Wettanbieter in der Krise – ist Besserung in Sicht?

Gastautor: Rainer Brosy
09.07.2020, 12:57  |  508   |   |   

Deutsche Wettanbieter in der Krise: Wie sieht die Zukunft aus?

Das Jahr 2020 wird für die deutschen Wettanbieter sicherlich nicht zu den großen Erfolgsjahren zählen. Dies liegt vor allem an der Tatsache, dass im zweiten Quartal aufgrund der Krise mit den Spielausfällen der Umsatz teilweise um bis zu 70% eingebrochen ist. Es gab nur noch sehr wenige Sportereignisse, die überhaupt ausgetragen wurden, so dass die Kunden natürlich auch nicht mehr wetten konnten. Doch wie können die Wettanbieter mit der Krise fertig werden? Welche Änderungen stehen an und was sollten Wettfreunde beachten, die künftig wieder Sportwetten platzieren möchten?

Bild: 2020 wird kein neues Rekordjahr für die Sportwetten-Branche. Bildquelle: top10-casinosites / Pixabay.com

Der Wettbewerb im Bereich der Sportwetten ist und bleibt hart

Der Sportwetten-Bereich ist schon seit einigen Jahren hart umkämpft. Zudem kommen ständig neue Anbieter auf den Markt, die um die Gunst der potenziellen Neukunden buhlen. Ein Blick auf die Vergleichslisten vieler entsprechender Portale zeigt, wie umfangreich das Angebot auf dem deutschen Markt eigentlich geworden ist:

  1. Die Platzhirsche

Die Platzhirsche sind Wettanbieter, die schon lange auf dem deutschen Markt mitmischen und sich zudem eine Marke erarbeiten konnten. Dazu gehören unter anderem:

  • Bet365 (gerade außerhalb Deutschlands sehr bekannt, ca. 35 Millionen Kunden)
  • Bwin (einer der größten Wettanbieter in Deutschland und Europa, ca. 20 Millionen Kunden weltweit)
  • Betway (viele Sponsorings für Sportvereine und Sportler, ca. 2 Millionen Kunden weltweit)
  • Tipico (gerade in Deutschland und Österreich sehr bekannt, ca. 1,2 Millionen Kunden)

In diese Gruppe gehören noch einige weitere etablierte Anbieter. So zum Beispiel William Hill, Sportingbet oder auch Bet-at-home. Diese Wettanbieter genießen auf dem deutschen Markt ein großes Maß an Vertrauen und sind entsprechend bekannt.

  1. Die jungen Wilden

Mittlerweile drängt eine große Gruppe von Wettanbietern auf den Wettmarkt in Deutschland, um ebenfalls ein Stück vom Umsatzkuchen abzubekommen. Nicht selten handelt es sich dabei um Online-Casinos, die mittlerweile zusätzlich auch Sportwetten zur Verfügung stellen:

  • ReloadBet (Wettangebot des bekannten Casinoanbieters Media Entertainment NV – seit Ende 2018 auf dem Markt)
  • BetVictor (ein Traditionsunternehmen, das jedoch erst kürzlich in Deutschland in Erscheinung getreten ist)
  • 888sport (eigentlich eher aus der Casino-Branche bekannt – bietet jedoch auch Sportwetten)
  • Rabona (relativ junges Sportwetten-Angebot der Tranello Gruppe)

Diese Beispiele zeigen nur einen kleinen Ausschnitt des Marktes für Sportwetten, vermitteln aber einen guten Eindruck darüber, wie stark der Wettbewerb in diesem Bereich ausfällt.

Weniger regelmäßige Spieler – dafür größerer Gesamtpool

Auf den immer härter werdenden Wettbewerb trifft zudem auch noch ein leicht schrumpfendes Interesse seitens der regelmäßigen potenziellen Kunden. Demnach ist die Zahl derer in Deutschland, die wöchentlich an Sportwetten teilnimmt, seit 2016 um zwei Drittel geschrumpft. Dafür gab es zuletzt einen deutlichen Anstieg bei der Anzahl der Gelegenheitsspieler, die sich je nach Frequenz deutlich erhöht hat:

Jahr

Wöchentliche Teilnahme (in Mio. Personen)

Einmal pro Monat (in Mio. Personen)

Einmal pro Vierteljahr (in Mio. Personen)

Seltener (in Mio. Personen)

