Rallye ruft SEC auf den Plan Kodak-Deal in der Kritik – Investor Hasler: „Erträge müssen erst noch erwirtschaftet werden“

07.08.2020, 16:44  |  10327   |   |   

Die überraschende Wiederauferstehung des ehemaligen Foto-Riesen Eastman Kodak mithilfe eines millionenschweren Sonderkredites der US-Regierung könnte ein Nachspiel haben. Sowohl die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC als auch die Demokraten im Repräsentantenhaus wollen den rasanten Kursanstieg bei Kodak genauer unter die Lupe nehmen.

Die US-Regierung und Kodak hatten in der vergangenen Woche bekannt gegeben, dass das Unternehmen einen staatlichen Kredit in Höhe von 765 Millionen US-Dollar erhalten soll. Die Firma, die einst mit Fotokameras und -filmen bekannt wurde, soll künftig Inhaltsstoffe für die Pharmabranche herstellen. Bei der Ankündigung handelt es sich bislang lediglich um eine Absichtserklärung, beschlossen ist der Kredit noch nicht.

Die Kodak-Aktie war im Zuge der Nachricht von 2,20 US-Dollar auf zeitweise bis zu 60 US-Dollar gestiegen, inzwischen hat sich der Preis für einen Anteil bei etwa 16 US-Dollar eingependelt.

Eine Untersuchung der SEC stecke noch im Anfangsstadium, wie amerikanische Medien berichteten. Laut Wall Street Journal könnten Medien in Rochester (im Bundesstaat New York), dem Hauptsitz von Kodak, vorzeitig von dem Deal erfahren haben.

„Angesichts eines Kursplus von 25 Prozent am Tag vor der Bekanntmachung ist die Untersuchung der SEC auf jeden Fall nachvollziehbar“, sagt Sphene-Capital-Investor Peter-Thilo Hasler gegenüber wallstreet:online.

Eine Gruppe von Demokraten im US-Kongress fordert inzwischen in einem Brief an die U.S. International Development Finance Corp (DFC) – die Behörde, die die Finanzierung für Kodak abwickeln soll – genaue Infos zu den Umständen des Deals. Man frage sich warum ausgerechnet Kodak, „eine Organisation, die 2012 kurz vor dem Scheitern stand und bei ihrem vorherigen Vorstoß in die pharmazeutische Fertigung keinen Erfolg hatte", ausgewählt worden sei.

Kritisch beäugt werden besonders die Aktienkäufe und Aktienoptionen von Kodak-CEO Jim Continenza. In der Woche vor der Bekanntgabe des Millionenkredits hatte er 47.000 Aktien seines Unternehmens gekauft, außerdem hatte der Vorstand ihm 1,75 Millionen Aktienoptionen gewährt.

„Grundsätzlich ist es schon in Ordnung, dass der Vorstand an einem solchen Deal auch etwas verdient“, findet Hasler. „Schließlich wird hier ein enormer Mehrwert für die Aktionäre geschaffen.“ Doch das Timing sei sehr unglücklich gewesen. „Kodak ist kein kleines Unternehmen, da hätte man bei der Verteilung der Aktienoptionen und beim Timing besser aufpassen müssen.“

Verwunderlich findet Hasler, dass allein die Ankündigung eines Kredits eine solch heftige Kursreaktion ausgelöst hat. „Das Drumherum ist interessant. Die Aktie hat sich vervielfacht, obwohl es hier um einen Kredit geht. Die eigentlichen Erträge muss das Unternehmen ja erst noch erwirtschaften.“ Deshalb ist Hasler überzeugt: „Der Aktienkurs wird sich auch wieder normalisieren.“

 

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Eine Auswertung des besonders bei Kleinanlegern beliebten US-amerikanischen Online-Brokers Robin Hood zeigt, dass Investoren massenhaft auf den Kodak-Zug aufgesprungen waren und so möglicherweise die Kursrallye befeuert haben. Eine Recherche von NBC News zeigt außerdem, dass eine kleine Gruppe von Investoren aus dem Umfeld der New Yorker Berkshire Bank schon vor Monaten im großen Stil Kodak-Aktien zugekauft hatten.

Ein weiteres interessantes Detail berichtet die Online-Plattform Daily Beast diese Woche. Demnach hatte das seit Jahren strauchelnde Kodak seine Lobbyarbeit in Washington D.C. im Jahr 2019 eingestellt. Im Zuge der Corona-Krise wurde der Betrieb im April diesen Jahres wieder hochgefahren. Laut einer offiziellen Mitteilung gab das Unternehmen zwischen April und Juni 870.000 US-Dollar für Lobbyarbeit aus.

Peter-Thilo Hasler glaubt, dass die amerikanische Börsenaufsicht und die Justiz ihre Arbeit gewohnt gründlich machen dürften. „So wie man die US-amerikanische Justiz kennt, kann man davon ausgehen, dass hier die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.“

Autor: Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion

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