden
1865 Erster ‚Kunststoff‘ wird patentiert
1866 Der Dynamo wird von Werner von Siemens erfunden
1879 Thomas Edison erfindet die Glühbirne, die industriell gefertigt wurde (bereits 1854 hatte Heinrich Göbel eine Glühbirne erfunden, die aber nie in großen Menge produziert wurde)
1881 Straßenbahn (Werner von Siemens)
1885 Maschinengewehr
1886 Automobile (Gottlieb Daimler, Karl Benz)
1890 Dieselmotor (Rudolf Diesel)
1894 Gleit-Flugzeug (Otto Lilienthal)
1895 Röntgenstrahlung (Wilhelm Conrad Röntgen)
1902 Zündkerze (Robert Bosch)
1920 Radio
1925 Kleinbildkamera
1926 Beginn der Raketentechnik, Beginn des ‚Mobilfunks‘
1927 Tonfilm
1930 Fernsehen (Manfred von Ardenne)
1935 Erste Lochkartenmaschine (Computer) von IBM kommt auf den Markt
1935 Erste funkgesteuerte Drohne
1936 Düsentriebwerk, Hubschrauber
1938 Kernspaltung (Otto Hahn)
1941 Computer (Konrad Zuse)
1943/44 Erste militärisch eingesetzte Raketen (erste Ideen zu Raketen stammen aus dem 16. Jahrhundert)
1945 Abwurf der ersten Atombomben
1946 Mobiltelefone in Automobilen (in Deutschland ab etwa 1958)
1958 Dübel
1961 Die ersten Industrieroboter werden bei GM in USA eingesetzt
1960er Jahre Farbfernsehen
1967 Inbetriebnahme des ersten Geldautomaten
1969 Erste bemannte Mondlandung, erste Chipkarte
1969 Das Internet beginnt unter dem Namen „Arpanet“
1970 Beginn der Gentechnologie
1971 Airbag 
1975 Der erste PC (Personal Computer) kommt auf den Markt
1982 Erste Satellitentelefone 
1988 Erster 3D-Drucker kommt auf den Markt (für dreidimensionale Gegenstände)
1990 Mobiltelefone (tragbar) in Deutschland
2007 Smartphones

Bereits seit den 1990-er Jahren sind selbstfahrende Autos im Test, für das „autonome Fahren“ erwartet man die Serienreife ab dem Jahr 2025


Die wirtschaftswissenschaftliche Theorie, die diese Lebenswirklichkeit und Erfolgsgeschichte am besten abbildet, ist die ‚Österreichische Schule,‘ die auf die Studien von Carl Menger im späten 19. Jahrhundert zurückgeht. Sie empfiehlt eine Freie Marktwirtschaft und einen schlanken Staat.

Demgegenüber stehen diverse staatsorientierte Wirtschaftstheorien, die ich an dieser Stelle unter ‚keynesianisch-sozialistisch‘ zusammenfassen möchte. Ihnen allen ist zu eigen, dass sie die Freiheit der Wirtschaft beschränken möchten, dem Staat ein führende Rolle in der Wirtschaft zubilligen bis hin zur vollständigen Verstaatlichung der Produktionsmittel, dass sie hohe Steuern und Staatsverschuldung propagieren und vor allen Dingen, dass sie jedes Mal gescheitert sind, wenn sie in der Politik eingesetzt wurden.

Wenn wir weiter Erfolg haben möchten und sich unser Lebensstandard weiter verbessern soll, sollten wir uns besser an den erfolgreichen Theorien orientieren!

Autor: Markus Ross

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