2016

0,21

0,49

0,28

0,84

2017

0,21

0,35

0,35

0,77

2018

0,15

0,34

0,34

1,21

2019

0,08

0,41

0,37

1,20

Abbildung 2: Teilnehmer an Sportwetten zwischen 2016 und 2019, Quelle: Statista.com

Der Umsatz steigt trotzdem weiter

Der deutliche Anstieg bei den Gelegenheitsspielern hat den Rückgang der regelmäßigen Wettfreunde offenbar deutlich kompensiert, denn der Branche ging es in den letzten Jahren sehr gut. So sind die Wetteinsätze zwischen 2013 und 2019 von 4,1 auf fast 9,3 Milliarden Euro angestiegen. Dies beschreibt den Boom der Branche sehr eindrucksvoll und erklärt, warum immer wieder neue Anbieter mitmischen wollen.

Wie hat sich die Krise 2020 auf die Branche ausgewirkt?

Die Krise 2020 dürfte hier jedoch für große Einschnitte gesorgt haben und es ist nicht klar, wie schnell sich die Situation wieder normalisiert. Der Einbruch wurde von Dominik Beier, Vorstandsprecher des Wettanbieters Interwetten, in einem Interview bereits Ende März auf ca. 70% des Umsatzes beziffert.

Dies liegt vor allem an der Tatsache, dass es kaum ansprechende Sportveranstaltungen gab, auf die sich Wetten platzieren ließen. Schließlich haben nahezu alle europäischen Staaten ihre Fußball-Liegen ruhen lassen und auch viele anderen Sportarten sind nachgezogen.

So ließ sich am Ende noch auf Fußball-Partien in Weißrussland und Nicaragua sowie auf unterklassigen russischen Basketball setzen. Keine Events, die viele Wettfans zu großer Aktivität antreiben.

Kuriose Wetten hatten Hochkonjunktur

Zunächst hatte die Branche versucht, mit kuriosen Wettangeboten gegenzusteuern. So konnten Wettfreunde unter anderem auf folgende Fragen wetten:

  • Wann findet der Re-Start der Ligen statt?
  • Wann gehen erste Fußballvereine pleite?
  • Wie warm ist es Hamburg zu einer bestimmten Uhrzeit?

Es gab zwar in der Vergangenheit ebenfalls sportfremde Wetten, jedoch bezogen sich diese oft auf Entscheidungen für Besetzungen in Filmen oder die Verleihung wichtiger Filmpreise wie den Oscar. Was während der Krise angeboten wurde, lässt sich jedoch mit Recht als sehr exotisch bezeichnen.

E-Sports erfreuen sich wachsender Beliebtheit

Neben eher exotischen Sportereignissen und kuriosen sportfremden Wetten blühte ein weiterer Bereich im Zuge der Krise auf: eSports. Das Angebot ist nicht neu, denn auch schon vor der Krise konnten interessierte Fans auf die Ergebnisse im Bereich eSports wetten. Doch wenn sich echte Kicker an die Konsole setzen und sich ein Duell liefern, können Tippfreunde mit einem professionellen Anspruch kaum sinnvolle Prognosen abgeben. Aus diesem Grund wird dieser Bereich gerade von Profitippern nicht als die Zukunft der Sportwetten betrachtet.

Für Gelegenheitstipper könnte dies schon anders aussehen. Schließlich existiert mit der Virtual Bundesliga schon ein offizielles Event, welches immer wieder für spannende Duelle sorgt und eine entsprechende Fanbase mit sich bringt. Sobald sich die Beliebtheit von eSports noch stärker verbreitet, dürfte auch hier das Interesse für die Platzierung entsprechender Wetten weiter deutlich ansteigen.

Nach der Krise: Alles wieder gut?

In Bezug auf die Krise scheint das Gröbste überstanden zu sein. In Deutschland war es möglich, die 3 höchsten Fußball-Ligen zu Ende spielen zu lassen. Dies dürfte den Wettanbietern wieder etwas Auftrieb gegeben haben. Schließlich blieb es bei vielen Entscheidungen spannend bis zum Ende. Zwar war die Meisterschaft in der Bundesliga relativ früh ausgemacht, doch gerade in Sachen Abstieg entwickelte sich rund um Werder Bremen ein wahrer Krimi am letzten Spieltag.

Das dürfte zwar die Umsatzeinbrüche aus dem zweiten Quartal 2020 bei weitem nicht kompensieren, aber immerhin haben Sportereignisse aktuell einen großen Wettbewerbsvorteil gegenüber viele anderen Events: Sie finden statt. Zahlreiche Konzerte, Volksfeste und andere Großveranstaltungen müssen weiterhin abgesagt werden. Hier verbirgt sich also die Chance, dass die Sportevents mehr Zuschauer erhalten und somit auch mehr Tippfreunde unterwegs sind.

2021: Hoffnungsschimmer oder weiterer Stolperstein?

Wenn das Jahr 2020 für Wettanbieter eine deutliche Delle in der Boom-Entwicklung bedeuten wird, stellt sich natürlich die Frage, wie es 2021 aussehen könnte. Bisher ist nicht klar, ob dann wieder alles den gewohnten Gang geht. In Bezug auf Fußball dürfte jedoch als gesichert gelten, dass die Partien zumindest als Geisterspiele stattfinden. In Sachsen existieren sogar Bestrebungen, bald unter Auflagen wieder Zuschauer in die Stadien zu lassen. Ob dieser Plan schon zum Beginn der nächsten Saison Wirklichkeit wird, steht allerdings noch in den Sternen.

Gesundheitsexperten wie Karl Lauterbach (SPD) treten hierbei deutlich auf die Bremse und warnen davor, solche Lockerungen zu früh umzusetzen. So müsse es immer möglich sein, die einzelnen Personen im Falle einer Infektion zurückzuverfolgen zu können, sagte Lauterbach.

Regulierung: Fluch oder Segen für Sportwetten-Branche?

Online-Sportwetten sind in Deutschland zwar äußerst beliebt, aber streng genommen nicht wirklich legal. Viele Wettanbieter verfügen über EU-Lizenzen aus Malta und können im Zuge der Dienstleistungsfreiheit ihr Angebot auch in Deutschland zur Verfügung stellen. Aus diesem Grund handeln alle Beteiligten in einer rechtlichen Grauzone. Mit dem „Glücksspielneuregulierungsstaatsvertrag“ wollen die Bundesländer nun die Regulierung auch für den deutschen Markt endgültig vollziehen. Auf den ersten Blick sieht dies wie ein positiver Impuls für die Branche aus.

Leider kommt mit der Regulierung jedoch auch eine neue Hürde auf: Live-Wetten sollen größtenteils eingeschränkt werden. Da diese jedoch einen Großteil des Umsatzes ausmachen, könnte es hier zu erheblichen Umsatzeinbußen für die Wettanbieter kommen. Darüber hinaus sind noch weitere Änderungen geplant, die für Kosten in der Branche sorgen:

  • Abgleich von Kunden mit dem Spielersperrsystem schon beim Zugang zum Wettangebot
  • Anbieterübergreifende Limitdatei, die das Volumen jedes Spielers auf 1.000 Euro pro Monat limitiert
  • Einrichtung einer Aktivitätsdatei zur Verhinderung parallelen Spielens

All die geplanten Maßnahmen wirken sich gleich in zweierlei Hinsicht auf die Wettanbieter aus. Zum einen senken sie den möglichen Umsatz und zum anderen erhöhen sie auch noch die Kosten, um das Ganze technisch auch sinnvoll umsetzen zu können. Grundsätzlich könnte die angehende Regulierung also eher ein Stolperstein für die Branche werden. Dass damit endlich Rechtssicherheit geschaffen wird, kann die Nachteile nur schwer aufwiegen.

Deutsche Wettanbieter fahren in stürmischen Gewässern

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Wettanbieter in Deutschland aktuell in einer schwierigen Situation sind. Die Krise in diesem Jahr hat die Umsätze enorm einbrechen lassen und auch der Ausblick auf die Zukunft ist bei weitem nicht nur rosig. Zwar scheinen Sportwetten in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein, aber andererseits können die Limitierungen im Zuge der Regulierung neue Probleme mit sich zu bringen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Geschäfte am Ende entwickeln.

Quellen:

https://www.wettanbieter.org/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/183252/umfrage/haeufigk ...

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sportwetten-deutschland-legal-1 ...

https://www.welt.de/sport/plus206821019/CEO-von-Interwetten-Anteil-der ...

https://www.focus.de/sport/experte-erklaert-folgen-fuer-die-branche-sp ...

https://web.de/magazine/sport/fussball/fans-stadion-karl-lauterbach-wa ...

https://dswv.de/dswv-kurzstellungnahme-zum-glueneurstv-entwurf/

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Rainer Brosy
Geschäftsführer
http://www.seoplus.expert/

Rainer Brosy (B.Eng.) betreibt eigene Finanz- und Energieportale und gehört zum Team verschiedener ICO`s.

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